{"id":1291212,"date":"2026-09-09T12:53:56","date_gmt":"2026-09-09T09:53:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.etoro.com\/?p=1291212"},"modified":"2026-09-09T12:53:56","modified_gmt":"2026-09-09T09:53:56","slug":"volkswagen-greift-zum-rotstift-reicht-das-fur-das-comeback","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.etoro.com\/de\/news-and-analysis\/market-insights\/volkswagen-greift-zum-rotstift-reicht-das-fur-das-comeback\/","title":{"rendered":"Volkswagen greift zum Rotstift \u2013 reicht das f\u00fcr das Comeback?\u00a0"},"content":{"rendered":"<p>Volkswagen steht nicht vor einer einzelnen Sparrunde, sondern vor einem tiefgreifenden Umbau des Konzerns. F\u00fcr Anleger ist das grunds\u00e4tzlich positiv, weil Management und Aufsichtsrat strukturelle Probleme klarer adressieren. Gleichzeitig ist der Umbau politisch, operativ und personell alles andere als abgeschlossen.<\/p>\n<h2>Tiefgreifender Konzernumbau<\/h2>\n<p>Volkswagen steht vor einem deutlich gr\u00f6\u00dferen Umbau als bisher. Der Aufsichtsrat hat einen Plan unterst\u00fctzt, der rund 50.000 zus\u00e4tzliche Stellenstreichungen, eine kleinere Produktionsbasis und deutlich weniger Modelle vorsieht. Bei den 50.000 Stellen handelt es sich allerdings zun\u00e4chst um eine Planungsgr\u00f6\u00dfe und nicht um ein bereits beschlossenes Abbauprogramm.<\/p>\n<p>Gleichzeitig will Volkswagen den Konzern deutlich verschlanken. Bis 2035 k\u00f6nnte die Modellpalette um bis zu die H\u00e4lfte reduziert werden, w\u00e4hrend das Portfolio aus Gesch\u00e4ftsbereichen und Beteiligungen um rund ein Drittel schrumpfen soll. Auch bei den Investitionen setzt VW den Rotstift an. F\u00fcr 2027 bis 2031 sind rund 135 Milliarden Euro f\u00fcr Investitionen sowie Forschung und Entwicklung vorgesehen \u2013 etwa 16 Prozent weniger als zuvor geplant.<\/p>\n<p>Das Ziel ist eine deutlich h\u00f6here Profitabilit\u00e4t. Bis 2030 strebt Volkswagen eine operative Marge von 9 Prozent an. Daf\u00fcr sollen Kosten und \u00dcberkapazit\u00e4ten sinken und die hohe Komplexit\u00e4t des Konzerns reduziert werden. Die B\u00f6rse honorierte die Pl\u00e4ne zun\u00e4chst. Nach der Zustimmung des Aufsichtsrats sprang die Aktie zeitweise um fast 10 Prozent.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung beginnt allerdings erst jetzt. Die Arbeitnehmervertreter betonen, dass die Zustimmung des Aufsichtsrats kein Freifahrtschein f\u00fcr das Management ist. Viele Details m\u00fcssen noch ausgehandelt werden. Auch f\u00fcr die Werke in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm fehlen nach Auslaufen der aktuellen Modelle teilweise noch wettbewerbsf\u00e4hige langfristige Produktionsperspektiven.<\/p>\n<h2>Jetzt muss Volkswagen liefern<\/h2>\n<p>Parallel nimmt VW sein Beteiligungsportfolio unter die Lupe. Dass selbst ein Verkauf von Ducati gepr\u00fcft wird, steht sinnbildlich f\u00fcr die neue Kapitaldisziplin. Kapital soll st\u00e4rker auf Gesch\u00e4fte, Marken und Modelle mit h\u00f6heren Renditen konzentriert werden. Ducati erwirtschaftete zuletzt zwar einen operativen Gewinn, bleibt mit seiner Marge aber unter dem langfristigen Renditeziel des VW-Konzerns.<\/p>\n<p>Hinter dem Umbau stehen vor allem drei Probleme: r\u00fcckl\u00e4ufige Verk\u00e4ufe in China, hohe Kosten in Deutschland und \u00dcberkapazit\u00e4ten in Europa. Allein in Europa verf\u00fcgt Volkswagen nach eigenen Angaben \u00fcber ungenutzte Produktionskapazit\u00e4ten von rund 500.000 Fahrzeugen pro Jahr. Gleichzeitig versch\u00e4rfen chinesische Hersteller wie BYD den Wettbewerb in Europa.<\/p>\n<p>Auch Audi passt seine Strategie an. Statt eines weitgehend einheitlichen globalen Modellangebots sollen Produkte st\u00e4rker auf einzelne Regionen zugeschnitten werden. Gleichzeitig pr\u00fcft Audi eine Produktion in den USA, um seine hohe Abh\u00e4ngigkeit von Importen und damit die Belastung durch Z\u00f6lle zu reduzieren.