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Wochenüberblick 07-13/12/2015

Zum Ausklang des Jahres sind die Blicke auf Dollar und Pfund gerichtet

Nachdem die Zinsentscheidung der EZB und die US-Arbeitsmarktdaten endlich draußen sind, können die Anleger wieder einen Gang höher schalten. Diese Woche werden sich die Märkte auf zwei marktentscheidende Ereignisse konzentrieren. Das erste findet am Donnerstag statt, wenn die Bank of England ihre letzte und wohl wichtigste Zinsentscheidung des Jahres 2015 bekannt gibt. Aber möglicherweise ist der konkrete Ausblick von Mark Carney auf das kommende Jahr sogar noch bedeutender.

Am Freitag begeben wir uns wieder ans andere Ufer des großen Teichs, wo die US-Einzelhandelszahlen für den Monat November veröffentlicht werden. Die Novemberdaten umfassen insbesondere auch die Umsätze des “Black Friday”, dem traditionell absatzstärksten Einkaufstag des Jahres. Zudem darf auch nicht vergessen werden, dass es sich dabei um die letzten Einzelhandelszahlen vor der nächsten Zinsentscheidung der Fed handelt.

Richtungsentscheidung für das Pfund im Jahr 2016

Am Donnerstag wird die Bank of England ihre neuesten geldpolitischen Entscheidungen bekanntgeben. Im Kern wird es darum gehen, ob die BoE der grundsätzlich eingeschlagenen Richtung der Fed folgen wird. Zurzeit liegt der Leitzinsatz der BoE bei 0,50 % und es gibt über eine Zinserhöhung in der nahen Zukunft keinen wirklichen Konsens. Notenbankchef Mark Carney befindet sich in einem Zwiespalt.

Einerseits tendiert die BoE seit jeher dazu, der Führung der Fed zu folgen. Auf der anderen Seite könnte aber eine Zinserhöhung zum jetzigen Zeitpunkt ein riskantes Vorhaben darstellen. Es ist offensichtlich, dass die EZB im Begriff ist, weitere Lockerungsmaßnahmen zu beschließen. Daher würde sich ein Auseinanderdriften der Strategien stark auf den Handel zwischen Großbritannien und der Eurozone auswirken. Britische Produkte würden für Konsumenten aus der Eurozone ganz einfach zu teuer werden.

Der Gouverneur der BoE stellte vor kurzem klar, dass die nächste Zinsbewegung nach oben gehen wird. Allerdings hielt er sich darüber bedeckt, wann es dazu kommen könnte. Er betonte auch, dass die Inflation noch immer im Bereich von 0 % festgefahren ist und damit weit unter dem Inflationsziel der BoE von 2 % liegt. Analysten gehen nicht von einer Zinserhöhung vor dem 2. Quartal 2016 aus und die Stimmung an den Märkten scheint dieses Datum noch später anzusetzen. Falls die BoE allerdings mit der Bekanntgabe einer Zinserhöhung überraschen sollte, könnte dies dem Pfund starken Auftrieb verleihen. Gleichzeitig könnte eine solche Zinserhöhung aber dem FTSE100 zusetzen.

Wenn sie die Gelegenheit hätten, würden Investoren Mark Carney sicherlich gerne ein paar Fragen stellen. Beispielsweise, ob er der Zukunft optimistisch entgegenblickt oder nicht? Wie beurteilt er die Wahrscheinlichkeit und den möglichen Zeitpunkt einer Zinserhöhung? Welche anderen Faktoren zieht die BoE in Betracht?

Wall Street wartet mit Spannung auf die US-Einzelhandelszahlen

Die US-amerikanische Statistikbehörde wird am Freitag die Umsatzzahlen des Einzelhandels veröffentlichen. Die Einzelhandelsverkäufe werden als guter Indikator für das Vertrauen der US-Verbraucher in die Wirtschaft gesehen. Die Märkte werden sich dafür interessieren, wie tief die Konsumenten in die Tasche greifen. Solide Zahlen würden darauf hindeuten, dass die Verbraucher ihren Fähigkeiten vertrauen, mit einer bevorstehenden Zinserhöhung “klarzukommen”. Falls die Zahlen allerdings nicht überzeugen sollten, könnten weitere Wetten auf den Dollar auf den Zeitraum nach der nächsten Zinsentscheidung der Fed verschoben werden.

