Die Sorge vor einer Abkühlung der KI-Investitionen bleibt vorerst unbegründet. Nvidia erwartet für das Geschäftsjahr 2028 ein Umsatzwachstum von 70 Prozent. Derzeit scheint eher das begrenzte Angebot als eine schwächere Nachfrage das Wachstum zu bremsen. Das gibt dem KI-Infrastrukturboom weiteren Rückenwind.
Umsatz verdoppelt
Die Nvidia-Zahlen gehen deutlich über einen gewöhnlichen Earnings Beat hinaus. Der Umsatz lag im zweiten Quartal bei 96,22 Milliarden US-Dollar und damit gut 4 Milliarden über den Erwartungen. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 2,22 US-Dollar, erwartet wurden 2,10 US-Dollar. Trotz der enormen Unternehmensgröße bleibt das Wachstum außergewöhnlich. Der Umsatz hat sich gegenüber 46,7 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal mehr als verdoppelt. Der Nettogewinn stieg ebenfalls um mehr als 100 Prozent von 24,76 auf 53,95 Milliarden US-Dollar. Noch stärker als die Quartalszahlen überrascht der Ausblick. Nvidia erwartet für das Geschäftsjahr 2028 ein Umsatzwachstum von 70 Prozent, während Analysten lediglich mit rund 44 Prozent gerechnet hatten. Laut CFO Colette Kress deuten die Kundenprognosen sogar auf noch stärkeres Wachstum hin. Derzeit scheinen eher Lieferengpässe als eine schwächere Nachfrage das Wachstum zu begrenzen. Die Aktie notiert am Donnerstag vorbörslich rund 9 Prozent über dem gestrigen Tief. Bemerkenswert ist, dass die Aktie 2026 trotz des operativen Booms bislang nur etwa 19 Prozent zugelegt hat, einschließlich des vorbörslichen Anstiegs. Nach der starken Rally der Vorjahre ist die Messlatte für Nvidia deutlich gestiegen.
Auswirkung auf die KI-Story
Die wichtigste Botschaft ist, dass von einer Abkühlung der KI-Investitionen bei Nvidia bislang wenig zu sehen ist. Das ist besonders relevant, weil Anleger zunehmend hinterfragen, wie lange Microsoft, Meta, Alphabet und Amazon ihre enormen Investitionen in KI-Infrastruktur aufrechterhalten können. Nvidias Ausblick spricht vorerst gegen eine Abschwächung. Die Kundennachfrage ist so hoch, dass derzeit eher das begrenzte Angebot als eine fehlende Nachfrage das Wachstum bremst. Sollte Nvidia tatsächlich 70 Prozent Umsatzwachstum im Geschäftsjahr 2028 erreichen, würde das klar gegen eine baldige Sättigung des KI-Infrastrukturmarktes sprechen.
Es kommt auf den Ausblick an
Der Umsatz von 96,22 Milliarden US-Dollar lag deutlich über den erwarteten 92,17 Milliarden. Bei Nvidia sind solche Beats allerdings fast schon zur Gewohnheit geworden. Deutlich stärker überrascht der Ausblick. Für das Geschäftsjahr 2028 erwartet Nvidia ein Umsatzwachstum von 70 Prozent, während der Konsens bei lediglich 44 Prozent lag. Das ist wichtiger als ein einzelner Quartalsbeat, weil es zeigt, wie viel Dynamik Nvidia dem KI-Investitionszyklus noch zutraut.
Es gibt neue Risiken
Risiken bleiben trotz der starken Nachfrage. Lieferengpässe können das Wachstum begrenzen, wenn Nvidia nicht genügend Chips produzieren und ausliefern kann. Gleichzeitig könnten steigende Speicherkosten die hohen Margen unter Druck setzen. Die LTM-EBIT-Marge liegt bei 64 Prozent. Auch der Wettbewerb nimmt zu. AMD entwickelt konkurrierende Beschleuniger, während Alphabet und andere Hyperscaler verstärkt eigene Chips einsetzen und damit ihre Abhängigkeit von Nvidia reduzieren wollen. Aufmerksamkeit verdient zudem Nvidias zunehmende finanzielle Unterstützung neuer KI-Rechenzentren. Je stärker das Unternehmen selbst Infrastruktur mitfinanziert, die anschließend Nachfrage nach den eigenen Produkten erzeugt, desto wichtiger wird für Anleger die Qualität und Nachhaltigkeit des Wachstums.
