ASML kann die KI-Nachfrage kaum noch bedienen

ASML lieferte am Mittwochmorgen Q3-Zahlen und einen neuen Ausblick. Der niederländische Tech-Gigant signalisiert eine ungewöhnlich starke Nachfrage nach Chipmaschinen. Das Unternehmen kann den Bedarf für 2027 und 2028 mit den aktuellen Kapazitäten voraussichtlich nicht vollständig bedienen.  

Damit bestätigt ASML die Stärke des KI-Investitionszyklus, zeigt aber gleichzeitig dessen größte Schwachstelle. Die Lieferkapazitäten kommen kaum hinter der Nachfrage her. 

Nachfrage stark, Kapazität knapp 

ASML erwartet für 2026 einen Umsatz zwischen 44 und 45 Milliarden Euro und hat damit die bisherige Untergrenze von 43 Milliarden Euro angehoben. Gleichzeitig rechnet das Unternehmen für 2027 und 2028 mit einer möglichen Unterversorgung bei Chipmaschinen und prüft, wie die Kapazität über die bislang geplante Steigerung von 30 Prozent hinaus ausgebaut werden kann.  

Kunden fragen laut ASML bereits Maschinen für 2029 und 2030 an. Das spricht dafür, dass die KI-Investitionen länger anhalten und größer ausfallen könnten als bisher angenommen. Da ASML der einzige Hersteller der modernsten Lithografiemaschinen für die Produktion fortschrittlicher Chips ist, liefert der Ausblick auch wichtige Hinweise auf die Investitionspläne von TSMC, Samsung und Intel. 

China bleibt das große Risiko 

Die ASML-Aktie steigt in der ersten Stunde des europäischen Handels um rund 3 Prozent. Die starke Nachfrage und der positive Ausblick überzeugen Anleger damit zunächst. Im dritten Quartal verkaufte ASML 17 EUV-Maschinen, während der Umsatz mit Service und Upgrades um 19 Prozent zulegte. Das EUV-Geschäft soll 2026 sogar um mehr als 45 Prozent wachsen. Davon profitiert nicht nur der Verkauf neuer Maschinen, sondern auch das Geschäft mit bereits installierten Anlagen. 

TSMC, Samsung und Intel planen den Einsatz der High-NA-EUV-Technologie. Ihre Ausbaupläne zeigen, wie eng die Nachfrage nach ASML-Maschinen mit der Chipproduktion und der KI-Infrastruktur verbunden ist. Gleichzeitig bleibt China ein wichtiger Unsicherheitsfaktor. Das Land soll in diesem Jahr rund 20 Prozent zu ASMLs Gesamtumsatz beitragen. Neue Exportbeschränkungen könnten dieses Geschäft belasten und das positive Bild teilweise eintrüben. 

Hohe Margen, hohes KGV 

Bei den modernsten EUV-Lithografiemaschinen ist ASML praktisch konkurrenzlos. Zu den direkten Wettbewerbern bei Lithografiemaschinen zählen Nikon und Canon. Weitere große Anbieter von Halbleiter-Equipment sind Lam Research, Tokyo Electron, Applied Materials und KLA. 

Auch bei den Margen gehört ASML zu den stärksten Unternehmen der Branche. Im Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate erzielte ASML eine Marge von 35,4 Prozent. Lam Research kam mit 35,3 Prozent nahezu auf denselben Wert, KLA lag mit 41,7 Prozent sogar darüber. Tokyo Electron erreichte 26,3 Prozent, Applied Materials 31,2 Prozent und Canon 10,2 Prozent. Nikon war mit einer Marge von minus 2,1 Prozent nicht profitabel. 

Hohe Margen sind in der aktuellen unsicheren Marktphase besonders wichtig. Sie wirken wie ein finanzieller Puffer und helfen Unternehmen, steigende Kosten, höhere Zinsen und eine schwächere Nachfrage besser zu verkraften. 

Die ASML-Aktie ist mit einem Forward-KGV von 30,5 allerdings kein Schnäppchen. Damit die Bewertung attraktiver wird, müssten entweder der Kurs sinken, die Gewinnerwartungen steigen oder beides eintreten. 

ASML zurück über der 20-Wochen-Linie 

Die ASML-Aktie ist trotz des guten Starts in den Mittwoch seit Wochenbeginn 2,6 Prozent im Minus und notiert bei 1.558 Euro. Vom Rekordhoch ist sie rund 10 Prozent entfernt. Durch die kurzfristige Erholung ist der Kurs wieder über die 20-Wochen-Linie gestiegen. Das aktuelle Kursniveau wurde bereits Mitte Juni erreicht. Seitdem bewegt sich die Aktie in einer übergeordneten Seitwärtsphase. 

Nach dem Rekordhoch von 1.741 Euro Ende Juni war die Aktie bis Ende Juli zeitweise auf 1.334 Euro gefallen. Mit einem Minus von 23 Prozent befand sie sich damit offiziell in einem Bärenmarkt. Die kurzfristige Volatilität war damit stärker als bei den vergangenen größeren Gegenbewegungen, die Rückgänge von 18 und 13 Prozent auslösten. 

Der langfristige Aufwärtstrend ist weiterhin intakt, muss jedoch durch neue Hochs bestätigt werden. Kurzfristig bietet die 20-Wochen-Linie Unterstützung. Mittelfristig kommt dem Tief bei 1.355 Euro eine wichtige Rolle zu, das im Juli erfolgreich verteidigt wurde. Ein Bruch darunter würde die Volatilität voraussichtlich deutlich erhöhen. Die nächste Anlaufstelle könnte dann bei 1.155 Euro liegen. Das ist derzeit jedoch nicht das Basisszenario. 

Gelingt der Ausbruch über das Rekordhoch, könnten Anschlussgewinne von 15 bis 25 Prozent folgen. Daraus ergäben sich mögliche Kursziele von 2.005 und 2.185 Euro. Die Stärke der Bewegung kann allerdings variieren. Entscheidend bleiben dabei auch makroökonomische Faktoren wie Ölpreise und Anleiherenditen.  

ASML, Wochenchart. Quelle: etoro 

Worauf sollten Anleger achten? 

ASML profitiert von der hohen Nachfrage, muss diese aber zunächst in zusätzliche Produktionskapazitäten umwandeln. Auch TSMC, Samsung und Intel profitieren von den steigenden KI-Investitionen. Gleichzeitig steigt ihr Risiko, falls sich die Nachfrage nach KI-Infrastruktur abschwächt. 

Bei ASML sollten Anleger besonders auf Auftragseingänge, Auslieferungen, den Kapazitätsausbau und das China-Geschäft achten. Auch die KI-Sicherheitsdebatte bleibt relevant. Neue Vorfälle oder politische Forderungen nach einer Verlangsamung könnten den Ausbau der KI-Infrastruktur bremsen. 

ASML gibt für die KI-Story den Takt vor, TSMC muss ihn bestätigen. TSMC veröffentlicht seine Q3-Zahlen am Donnerstag. In den darauffolgenden Wochen folgen Meta, Microsoft, Alphabet und AMD. 

Fazit 

Trotz der hohen Unsicherheit gibt es derzeit nur wenige Anzeichen, die die KI-Story grundsätzlich infrage stellen. Geopolitik, Inflation und Anleiherenditen bestimmen jedoch den makroökonomischen Rahmen und damit auch die Dynamik der Rally. Alles hängt zusammen. Eine nachhaltige geopolitische Entspannung könnte die Inflation senken und den Druck auf die Renditen verringern. Das würde auch ASML entlasten.

 

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