<\/p>\n<p>Unterm Strich versucht Volkswagen, Kosten zu senken, Kapital gezielter einzusetzen und die Profitabilit\u00e4t zu erh\u00f6hen. F\u00fcr Anleger reicht die Ank\u00fcndigung allein jedoch nicht. Entscheidend wird sein, ob VW die Ma\u00dfnahmen tats\u00e4chlich umsetzen und damit Margen, Free Cashflow und Kapitalrenditen nachhaltig verbessern kann.<\/p>\n<h2>Toyota verkauft mehr Autos mit deutlich weniger Personal<\/h2>\n<p>Die Grafik zeigt deutlich, warum der Personalabbau bei Volkswagen ein zentraler Bestandteil des Konzernumbaus ist. Mit rund 629.000 Besch\u00e4ftigten und etwa 9 Millionen verkauften Fahrzeugen verf\u00fcgt VW im Vergleich zu den dargestellten Wettbewerbern \u00fcber eine sehr gro\u00dfe Belegschaft.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-1291213\" src=\"https:\/\/www.etoro.com\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Screenshot-2026-09-09-VW2-300x165.png\" alt=\"\" width=\"1376\" height=\"757\" srcset=\"https:\/\/www.etoro.com\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Screenshot-2026-09-09-VW2-300x165.png 300w, https:\/\/www.etoro.com\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Screenshot-2026-09-09-VW2-768x422.png 768w, https:\/\/www.etoro.com\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Screenshot-2026-09-09-VW2.png 932w\" sizes=\"(max-width: 1376px) 100vw, 1376px\" \/><\/p>\n<p>Besonders deutlich wird das im Vergleich mit Toyota. Der japanische Konkurrent verkauft mit 11,3 Millionen Fahrzeugen rund ein Viertel mehr Autos als Volkswagen, besch\u00e4ftigt mit etwa 384.000 Mitarbeitern aber rund 245.000 Menschen weniger.<\/p>\n<p>Die Zahlen unterstreichen damit die gro\u00dfe Kostenbasis von Volkswagen. Genau dort setzt der aktuelle Umbau an. VW plant bis zu 50.000 zus\u00e4tzliche Stellenstreichungen und will gleichzeitig \u00dcberkapazit\u00e4ten reduzieren, die Modellpalette verkleinern und die operative Marge erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Der Vergleich hat allerdings Grenzen. Volkswagen und Toyota unterscheiden sich unter anderem bei Fertigungstiefe, Markenportfolio, Finanzdienstleistungen, Nutzfahrzeugen und regionaler Produktion. Auch die Frage, welche T\u00e4tigkeiten intern oder von Zulieferern \u00fcbernommen werden, spielt eine Rolle.<\/p>\n<p>Die Zahl der Mitarbeiter pro verkauftem Fahrzeug ist deshalb ein Hinweis auf Kostenstruktur und Komplexit\u00e4t, aber allein noch kein sauberer Ma\u00dfstab f\u00fcr Produktivit\u00e4t. Entscheidend wird sein, ob Volkswagen seine Kostenbasis reduzieren kann, ohne Absatz, Produktqualit\u00e4t und Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu schw\u00e4chen.<\/p>\n<h2>Trendwende oder nur Zwischenrally?<\/h2>\n<p>Die VW-Aktie hat zuletzt wieder deutlich Boden gutgemacht. Seit Monatsbeginn liegt sie 4,4 Prozent im Plus bei 82,30 Euro und steuert damit auf den dritten Gewinnmonat in Folge zu. Gegen\u00fcber dem Juli-Tief hat sich der Kurs bereits um rund 16 Prozent erholt.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine nachhaltige Trendwende reicht das bislang jedoch nicht. Das \u00fcbergeordnete Chartbild ist weiterhin von dem Abw\u00e4rtstrend der vergangenen Jahre gepr\u00e4gt, in dem die Aktie immer wieder tiefere Hochs und tiefere Tiefs ausgebildet hat.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine weitere Aufhellung m\u00fcsste die Aktie zun\u00e4chst wichtige Widerst\u00e4nde \u00fcberwinden. Die erste H\u00fcrde liegt am Mai-Hoch bei 95,60 Euro. Ein nachhaltiger Ausbruch dar\u00fcber w\u00e4re ein wichtiges Signal, um den Verk\u00e4ufern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Danach w\u00fcrde das Dezember-Hoch bei rund 110 Euro zur n\u00e4chsten wichtigen Marke.