Was bedeutet das für Anleger?
Die Ergebnisse stärken die fundamentale KI-Story. Nvidia wächst weiter und deutlich schneller, als der Markt für die kommenden Jahre erwartet hatte. Damit bekommt auch die hohe Bewertung mehr fundamentale Unterstützung. Gleichzeitig steigt die Messlatte. Nach der Prognose von 70 Prozent Umsatzwachstum für das Geschäftsjahr 2028 muss Nvidia zunehmend beweisen, dass dieser außergewöhnliche Wachstumspfad tatsächlich erreichbar ist. Bemerkenswert ist dabei die Kursentwicklung. Vor den Zahlen lag die Aktie 2026 nur rund 13 Prozent im Plus, obwohl sich der Quartalsumsatz gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt hat. Das starke Gewinnwachstum trägt die Bewertung damit zunehmend stärker, ohne dass dafür die Bewertungsmultiplikatoren immer weiter steigen müssen.
ATH zum Greifen nahe
Die Nvidia-Aktie hat mit der gestrigen schnellen Erholung die 20-Wochen-Linie verteidigt. Zeitweise fiel der Kurs bis auf 203 US-Dollar, bevor er sich am Donnerstag vorbörslich wieder bis auf 222 US-Dollar erholte. Bereits vor vier Wochen verhinderte ein Fehlausbruch am Tief bei 191 US-Dollar einen stärkeren Rücksetzer. Der langfristige Aufwärtstrend bleibt intakt. Kurz- und mittelfristig geben wichtige Unterstützungen zusätzlichen Halt. Damit steigen die Chancen auf einen erneuten Test des Rekordhochs bei 241 US-Dollar. Gelingt der Ausbruch, könnten bei einer Anschlussbewegung von 15 bis 25 Prozent Kursziele im Bereich von 277 bis 300 US-Dollar in den Fokus rücken. Auf der Unterseite bleibt die 20-Wochen-Linie bei rund 210 US-Dollar die erste wichtige Unterstützung, gefolgt vom Bereich um 191 US-Dollar. Erst darunter würde sich das Chartbild deutlicher eintrüben. Der langfristige Aufwärtstrend wäre jedoch erst bei einem Rückgang unter das Tief bei 163 US-Dollar ernsthaft infrage gestellt.

Nvidia, Wochenchat. Quelle: eToro
Rückenwind für gesamten KI-Sektor
Die Zahlen geben der gesamten KI-Infrastrukturkette Rückenwind. Bleibt die Nachfrage von Nvidias Kunden so hoch, profitieren davon auch Bereiche wie Networking, Speicher, Rechenzentren, Stromversorgung und Custom Silicon. Damit rücken die Broadcom-Zahlen in der kommenden Woche stärker in den Fokus. Nvidia bestätigt eine weiterhin hohe Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Broadcom muss nun zeigen, wie stark sich dieser Boom bei Custom AI Chips und Networking niederschlägt. Ähnliches gilt für Marvell. Das Wachstum eigener Beschleuniger der Hyperscaler kann parallel zur hohen Nachfrage nach Nvidia-Chips stattfinden. Für Nvidia bleiben vor allem Lieferkapazitäten, Margen, die Investitionen der Hyperscaler, der Übergang von Blackwell zu Rubin und der Wettbewerb durch Custom Silicon entscheidend. Wenn die Nachfrage tatsächlich schneller wächst als das Angebot, wird die Fähigkeit, zusätzliche Kapazitäten bereitzustellen, zunehmend zum entscheidenden Wachstumsfaktor.
Zunächst keine Abkühlung des KI-Booms
Nvidia liefert vorerst starke Argumente gegen eine baldige Abkühlung des KI-Booms. Die Nachfrage bleibt hoch, der Ausblick übertrifft die Erwartungen deutlich. Gleichzeitig steigt damit die Messlatte weiter. Entscheidend wird sein, ob Nvidia die benötigten Kapazitäten bereitstellen, seine hohen Margen verteidigen und den Wachstumspfad trotz zunehmender Konkurrenz halten kann. Gelingt das, bleibt Nvidia ein zentraler Treiber des gesamten KI-Infrastrukturbooms.
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