Die Geschichte der Diversifizierung

Die Diversifizierung ist ein wichtiger Baustein für den langfristigen Investmenterfolg. Sie wird als „das einzige, was man in der Finanzwelt geschenkt bekommt“ („the only free lunch in finance“) bezeichnet.¹ Ihre Ursprünge lassen sich tatsächlich über Jahrtausende zurückverfolgen. In den letzten Jahren hat sie sich jedoch dramatisch weiterentwickelt, angetrieben durch das Wachstum der Finanzmärkte und das Aufkommen neuer Finanzinstrumente. Doch jetzt, wo sowohl Aktien als auch Anleihen sehr hoch bewertet sind, wird die Diversifizierung für Investoren immer schwieriger. In diesem Artikel gehen wir auf die jüngsten Entwicklungen ein und zeigen, wie man heute Diversifizierung betreiben kann.

Was ist Diversifizierung?

Diversifizierung² ermöglicht es Investoren, ihr Portfoliorisiko zu begrenzen und dennoch Erträge zu erzielen. Hierzu werden Vermögenswerte kombiniert, die häufig unterschiedlich auf ähnliche Risiken reagieren. So wiesen beispielsweise Anleihen, Devisen und Gold im letzten Jahrzehnt eine negative Korrelation mit Aktien auf. Während US-Aktien im Durchschnitt fast 10 % pro Jahr erzielten, erzielten Anleihen 4,5 %, allerdings mit weniger als einem Fünftel des Risikos.

4 große Entwicklungen bei der Diversifizierung

Die praktische Diversifizierung hat sich in den letzten vierzig Jahren dramatisch vom klassischen 60:40-Portfolio abgewandt. Im Zuge der Globalisierung der Märkte entstanden neue Anlageklassen. Wir haben gelernt, Anlageklassen auf unterschiedliche Weise zu unterteilen. Wir beleuchten vier große Veränderungen und die heutigen Aussichten.

  1. Das klassische 60:40-Portfolio. In den 1970er Jahren lag der Schwerpunkt zunächst auf einer einfachen Diversifizierung über die beiden gängigsten Anlageklassen: Aktien und Anleihen. Das Rezept: Eine 60-%-ige Allokation in inländische Aktien für die langfristige Kapitalrendite, ergänzt durch eine 40-%-ige Allokation in Anleihen, zur Absicherung vor Kursrückgängen bei Aktien und den Erhalt einer zuverlässigen Rendite. Heute kann dies durch den SPDR S&P 500 Equity (SPY) und den Vanguard Total Bond Market (BND) ETF abgebildet werden. 
  2. International investieren. In den 1980er-Jahren nahm die internationale Diversifizierung über Aktien und Anleihen sowie der Aufstieg von Devisen als Anlageklasse zu. Ausschlaggebend dafür war die Abschaffung von Kapitalverkehrskontrollen und festen Wechselkursen in den 1970er-Jahren und der Aufstieg der Schwellenländer („Emerging Markets“) – der Begriff selbst wurde 1981 geprägt. Diese Länder können heute durch die ETFs iShares MSCI EAFE (EFA) und iShares MSCI Emerging Markets (EEM) abgebildet werden.
  3. Das Stiftungs-Modell. David Swensen, Finanzwissenschafter an der Yale University, leistete in den 1990er-Jahren Pionierarbeit bei der Diversifizierung. Insbesondere erforschte er die Diversifizierung über mehrere Anlageklassen hinweg, vor allem über weniger liquide Anlageklassen. Das so genannte „Stiftungsmodell“ („Endowment Model“) investierte nicht in traditionelle Aktien und Anleihen, sondern in Private Equity, Hedgefonds, Immobilien, Rohstoffe und andere weniger liquide Alternativen. In den 35 Jahren, in denen Swensen die Verantwortung trug, verzeichnete Yale eine jährliche Rendite von 13 %. Heute sind weniger als 10 % des Portfolios in traditionelle inländische Aktien, Anleihen und Barmittel investiert. Zu den Alternativen könnten SPDR Gold (GLD) und Vanguard Real Estate (VNQ) ETFs gehören.
  4. Faktorbasiertes Investieren (Factor Investing). In den 1990er-Jahren hat sich auch die Nutzung quantifizierbarer Merkmale oder „Faktoren“ zur Bestimmung der Renditen einzelner Vermögenswerte verbreitet. Ausschlaggebend hierfür waren die zunehmende Rechenleistung und quantitative Techniken. Zu diesen Faktoren gehörten u. a. Größe (Small-, Mid-, Large-Cap), Wert und Wachstum, Kursdynamik, Leverage und Rentabilität. Beispiele für Faktor-ETFs sind iShares Russell 2000 (IWM) und Vanguard Value (VTV) ETF.

