Manuel Wirths
Der Software Sektor steht seit einiger Zeit massiv unter Druck. Viele Aktien wurden deutlich abgestraft, teilweise unabhängig davon, ob die Unternehmen operativ wirklich schwächer geworden sind oder nicht. Das dominierende Narrativ ist schnell erzählt: Künstliche Intelligenz wird klassische Softwarelösungen überflüssig machen. Kunden werden eigene Lösungen bauen, bestehende Anbieter verlieren an Bedeutung und die bisherigen Geschäftsmodelle geraten unter Druck. Ich glaube, dass diese Sichtweise in vielen Fällen zu einfach ist. Natürlich wird KI den Softwaremarkt verändern. Manche Anbieter werden Probleme bekommen, wenn ihre Produkte austauschbar sind oder keinen echten Mehrwert mehr liefern. Aber bei vielen etablierten Softwareunternehmen sehe ich aktuell nicht, dass die Geschäftsgrundlage wegbricht. Im Gegenteil: In den Quartalsberichten ist weiter von Wachstum, hoher Nachfrage, Cloud Transformation, wiederkehrenden Umsätzen und neuen KI Funktionen die Rede. Für mich ist der entscheidende Punkt: KI allein löst in Unternehmen noch kein reales Prozessproblem. Sie braucht Daten, Systemlogik, Schnittstellen, Workflows, Berechtigungen, Dokumentation und eine saubere Einbindung in bestehende Abläufe. Genau dort sitzen viele etablierte Softwareanbieter seit Jahren tief beim Kunden. Deshalb kann KI gute Software aus meiner Sicht nicht nur angreifen, sondern auch wertvoller machen. Wenn ein Anbieter bereits in den zentralen Prozessen eines Unternehmens verankert ist und KI sinnvoll in diese Umgebung integriert, entsteht daraus nicht automatisch ein Risiko, sondern möglicherweise ein zusätzlicher Nutzen. Ich habe mich deshalb bewusst im Software Bereich positioniert und bin aktuell in $MSFT (Microsoft) , $ADBE (Adobe Systems Inc) , $SAP.DE (SAP SE) und $NEM.DE (Nemetschek SE) investiert. Microsoft ist für mich dabei der Qualitätsanker. Das Unternehmen profitiert nicht nur von Azure und Microsoft 365, sondern ist mit Copilot auch sehr direkt im KI Thema positioniert. Dass Bill Ackman mit Pershing Square zuletzt ebenfalls bei Microsoft eingestiegen ist, zeigt zumindest, dass große Investoren den Abverkauf bei etablierten Softwarewerten nicht nur als Warnsignal, sondern auch als Chance sehen. Adobe, SAP und Nemetschek sehe ich anders. Hier geht es für mich stärker um eine Turnaround These. Alle drei Unternehmen stehen unter Druck, weil der Markt sehr kritisch auf die Auswirkungen von KI blickt. Gleichzeitig haben sie starke Marktpositionen, enge Kundenbeziehungen und Produkte, die in professionellen Arbeitsprozessen tief verankert sind. Das ist keine sichere Wette. Der Markt kann länger skeptisch bleiben, Bewertungen können weiter fallen und KI kann einzelne Geschäftsmodelle stärker verändern, als es heute sichtbar ist. Aber aus meiner Sicht preist der Markt aktuell sehr viel Angst ein und noch wenig von der Möglichkeit, dass KI für viele dieser Unternehmen nicht das Ende, sondern der nächste Wachstumstreiber sein könnte. Genau auf diese Neubewertung setze ich. Keine Anlageberatung. Nur meine persönliche Einschätzung und Positionierung. Translate
Not investment advice. The author may have financial interests in the mentioned instruments.
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