Viktor Fast
ServiceNow: Vom Workflow-Spezialisten zur KI-Steuerungszentrale für Unternehmen Die ServiceNow gehört zu den spannendsten KI-Profiteuren im Softwaresektor. Ursprünglich bekannt als Anbieter von Workflow- und IT-Service-Management-Lösungen, versucht das Unternehmen aktuell, sich als zentrale Steuerungsplattform für künstliche Intelligenz in Unternehmen zu etablieren. Auf der Knowledge-2026-Konferenz präsentierte ServiceNow die bislang größte strategische Neuausrichtung seiner Unternehmensgeschichte. Im Mittelpunkt stehen drei neue Bausteine: „ServiceNow Otto“, „Action Fabric“ und der erweiterte „AI Control Tower“. Otto fungiert als zentrale KI-Oberfläche für Mitarbeiter und bündelt verschiedene KI-Funktionen wie Enterprise Search, Voice Agents und Datenanalysen in natürlicher Sprache. Die Technologie basiert unter anderem auf der 2025 übernommenen Moveworks-Plattform und wird bereits bei Unternehmen wie Honeywell, PayPal, Booking.com und der NHL eingesetzt. Besonders interessant ist jedoch Action Fabric. Dabei handelt es sich um eine Integrationsschicht, über die externe KI-Agenten auf Unternehmensdaten und Workflows zugreifen müssen. ServiceNow verdient dabei an jeder ausgeführten Aktion mit. Strategisch könnte dies zu einem äußerst lukrativen Geschäftsmodell werden, da ServiceNow damit nicht nur Software verkauft, sondern zur Infrastruktur für fremde KI-Agenten wird. Anthropic gehört zu den ersten Partnern dieser Plattform. Operativ läuft das Geschäft weiterhin hervorragend. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Subscription-Umsätze auf 3,67 Milliarden US-Dollar, während die verbleibenden Vertragsumsätze (RPO) um mehr als 25 % zulegten. Besonders beeindruckend ist die Entwicklung von „Now Assist“, der generativen KI-Lösung von ServiceNow. Die Zahl der Kunden mit einem jährlichen Vertragswert von über einer Million US-Dollar wuchs gegenüber dem Vorjahr um mehr als 130 %. Gleichzeitig erhöhte das Management sein Ziel für den KI-bezogenen Vertragswert von 1,0 auf 1,5 Milliarden US-Dollar. Zusätzlich sorgte das neue KI-Produkt „Talent Signature“ für Aufmerksamkeit. Die Plattform analysiert Fähigkeiten und Entwicklungspotenziale von Mitarbeitern und schlägt automatisch passende Weiterbildungsmaßnahmen vor. Damit verbindet ServiceNow Personalentwicklung, KI und Weiterbildung zu einer integrierten Lösung und stärkt gleichzeitig das eigene Schulungsökosystem. Charttechnisch befindet sich die Aktie in einer interessanten Phase. Nach dem starken Rückgang von ihrem Hoch bei rund 211 US-Dollar im Jahr 2025 notierte die Aktie Ende Mai 2026 bei etwa 109 US-Dollar. In den vergangenen Wochen konnte jedoch ein stabiler Boden im Bereich von 95 bis 105 US-Dollar ausgebildet werden. Der Ausbruch über 108 US-Dollar gilt als erstes positives Signal. Die nächste wichtige Hürde liegt im Bereich von 115 US-Dollar. Wird diese überwunden, könnte sich die Erholung deutlich beschleunigen. Auch die Bewertung wirkt inzwischen attraktiver als in den Vorjahren. Bank of America startete die Coverage erneut mit einem Kursziel von 130 US-Dollar, während der Analystenkonsens bei etwa 145 US-Dollar liegt. Das entspricht einem theoretischen Aufwärtspotenzial von rund 30 %. Insgesamt zählt ServiceNow aktuell zu den Unternehmen mit der klarsten KI-Strategie im Enterprise-Software-Markt. Das Unternehmen verkauft nicht einfach einzelne KI-Anwendungen, sondern baut eine komplette Infrastruktur für die Steuerung, Überwachung und Monetarisierung von KI-Prozessen in Unternehmen auf. Gelingt die Umsetzung dieser Strategie, könnte ServiceNow zu einem der wichtigsten Gewinner der nächsten KI-Welle im Unternehmenssoftwaremarkt werden. Translate
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