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Wochenüberblick 07-13/09/2015

CAD, NZD und AUD leiden unter dem Konjunktureinbruch in China

Nachdem die Zinsentscheidung der EZB und die US-Beschäftigungszahlen jetzt abgehakt wurden, können die Märkte wieder ihr Interesse auf die wachsende Wirtschaftskrise in China richten. Zuletzt veröffentlichte Daten deuten weiterhin auf einen stotternden chinesischen Konjunkturmotor hin, was bereits weitreichende Kreise zog. Während es für Schwellenländer ziemlich gewöhnlich ist, ihr Wachstum auf Rohstoffe zu stützen, ist dies bei Industrieländern seltener der Fall.

Aber natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Und nirgendwo haben die chinesischen Wirtschaftsprobleme stärkere Auswirkungen, als in den Märkten, die vom Wachstum in China abhängig sind. Damit beziehen wir uns ganz spezifisch auf jene Länder, die sich in großem Ausmaß auf ihre Rohstoffe und sonstigen natürlichen Ressourcen stützen, wie beispielsweise Kanada, Australien und Neuseeland. In der kommenden Woche gibt es drei bedeutende, möglicherweise marktentscheidende Ereignisse, die sich auf die Währungen dieser Länder auswirken könnten. Daher nehmen wir heute den kanadischen, australischen und neuseeländischen Dollar etwas genauer unter die Lupe; diese Währungen sind Devisen-Tradern gemeinhin als Loonie, Aussie und Kiwi bekannt.

Der kanadische Loonie spürt bereits den Druck

Am Mittwoch wird die kanadische Zentralbank (BOC) ihre geldpolitischen Entscheidungen bekanntgeben. Abgesehen von der Lage in China muss sich die BOC auch im eigenen Land der unwillkommenen Erkenntnis widmen, dass Kanada offiziell in die Rezession abgerutscht ist. Auch wenn die tatsächlichen Zahlen etwas über den Erwartungen der Analysten lagen, waren sie trotzdem ernüchternd. Die letzten Daten zeigen, dass die kanadische Wirtschaft ihren zweiten aufeinanderfolgenden Abschwung erlitten hat und im zweiten Quartal (gegenüber dem Vorjahr) einen BIP-Einbruch von 0,5 % verzeichnen musste. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Zahlen des ersten Quartals auf -0,8 % nach unten revidiert werden mussten. Während die Bank of Canada zwar für die letzten beiden Quartale eine leichte Verbesserung erwartet, wurde die Wachstumsprognose für das Gesamtjahr von 1,9 % auf 1,1 % gesenkt, eine nach allen Standards bedeutende Reduktion. Der Kollaps des Erdölpreises spielte für das Abrutschen der kanadischen Wirtschaft eine wesentliche Rolle, weil Erdöl für beinahe 17 % des Wachstums verantwortlich ist.

Kanada ist sehr stark von chinesischen Ölimporten abhängig, daher zeichnet die schwindende Nachfrage aus China ein düsteres Bild für die weitere Entwicklung des Landes. Der kanadische Dollar erreichte vor Kurzem im Vergleich zum USD ein 11-Jahres-Tief und die kurzfristig auseinanderdriftende Geldpolitik der beiden Nachbarländer könnte diesen Graben weiter vergrößern. Während die BOC eine Zinssenkung ins Auge fassen könnte, denkt die Fed nämlich  derzeit über eine Erhöhung der Zinsen nach. Auch wenn sich die Analysten darüber nicht einigen konnten, steigen die Erwartungen, dass die BOC erneut eine Senkung des Referenzzinssatzes vornehmen könnte.

Ist Neuseelands Kiwi überreif?

Die Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) wird am Mittwoch über ihren Zinssatz und ihre weitere Geldpolitik abstimmen. Ebenso wie Australien und Kanada ist auch das Wachstum der neuseeländischen Wirtschaft in großem Ausmaß von Rohstoffen abhängig, in diesem Fall von Molkereiprodukten. Der ständige Preisrückgang bei den Molkereiprodukten führte zu einer Senkung der Wachstumsprognosen des Landes. Und die jüngsten Wirtschaftszahlen sind auch weitestgehend enttäuschend; der Geschäftsklimaindex ist im zweiten Quartal auf dem tiefsten Stand seit sechs Jahren, während die Einzelhandelszahlen ein Dreijahres-Tief verzeichnen mussten.

