ASML auf Rekordhoch: Wie viel Potenzial steckt noch in der Aktie? 

ASML hat sich zu einem der wichtigsten Infrastrukturunternehmen der KI-Revolution entwickelt. Während viele Anleger auf Nvidia, AMD oder Broadcom schauen, verdient ASML an nahezu jedem modernen KI-Chip mit. Der entscheidende Vorteil besteht darin, dass ASML nicht darauf angewiesen ist, welcher Chipdesigner am Ende das Rennen macht. Solange leistungsfähigere KI-Chips benötigt werden, steigt auch die Nachfrage nach den Maschinen des Unternehmens.

Genau deshalb wird ASML von vielen Anlegern als eine Art „Pick-and-Shovel-Play“ des KI-Zeitalters gesehen, vergleichbar mit den Schaufelverkäufern während des Goldrauschs. Das größte Risiko liegt weniger in der Konkurrenz als vielmehr in einer spürbaren Abschwächung der weltweiten KI-Investitionen.

Drei Kurstreiber

Der jüngste Kursanstieg von ASML wird gleich von mehreren Faktoren getragen. Neben starken Geschäftszahlen und einer deutlichen Anhebung der Finanzziele sorgte vor allem ein spektakuläres neues Megaprojekt für zusätzlichen Auftrieb. Für Rückenwind sorgte im Juni 2026 ein Projekt von Elon Musk. Auf der jährlichen Technologiekonferenz von ASML stellte er virtuell das sogenannte „Terafab“ in Texas vor. Dahinter steckt ein Joint Venture von Tesla, SpaceX und xAI mit einem geplanten Investitionsvolumen von 55 bis 119 Milliarden US-Dollar. Ziel ist der Aufbau einer vertikal integrierten Halbleiterproduktion für KI-Chips, Robotik-Anwendungen wie Tesla Optimus und zukünftige Weltraum-Rechenzentren. Da ASML weltweit der einzige Anbieter von EUV-Lithografiemaschinen ist, gilt das Unternehmen als einer der wichtigsten Ausrüster für ein solches Projekt. Schließlich sind diese Maschinen unverzichtbar für die Produktion modernster KI-Chips. Entsprechend wächst unter Investoren die Erwartung, dass das Terafab zu einem der größten Einzelkunden in der Geschichte von ASML werden könnte.

Zusätzlich erhielt die Aktie Rückenwind durch die angehobenen Jahresziele. Für 2026 erwartet das Management nun einen Rekordumsatz von 36 bis 40 Milliarden Euro, nachdem zuvor eine Spanne von 34 bis 39 Milliarden Euro prognostiziert worden war. Die Bruttomarge soll am oberen Ende bei rund 53 Prozent liegen. Treiber dieser Entwicklung ist vor allem die enorme Nachfrage nach den neuen High-NA-EUV-Systemen, deren Stückpreis inzwischen deutlich über 300 Millionen Euro liegt. Auch die Zahlen für das 1. Quartal unterstreichen die Stärke des Geschäfts. ASML steigerte den Nettoumsatz auf 8,8 Milliarden Euro und erzielte damit ein Wachstum von mehr als 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn lag bei 2,8 Milliarden Euro. Angetrieben durch den weltweiten Bedarf an High-End-Speicherchips und den massiven Ausbau von KI-Rechenzentren durch Konzerne wie Microsoft oder Oracle füllten sich die Auftragsbücher zuletzt spürbar.

Direkt und indirekte Konkurrenten

Bei ASML muss zwischen direkten und indirekten Wettbewerbern unterschieden werden. Im Bereich der modernsten EUV-Technologie besitzt das Unternehmen praktisch ein weltweites Monopol. Direkte Konkurrenten wie Nikon und Canon bauen zwar ebenfalls Lithografiemaschinen, konzentrieren sich jedoch überwiegend auf ältere Chipgenerationen. Bei den modernsten KI-Chips spielt ASML deshalb bislang in einer eigenen Liga. Daneben gibt es eine Reihe indirekter Wettbewerber wie Applied Materials, Lam Research, Tokyo Electron oder KLA. Diese Unternehmen stellen andere, ebenfalls unverzichtbare Maschinen für die Chipproduktion her. Sie konkurrieren zwar nicht direkt mit ASMLs Lithografiesystemen, kämpfen aber um dieselben Investitionsbudgets großer Halbleiterhersteller wie TSMC, Intel oder Samsung. Für moderne Chips werden letztlich die Technologien aller dieser Unternehmen benötigt. ASML nimmt dabei jedoch eine Sonderstellung ein, weil die Produktion der leistungsfähigsten KI-Chips ohne die EUV-Maschinen des Konzerns derzeit kaum möglich ist.