<\/p>\n<p>Solange der erste Widerstand nicht \u00fcberwunden wird, besteht die Gefahr, dass die j\u00fcngste Erholung lediglich eine Aufw\u00e4rtskorrektur innerhalb des \u00fcbergeordneten Abw\u00e4rtstrends bleibt. In diesem Fall k\u00f6nnte erneut Verkaufsdruck aufkommen und das Juli-Tief wieder getestet werden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-1291239\" src=\"https:\/\/www.etoro.com\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Screenshot-2026-09-09-VW-300x123.png\" alt=\"\" width=\"1376\" height=\"564\" srcset=\"https:\/\/www.etoro.com\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Screenshot-2026-09-09-VW-300x123.png 300w, https:\/\/www.etoro.com\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Screenshot-2026-09-09-VW-1024x419.png 1024w, https:\/\/www.etoro.com\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Screenshot-2026-09-09-VW-768x314.png 768w, https:\/\/www.etoro.com\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Screenshot-2026-09-09-VW-1536x628.png 1536w, https:\/\/www.etoro.com\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Screenshot-2026-09-09-VW.png 1772w\" sizes=\"(max-width: 1376px) 100vw, 1376px\" \/><\/p>\n<p><i>VW-Aktien im Monatschart. Quelle: etoro<\/i><\/p>\n<h2>Worauf Anleger achten sollten<\/h2>\n<p>F\u00fcr Anleger kommt es darauf an, zwischen reinem Kostenabbau und einer nachhaltigen Verbesserung des Gesch\u00e4fts zu unterscheiden. Kurzfristig k\u00f6nnen weniger Personal und niedrigere Investitionen die Profitabilit\u00e4t st\u00fctzen. Langfristig muss Volkswagen aber gleichzeitig Kapitalrendite, Produktqualit\u00e4t, Marktanteile und Free Cashflow verbessern.<\/p>\n<p>Im positiven Szenario wird VW schlanker, fokussierter und effizienter. Weniger Komplexit\u00e4t, niedrigere Kosten und eine gezieltere Kapitalallokation k\u00f6nnten Margen und Cashflow nachhaltig erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Die Risiken liegen vor allem in der Umsetzung. Arbeitnehmerkonflikte k\u00f6nnten den Umbau verz\u00f6gern, China k\u00f6nnte schwach bleiben und die \u00dcberkapazit\u00e4ten in Europa k\u00f6nnten l\u00e4nger bestehen. Gleichzeitig d\u00fcrfen die Investitionsk\u00fcrzungen nicht dazu f\u00fchren, dass VW bei Software, Elektromobilit\u00e4t und neuen Modellen weiter an Wettbewerbsf\u00e4higkeit verliert.<\/p>\n<p>F\u00fcr Anleger lautet die zentrale Frage deshalb nicht, ob Volkswagen Kosten senken kann. Entscheidend ist, ob der Konzern dadurch dauerhaft profitabler und wettbewerbsf\u00e4higer wird, ohne an den falschen Stellen zu sparen.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Volkswagen hat erstmals seit Langem einen deutlich aggressiveren Umbauplan. Das ist positiv, aber der Markt hat bislang vor allem die Ank\u00fcndigung gefeiert. Jetzt muss VW beweisen, dass aus weniger Mitarbeitern, weniger Modellen und weniger Beteiligungen tats\u00e4chlich h\u00f6here Margen, bessere Kapitalrenditen und nachhaltiger Free Cashflow entstehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Diese Mitteilung dient ausschlie\u00dflich zu Informations- und Bildungszwecken und darf nicht als Anlageberatung, pers\u00f6nliche Empfehlung oder als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten verstanden werden. Dieses Material wurde ohne Ber\u00fccksichtigung der spezifischen Anlageziele oder der finanziellen Situation eines bestimmten Empf\u00e4ngers erstellt. Es entspricht nicht den gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen zur F\u00f6rderung unabh\u00e4ngiger Analysen. Jegliche Hinweise auf die vergangene oder zuk\u00fcnftige Performance eines Finanzinstruments, Index oder eines Anlageprodukts sind keine verl\u00e4sslichen Indikatoren f\u00fcr zuk\u00fcnftige Ergebnisse und d\u00fcrfen daher nicht als solche betrachtet werden. eToro \u00fcbernimmt keine Gew\u00e4hr f\u00fcr die Richtigkeit oder Vollst\u00e4ndigkeit des Inhalts dieser Ver\u00f6ffentlichung und schlie\u00dft jegliche Haftung daf\u00fcr aus.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Volkswagen steht nicht vor einer einzelnen Sparrunde, sondern vor einem tiefgreifenden Umbau des Konzerns. F\u00fcr Anleger ist das grunds\u00e4tzlich positiv, weil Management und Aufsichtsrat strukturelle Probleme klarer adressieren. Gleichzeitig ist der Umbau politisch, operativ und personell alles andere als abgeschlossen. Tiefgreifender Konzernumbau Volkswagen steht vor einem deutlich gr\u00f6\u00dferen Umbau als bisher. 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