Auf der positiven Seite gehen Ökonomen davon aus, dass der private Konsum und die Bausektor die neuseeländische Konjunktur beleben könnten. Allerdings könnte das Wachstum von einem zu starken („überreifen“) Kiwi-Dollar gedrosselt werden, weil sich dieser negativ auf die Exportpreise auswirkt. Die RBNZ senkte ihren Referenzzinssatz bereits im Juli auf 3 %. Obwohl weil dieser Zinssatz noch deutlich über dem Zinssatz anderer Währungen liegt, steigen die Erwartungen, dass eine weitere Zinssenkung folgen könnte.

Auch der Aussie-Dollar bereitet Kummer

In Australien wirkte sich der Einbruch bei den Rohstoffpreisen – und insbesondere beim Eisenerz, das dieses Jahr bereits 40 % seines Wertes vorgeben musste – negativ auf das Wirtschaftswachstum aus. Der Abbau von Eisenerz steuert beispielsweise beinahe 10 % zum australischen BIP bei und mehr als die Hälfte des Eisenerzes weltweit kommen aus den Minen im Westen Australiens. Analysten geben allerdings zu bedenken, dass jene Volkswirtschaften, die sich in eine zu große Abhängigkeit von natürlichen Ressourcen wie Öl oder Eisenerz begeben, gefährdet sind, wenn sie sich gegen diese überproportionale Abhängigkeit nicht durch alternative Wachstumsquellen absichern.

Nachdem das BIP im ersten Quartal noch die Erwartungen der Analysten übertreffen konnte, brachten die zuletzt veröffentlichten Zahlen für das zweite Quartal die große Ernüchterung. Den Prognosen zufolge hätte es im zweiten Quartal ein Wachstum von 0,5 % geben sollen, die aktuellen Zahlen belegten allerdings, dass die australische Wirtschaft (im Quartalsvergleich) nur 0,2 % zulegen konnte. Das annualisierte BIP-Wachstum lag bei 2,0 % und lag somit klar unterhalb des 15-jährigen Durchschnitts von 3,6 %. Der Internationale Währungsfonds ist der Ansicht, dass sich Australien bei Wachstum und Lebensstandards gewissen Herausforderungen ausgesetzt sehen könnte. Zunächst werden sich die Märkte einmal am Donnerstag auf die Veröffentlichung der Arbeitsmarktzahlen konzentrieren, um die Auswirkungen des nachlassenden Wachstums zu bewerten.

Im Klartext

Angesichts der fortgesetzten Abschwächung der chinesischen Wirtschaft werden sich die Märkte auf die damit verbundenen Auswirkungen auf stark rohstoffabhängige Währungen wie den kanadischen, neuseeländischen und australischen Dollar konzentrieren. Falls sich die BOC oder die RBNZ nicht bewegen sollten, werden sich ihre jeweiligen Währungen ausschließlich in Abhängigkeit mit Nachrichten aus China verändern, sei es zum Guten oder zum Schlechten. Wenn sich hingegen entweder die BOC oder die RNBZ besonders kompromissbereit verhält, könnte die jeweilige Währung davon stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Und falls dies geschehen sollte, würde der Loonie beziehungsweise der Kiwi eine Zeit lang brauchen, um wieder auf die Beine zu kommen. Wenn es keine Neuigkeiten aus China gibt, könnten starke Arbeitsmarktzahlen den Aussie beflügeln; enttäuschende Daten aus diesem Bereich würden der australischen Währung hingegen zusetzen.

Das konkrete Programm

BIP Eurozone Q2 (Dienstag) – Dies ist die zweite Veröffentlichung mit Bezug auf das BIP-Wachstum in der Eurozone im zweiten Quartal. Falls diese zweite Runde zu einer Senkung der vorherigen Wachstumszahlen führen sollte, könnte der Euro weiterem Verkaufsdruck ausgesetzt werden.

Zinsentscheidung der BoC (Mittwoch) – Falls die BoC zu pessimistisch auftritt und sich für eine weitere monetäre Lockerung entscheiden sollte, könnte es zu einem starken Abverkauf des kanadischen Dollars (CAD) kommen.

Zinsentscheidung der RBNZ (Mittwoch) – Falls sich die RBNZ aufgrund der Turbulenzen in China zu eigenständigen Lockerungsmaßnahmen entscheiden sollte, könnte der Kiwi-Dollar stark in Mitleidenschaft gezogen werden und zwar insbesondere im Verhältnis zu Yen, USD und Pfund.

Australische Arbeitslosenzahlen (Donnerstag) –  Falls die Arbeitslosigkeit in Australien zunehmen sollte, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die RBA eine pessimistischere Haltung einnehmen wird, wodurch es zu einem Abverkauf des Aussie gegenüber seinen stärkeren Peer-Währungen USD, Pfund und Yen kommen könnte.

Chart der Woche – GBP/JPY

GBPJPY weekly

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