Während starke Einzelhandelszahlen eine Zinserhöhung rechtfertigen könnten, hätte dies auch bedeutende Auswirkungen auf die Wall Street. Obwohl sich eine restriktivere Geldpolitik normalerweise negativ auf die Aktienmärkte auswirkt, könnten solide Einzelhandelsumsätze die US-Indizes beflügeln und diese das Jahr mit einer hohen Bewertung beenden lassen. Dadurch würde auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Unternehmenserträge im 4. Quartal, und dabei insbesondere im Einzelhandel, höher ausfallen könnten. Schwache Daten könnten der Wall Street insbesondere angesichts der bevorstehenden Zinsentscheidung der Fed zusetzen. Die Kombination aus niedrigem Verbrauchervertrauen und höheren Zinssätzen ist Gift für die Wall Street.

Im Klartext

Die Erwartungen gehen klar in die Richtung, dass die Bank of England eine Zinserhöhung weiter verschieben wird. Falls Mark Carney allerdings mit einem optimistischen Ausblick auf das kommende Jahr überraschen sollte, würde sich dies positiv auf das Pfund auswirken. Dies würde darauf hindeuten, dass eine Zinserhöhung endlich Realität werden könnte. Allerdings steht diesem Gedankengang entgegen, dass sich ein stärkeres Pfund belastend auf die Konjunktur auswirken würde. Eine Zinserhöhung könnte dem Pfund also möglicherweise nur vorübergehend zugutekommen. Längerfristig gesehen würde es nämlich bei einer Bedrohung des Wachstums wieder unter Druck geraten.

Sollte es zu keiner Zinsentscheidung kommen, wird man dem Ausblick von Mark Carney entscheidende Bedeutung zumessen können. Erwartet er, dass die Inflation langsam auf Touren kommt und wann? Und was denkt er generell über die zukünftige Entwicklung der britischen Wirtschaft? Diese brennenden Fragen werden hoffentlich beantwortet werden.

In den USA werden wir erfahren, ob die amerikanischen Verbraucher wieder über ausreichendes Vertrauen verfügen, um vor den Festtagen tief in die Tasche zu greifen. Letzten Endes wirken sich höhere Umsätze nämlich positiv auf die Indizes der Wall Street aus. Allerdings würden enttäuschende Zahlen nicht nur die Wall Street unter Druck bringen, sondern auch den Dollar in Mitleidenschaft ziehen.

Das konkrete Programm

BIP Q3 Eurozone (Dienstag) – Falls das BIP der Eurozone für das 3. Quartal (in seiner dritten Veröffentlichung) nach oben revidiert würde, könnte der Euro davon leicht profitieren.

BIP Q3 Japan (Dienstag) – Falls das japanische BIP des 3. Quartals in seiner dritten Bekanntgabe etwas nach oben revidiert werden sollte, könnte der Yen an Boden gewinnen. Allerdings wird erwartet, dass die allfälligen Zuwächse eher beschränkt ausfallen werden.

Australische Arbeitslosenzahlen (Donnerstag) – Falls die Arbeitslosenquote in Australien nach ihrem dramatischen Rückgang im Vormonat unter 5,9 % fallen sollte, könnte es beim Australischen Dollar im Vergleich zu Euro und Yen zu einem Kursfeuerwerk kommen.

Zinsentscheidung der BoE (Donnerstag) – Eine der wichtigsten BoE-Zinsentscheidungen der jüngsten Zeit. Falls die Bank of England dem kommenden Jahr eher verhalten entgegensehen sollte, könnte das Pfund einbrechen, bei einem optimistischeren Ausblick der BoE dürfte es hingegen wieder etwas verlorenen Boden gutmachen.

US-Daten zum Einzelhandel (Freitag) – Das wichtigste Event der Woche für die Wall Street und den Dollar. Falls die Einzelhandelsumsätze die Erwartungen übertreffen sollten, könnten die Indizes der Wall Street nach oben gehen. Wenn der Einzelhandel hingegen enttäuschen sollte, dürften sowohl die Wall Street als auch der Dollar in Mitleidenschaft gezogen werden.

Chart der Woche

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