US-Midterms: Geteilter Kongress könnte Aktien stützen 

Am Dienstag finden die US-Zwischenwahlen statt. Entscheidend ist, welche Partei künftig die Mehrheit im Kongress hält und wie viel politischen Spielraum Donald Trump erhält. Ein demokratischer Erfolg könnte Steuerreformen bremsen, aber die Sorgen über steigende Staatsschulden dämpfen. Eine republikanische Mehrheit würde Trumps Reformagenda erleichtern, könnte jedoch den Druck auf die US-Anleiherenditen erhöhen.

Der große Planbarkeitstest

Für die Märkte geht es vor allem um die Frage, ob Trump seine wirtschaftspolitischen Vorhaben in den verbleibenden zwei Jahren durchsetzen kann oder ob ein geteilter Kongress seine Agenda bremst. Aktuell halten die Republikaner eine knappe Mehrheit in beiden Kammern. Ein demokratischer Sieg im Senat mit einer Wahrscheinlichkeit von 67 Prozent und im Repräsentantenhaus mit 92 Prozent gilt als wahrscheinlich, wie aktuelle Polymarket-Daten zeigen. Damit gilt auch ein demokratischer Durchmarsch in beiden Kammern als realistisches Szenario.

Märkte schätzen vor allem politische Planbarkeit. Erobern die Demokraten mindestens eine Kammer, wären weitere Steuersenkungen für Unternehmen, eine umfassende Deregulierung und größere Haushaltsänderungen schwieriger durchzusetzen. Historisch kann ein politischer Stillstand für Aktien sogar hilfreich sein, weil Unternehmen weniger plötzliche Gesetzesänderungen und regulatorische Eingriffe erwarten müssen.

Privatanleger positionieren sich für den Wahlausgang

Die politische Unsicherheit veranlasst deutsche Privatanleger, ihre Portfolios zu überdenken. Laut dem aktuellen Retail Investor Beat von etoro haben 44 Prozent ihre Investments aufgrund der US-Zwischenwahlen bereits angepasst oder planen dies. Interessanterweise wollen 20 Prozent erst nach dem Wahlergebnis Veränderungen vornehmen, während 14 Prozent bereits vorher handeln möchten. Das deutet darauf hin, dass viele zunächst mehr Klarheit abwarten.

Dabei handelt es sich nicht nur um eine Flucht in sichere Anlagen. Von den Anlegern, die ihr Portfolio umschichten, kaufen 34 Prozent mehr Aktien und 28 Prozent zusätzliche Kryptoanlagen. Andere bauen ihre Liquiditätsreserven aus. Da 44 Prozent der deutschen Anleger US-Aktien halten, könnten Veränderungen bei den Renditen von US-Staatsanleihen, der Handelspolitik und dem Dollar ihre Portfolios direkt beeinflussen.

Trumps Reformagenda wackelt

Allerdings könnte Trump bei einer Blockade im Inland per Exekutivverordnung verstärkt auf Außen- und Handelspolitik setzen. Neue Zölle und Handelskonflikte würden die Unsicherheit erhöhen und könnten den positiven Effekt eines geteilten Kongresses begrenzen.

Verteidigen die Republikaner beide Kammern, hätte Trump deutlich mehr Spielraum für Steuersenkungen und Deregulierung. Dieses Szenario gilt derzeit jedoch als eher unwahrscheinlich. Davon könnten kurzfristig vor allem Aktien aus den Bereichen Energie, Technologie, Banken und Rüstung profitieren.

Anleihemarkt entscheidet mit

Für den Anleihemarkt wäre dieses Szenario problematisch. Massive Steuersenkungen ohne Gegenfinanzierung könnten das US-Haushaltsdefizit weiter erhöhen, die Renditen von US-Staatsanleihen nach oben treiben und die Inflation erneut anheizen. Höhere Renditen würden Aktien im Vergleich unattraktiver machen und die Finanzierungskosten weltweit erhöhen.

Vor der Wahl dürfte die Volatilität zunehmen. Viele institutionelle Anleger könnten ihre Portfolios absichern oder mit größeren Käufen abwarten, bis mehr Klarheit herrscht. Nach der Wahl könnte eine Erleichterungsrally einsetzen, sobald die politische Unsicherheit abnimmt – unabhängig davon, welche Partei die Mehrheit erhält. Danach dürften wieder die makroökonomischen Trends und die Unternehmensgewinne die Märkte bestimmen.

Öl, Zinsen und Gewinne schlagen Politik

Die Börsenweisheit „Politische Börsen haben kurze Beine“ passt auch hier. Die Midterms können kurzfristig starke Kursbewegungen auslösen. Für langfristige Anleger sind jedoch der Ölpreis, die Inflation, die Zinsentwicklung und das Gewinnwachstum der Unternehmen entscheidender.

Laut J.P. Morgan erzielte der S&P 500 in den zwölf Monaten nach US-Zwischenwahlen seit 1950 im Durchschnitt rund 15 Prozent. Auch der DAX könnte von einer Erholung an der Wall Street profitieren, da die globalen Märkte eng miteinander verbunden sind. Zölle und Handelskonflikte könnten diesen Effekt jedoch abschwächen.

Diversifikation schlägt Wahlprognosen

Für langfristig orientierte Anleger gilt deshalb, keine politischen Wetten einzugehen und kurzfristige Schwankungen auszuhalten. Entscheidend bleiben ein gut diversifiziertes Portfolio und ein langfristiger Anlagehorizont.

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