Ein einzelner Zinsschritt dürfte für die robuste US-Wirtschaft verkraftbar sein. Ein längerer Zinserhöhungszyklus wäre eine andere Geschichte. Je stärker die Fed die Geldpolitik strafft und je länger die Zinsen hoch bleiben, desto größer wird das Risiko, dass aus dem Inflationsproblem ein Wachstumsproblem wird.
Zinserhöhung ist das Basisszenario
Die Kerninflation ist im August um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen und damit stärker als erwartet. Auch insgesamt bleibt der Preisdruck zu hoch. Die Gesamtinflation liegt bei 3,4 Prozent im Jahresvergleich, die Kernrate bei 2,4 Prozent. Gleichzeitig verschärfen Ölpreise von mehr als 100 US-Dollar die Lage und erhöhen den kurzfristigen Inflationsdruck zusätzlich. Der Markt hat darauf bereits reagiert. Mit einer eingepreisten Wahrscheinlichkeit von über 85 Prozent gilt eine Zinserhöhung am Mittwoch als Basisszenario, sicher ist sie aber noch nicht.
Der Gegenwind für Aktien nimmt zu
Auch innerhalb der Fed gehen die Einschätzungen auseinander. Während einige Notenbanker stärker gegen die Inflation vorgehen wollen, setzen andere darauf, dass sich der Inflationsdruck auch ohne zusätzliche Straffung weiter abschwächt. Der robuste Arbeitsmarkt gibt der Fed grundsätzlich mehr Spielraum, die Zinsen wieder anzuheben, ohne unmittelbar einen starken Konjunktureinbruch befürchten zu müssen.
Gleichzeitig haben sich die Finanzierungsbedingungen bereits deutlich verschärft. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen kletterte in der vergangenen Woche zeitweise fast auf 5 Prozent. Werden weitere Zinserhöhungen eingepreist, könnten Anleiherenditen und Finanzierungskosten weiter steigen und Aktienbewertungen zusätzlich unter Druck geraten.
Wann werden höhere Zinsen zum Problem?
Für Anleger steht am Mittwoch deshalb weniger der einzelne Zinsschritt als der weitere Zinskurs im Vordergrund. Entscheidend dürfte sein, ob eine mögliche Erhöhung ein einmaliger Schritt gegen den Inflationsdruck bleibt oder den Beginn einer neuen Straffungsphase markiert. Einen einzelnen Zinsschritt dürften die robuste US-Wirtschaft und der Aktienmarkt noch relativ gut abfedern. Schwieriger würde es, wenn Warsh weitere Erhöhungen signalisiert und sich die Erwartungen auf einen neuen Zinserhöhungszyklus verfestigen.
Entscheidend ist dabei das wirtschaftliche Umfeld. Solange Wachstum, Arbeitsmarkt und Unternehmensgewinne robust bleiben, können Aktien auch mit höheren Zinsen zurechtkommen. Kritisch wird es, wenn eine längere Straffungsphase auf schwächeres Wachstum und sinkende Gewinnerwartungen trifft. Historisch war vor allem diese Kombination mit stärkeren Kursrückgängen verbunden.
Warsh muss den Inflationskurs erklären
Zusätzliche Hinweise auf den weiteren Zinskurs liefern die neuen vierteljährlichen Projektionen der Fed. Besonders wichtig wird der Dot Plot. Er zeigt, welches Zinsniveau die FOMC-Mitglieder für Ende 2026 und 2027 erwarten. Höhere Inflationsprognosen könnten die Aussicht auf länger hohe oder weitere steigende Zinsen verstärken. Bleiben Wachstum und Arbeitsmarkt gleichzeitig robust, hätte die Fed mehr Spielraum für zusätzliche Zinsschritte.
Auch Warshs Pressekonferenz dürfte entscheidend werden. Er muss begründen, warum die Fed die Zinsen anhebt oder trotz weiterhin zu hoher Inflation abwartet. Besonders relevant wird sein, wie die Fed den jüngsten Energieschock einordnet. Als vorübergehenden Treiber der Gesamtinflation oder als Risiko, dass der Preisdruck auf andere Bereiche der Wirtschaft übergreift und sich verfestigt.
Langfristig denken
Langfristige Anleger sollten sich von einer einzelnen Zinsentscheidung nicht aus der Ruhe bringen lassen, sondern prüfen, wie widerstandsfähig ihr Portfolio gegenüber länger hohen Zinsen ist. Für kurzfristige Trader könnte die hohe Unsicherheit dagegen zusätzliche Chancen schaffen, allerdings bei entsprechend höherem Risiko.
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