Die Märkte haben die Nvidia-Zahlen und das Jackson-Hole-Treffen bereits verdaut. Nun rücken die deutschen Inflationsdaten am Montag um 14 Uhr in den Fokus. Nachdem der DAX zuletzt nur knapp ein neues Rekordhoch verpasst hat, könnte die Inflation zum Spielverderber werden oder der Rally weiteren Rückenwind geben.
Inflationsrisiko
Der DAX hat seit Monatsbeginn rund 3,3 Prozent zugelegt. Ob die Rally weiteren Rückenwind bekommt, könnte auch vom Inflationsbericht abhängen. Im Juli war die Teuerungsrate von 2,3 auf 2,8 Prozent gestiegen. Das ist noch kein Grund zur Panik, zeigt aber, dass der Weg zurück zum 2-Prozent-Ziel nicht geradlinig verläuft. Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob die Inflationsrate steigt oder fällt. Anleger dürften vor allem darauf achten, welche Komponenten den Preisdruck treiben und ob sich die Teuerung zunehmend verfestigt. Die vorläufigen Zahlen dürften DAX-Händlern bereits ausreichen, um Risiken wie Zweitrundeneffekte und Lohndruck einzupreisen. Die detaillierte Auswertung folgt erst Mitte des Folgemonats. Für die EZB liefern die Daten zugleich wichtige Hinweise auf den weiteren Zinskurs.
Noch keine Entwarnung
Der Inflationsbericht trifft auf ein ohnehin angespanntes Marktumfeld. Die Nahost-Krise sorgt weiter für Unsicherheit, während hohe Anleiherenditen die Finanzierungskosten nach oben treiben. Etwas Entspannung bringt die Stabilisierung von Brent-Rohöl bei rund 88 US-Dollar. Im August schwankte der Ölpreis allerdings stark zwischen 78 und 95 US-Dollar. Für DAX-Anleger ist das Ausbleiben weiterer Preisschocks zunächst positiv, denn Energie bleibt einer der unberechenbarsten Treiber der deutschen Erzeuger- und Verbraucherpreise. Geopolitisch gibt es jedoch noch keine Entwarnung. Das größte Risiko wäre eine erneute Eskalation im Nahen Osten, die wichtige Lieferwege oder die Ölproduktion beeinträchtigt und die Energiepreise wieder deutlich nach oben treibt. Damit könnte auch der Inflationsdruck in Deutschland erneut zunehmen. Geopolitisch gibt es deshalb noch keine Entwarnung. Anleger sollten zudem Zweitrundeneffekte und die Entwicklung der Inflationserwartungen im Blick behalten.
Anleihemarkt
Genau hier kommt der Anleihemarkt ins Spiel. Der EZB-Leitzins und die langfristigen Finanzierungskosten sind zwei unterschiedliche Dinge. Während die EZB die kurzfristigen Zinsen direkt steuert und damit auf Konjunktur und Inflation einwirkt, werden langfristige Renditen stärker vom Kapitalmarkt bestimmt. Inflationserwartungen, Staatsverschuldung und Risikoprämien spielen dabei eine entscheidende Rolle. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt derzeit bei 3,29 Prozent, während US-Treasuries noch deutlich höhere Renditen bieten. Bleiben die Renditen auf diesem Niveau, bleiben auch die langfristigen Finanzierungskosten für Staaten, Unternehmen und Verbraucher hoch. Für den Aktienmarkt entsteht daraus eine Zwickmühle. Höhere Anleiherenditen machen festverzinsliche Anlagen attraktiver und verteuern gleichzeitig Investitionen und Wachstum. Der Anleihemarkt preist diese Risiken unmittelbar ein, während die Folgen für die Realwirtschaft häufig erst Monate später sichtbar werden.
DAX im Aufwärtstrend
Der DAX legte in der vergangenen Woche um 1,6 Prozent auf rund 26.500 Punkte zu und näherte sich damit seinem erst drei Wochen alten Rekordhoch. Der langfristige Aufwärtstrend bleibt intakt und könnte durch weitere höhere Hochs in den kommenden Monaten bestätigt werden. Kurzfristige Gewinnmitnahmen sind dennoch jederzeit möglich. Orientierung bietet zunächst die 20-Wochen-Linie bei rund 25.100 Punkten. Eine stärkere Unterstützung liegt bei 24.600 Punkten, wo die jüngste Aufwärtswelle ihren Ausgang nahm.

DAX, Wochenchart. Quelle: eToro
Rally muss untermauert werden
Für den DAX werden die Inflationsdaten damit zum wichtigen Richtungsgeber. Ein schwächerer Bericht könnte die Renditen entlasten und der Rally weiteren Rückenwind geben. Bleibt der Preisdruck dagegen hoch, könnten auch die Renditen erhöht bleiben und Aktien belasten.
Die Daten liefern damit wichtige Hinweise auf den geldpolitischen Spielraum der EZB und die weitere Entwicklung der Finanzierungskosten. Nach 3,3 Prozent DAX-Plus seit Monatsbeginn müssen die Fundamentaldaten nun die Rally bestätigen.
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