Weitere aktuelle Entwicklungen Krypto, ESG und liquide Alternativen

Und es gibt viele weitere Veränderungen. In den letzten zehn Jahren haben wir das Aufkommen einer neuen Anlageklasse erlebt:

Krypto-Assets: Sie haben sich zu einer Anlageklasse mit einer Marktkapitalisierung von 1,3 Billionen USD entwickelt, angeführt von Bitcoin, und werden allmählich institutionalisiert. Sie haben in der Vergangenheit sowohl sehr hohe risikobereinigte Renditen als auch geringe Korrelationen im Vergleich zu anderen Anlageklassen erzielt. Auf eToro ist ein diversifiziertes Engagement in Kryptowährungen mit @CryptoPortfolio und @CryptoEqual möglich. 

ESG-Ziele – Environment, Social und Governance. Die nicht-finanzielle Analyse hat in den letzten zehn Jahren stark an Bedeutung gewonnen, zunächst aufgrund von Überlegungen zur Unternehmensführung und jetzt aufgrund von Umweltbelangen. Regierungen sind um die Reduktion von CO2-Emissionen bestrebt, Verbraucher wählen mit ihren Ausgaben, und Investoren veranlagen in „grüne Investments“. Beispiele finden Sie in den Portfolios @RenewableEnergy und @Driverless auf eToro.

Liquide Alternativen. Wir beobachten auch einen Anstieg neuer Investitionsinstrumente, die Zugang zu traditionell privaten oder sehr speziellen Märkten bieten. Anlagen wie Infrastruktur (Spezial-REITs), bevorrechtigte Schuldtitel, Master Limited Partnerships (MLPs), Prozessfinanzierung und Hedgefonds Long/Short. Beispiele hierfür sind Invesco preferred (PGX) und Alerian MLP (AMLP) ETFs.

Probleme bei der Wahrnehmung Diversifizierung funktioniert immer noch

Die Herausforderungen für die Diversifizierung und das traditionelle 60:40-Portfolio sind groß. Die Bewertungen von US-Aktien liegen deutlich über dem langfristigen Durchschnitt, während die langfristigen Anleiherenditen seit dreißig Jahren sinken und inzwischen sogar unter dem Inflationsniveau liegen. Die Geldmarktsätze sind vernachlässigbar, da die geldpolitischen Zinssätze weltweit bei Null oder gar darunter liegen. Die kombinierte Ertragsrendite und der Anleihekupon eines traditionellen 60:40-Portfolios in den USA lagen Mitte 2021 bei etwas über 3 %, verglichen mit über 10 % Mitte der 1980er-Jahre.

Es verbleiben jedoch große Segmente mit relativem Wert. Die Bewertungen internationaler Aktien wiesen Mitte 2021 den größten KGV-Abschlag (Discount) gegenüber den USA seit mehr als einem Jahrzehnt auf, angeführt von den Schwellenländern. Ebenso weisen US-Value-Aktien einen historisch großen Abschlag gegenüber Growth-Aktien auf, wobei die größte Value-Komponente – Finanzwerte – der günstigste Sektor des Marktes ist.

Auch jetzt zeigt sich die Macht der Diversifizierung. Rohstoffe weisen mit einem Rückgang von 4 % auf Jahresbasis die schlechteste langfristige Durchschnittsrendite aller Anlageklassen auf, haben aber im Jahr 2021 wieder um über 20 % zugelegt. In ähnlicher Weise hat Value in jüngster Zeit eine teilweise dramatische Unterperformance von zehn Jahren überwunden. Anleihen verzeichneten in der ersten Jahreshälfte 2021 eine seltene negative Rendite, die jedoch durch nahezu zweistellige Renditen von alternativen Anlageformen wie Immobilienfonds und Faktoren wie Small-Caps mehr als ausgeglichen wurde.

Mehr Bedarf denn je, mehr Alternativen denn je

Die schlechte Nachricht ist, dass Investoren heute mehr denn je diversifizieren müssen, und das erfordert oft einen Blick über den Tellerrand. Die gute Nachricht ist, dass Diversifizierung immer noch funktioniert und dass mehr Anlageklassen und Investmentmöglichkeiten zur Verfügung stehen als je zuvor.

Quellen:

  1. Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Harry Markowitz
  2. eToro-Beiträge zur Diversifizierung: Inflation und Diversifizierung, Diversifizierung als beste Wette gegen Verlustaversion, Warum Portfoliodiversifizierung so wichtig ist.

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