Hohe Bewertungen im Halbleitersektor

ASML liegt mit einem Forward-KGV von 48,2 im oberen Bewertungsbereich, aber nicht am Extrempunkt. Nikon (74,7) ist der klare Ausreißer nach oben und wirkt auf Basis dieser Kennzahl am teuersten. Das hohe Forward-KGV erklärt sich durch einen temporären Gewinneinbruch auf der einen Seite und deutliche Kursanstiege auf der anderen. Canon (11,8) ist der deutliche Ausreißer nach unten und mit großem Abstand am niedrigsten bewertet. Im direkten Vergleich liegt ASML fast gleichauf mit Lam Research (48,9) und etwas über Tokyo Electron (46,6) sowie Applied Materials (38,5). KLA (53,5) ist noch etwas höher bewertet als ASML. Im Vergleich zum breiten Aktienmarkt liegt die ASML-Bewertung jedoch weiterhin um ein Vielfaches höher.

Überdurchschnittlich hohe Marge

Die EBIT-Marge zeigt ein deutlich anderes Bild als die Bewertung. Hier wird sichtbar, welche Unternehmen ihre Marktstellung tatsächlich in Profitabilität umsetzen können. KLA (41,7 %) ist der klare Spitzenreiter und erzielt die höchste operative Marge der Vergleichsgruppe. Dahinter folgen ASML (34,8 %) und Lam Research (34,3 %) nahezu gleichauf. Beide Unternehmen bewegen sich auf einem außergewöhnlich hohen Profitabilitätsniveau. Im Mittelfeld liegen Applied Materials (30,3 %) und Tokyo Electron (25,6 %). Auch diese Werte sind für Industrie- und Technologieunternehmen sehr stark. Deutlich schwächer schneiden die japanischen Konkurrenten Canon (9,4 %) und vor allem Nikon (-2,1 %) ab. Nikon schreibt auf operativer Ebene sogar Verluste und ist damit der Ausreißer nach unten.

Langfristiger Aufwärtstrend intakt

Die ASML-Aktie wird am Dienstagmorgen nahezu unverändert bei rund 1.880 Euro gehandelt. Am Montag markierte sie zwischenzeitlich mit 1.939 Euro sogar ein neues Rekordhoch. Besonders beeindruckend verlief die vergangene Woche, in der die Aktie um mehr als 11 Prozent zulegte. Seit dem Tief im April 2025 hat sich der Kurs inzwischen mehr als verdreifacht. Kurzfristig könnte die Rally jedoch etwas heiß gelaufen sein. Der RSI notiert aktuell bei 76 Punkten und signalisiert damit einen überkauften Markt. Das bedeutet nicht automatisch, dass eine größere Korrektur bevorsteht. Rückschläge wie in den Jahren 2021, 2022 oder 2024, als die Aktie zeitweise 50 bis 60 Prozent verlor, sind daraus nicht abzuleiten.

Ein Rücksetzer von 15 bis 25 Prozent wäre dagegen durchaus normal und aus technischer Sicht sogar gesund. Solche Bewegungen treten innerhalb langfristiger Aufwärtstrends regelmäßig auf und waren auch in der Vergangenheit keine Seltenheit. Anleger können dabei vor allem die 20-Wochen-Linie im Blick behalten, die aktuell bei rund 1.511 Euro verläuft. Ein Test oder sogar ein leichtes Unterschreiten dieser Marke würde den langfristigen Aufwärtstrend noch nicht gefährden. Erst ein nachhaltiger Bruch würde das technische Bild spürbar eintrüben. Zusätzliche Unterstützung bietet das letzte wichtige Ausbruchsniveau bei rund 1.668 Euro.

ASML, Wochenchart. Quelle: eToro

De-facto-Monopolstellung

ASML profitiert derzeit von einer selten starken Kombination aus Monopolstellung, steigender KI-Nachfrage und verbesserten Finanzzielen. Das Unternehmen verdient an nahezu jedem modernen KI-Chip mit und bleibt ein zentraler Profiteur des weltweiten Ausbaus von KI-Infrastruktur. Trotz der hohen Bewertung rechtfertigen starke Margen, volle Auftragsbücher und neue Großprojekte die optimistische Marktstimmung. Kurzfristig erscheint die Aktie zwar überkauft, langfristig bleibt der Aufwärtstrend jedoch intakt.

 

Diese Mitteilung dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken und darf nicht als Anlageberatung, persönliche Empfehlung oder als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten verstanden werden. Dieses Material wurde ohne Berücksichtigung der spezifischen Anlageziele oder der finanziellen Situation eines bestimmten Empfängers erstellt. Es entspricht nicht den gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen zur Förderung unabhängiger Analyse. Jegliche Hinweise auf die vergangene oder zukünftige Performance eines Finanzinstruments, Index oder eines Anlageprodukts sind keine verlässlichen Indikatoren für zukünftige Ergebnisse und dürfen daher nicht als solche betrachtet werden. eToro übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit oder Vollständigkeit des Inhalts dieser Veröffentlichung und schließt jegliche Haftung dafür aus.