KI-Boom oder Milliardenfalle? Alphabet und Tesla unter Druck 

Die Aktien von Alphabet und Tesla geraten nach den gestrigen Quartalszahlen und neuen Ausblicken zunächst unter Druck. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob sich die milliardenschweren KI-Investitionen in den kommenden Jahren tatsächlich auszahlen.

Alphabet liefert erstmals überzeugende Hinweise darauf, dass sich die hohen Investitionen in wachsendes Cloud-Geschäft übersetzen. Gleichzeitig verschlingt der Wettlauf um die KI-Führerschaft immer mehr Kapital, und genau das macht Anleger zunehmend nervös. Tesla macht zwar Fortschritte bei Robotaxis, Full Self-Driving und seiner KI-Strategie. Der finanzielle Durchbruch lässt jedoch weiter auf sich warten. Gleichzeitig wird der Umbau zum KI- und Robotikunternehmen immer teurer. Entscheidend wird deshalb sein, ob Tesla seine milliardenschweren Investitionen zukünftig in steigende Umsätze und Gewinne umwandeln kann.

Noch mehr KI-Investitionen

Alphabet zeigt, dass sich die milliardenschweren KI-Investitionen zunehmend auszahlen. Der Cloud-Umsatz stieg im zweiten Quartal um 82 Prozent und übertraf die Erwartungen deutlich. Gleichzeitig wuchs der Current Cloud Backlog von rund 460 auf 514 Milliarden US-Dollar. Das spricht dafür, dass die Nachfrage nach KI-Infrastruktur und Cloud-Diensten auch in den kommenden Quartalen hoch bleiben dürfte. Genau das betonte auch CEO Sundar Pichai. Die starke Cloud-Nachfrage werde vor allem durch KI-Infrastruktur und KI-Lösungen getrieben. Alphabet gelingt es damit bereits, einen Teil seiner hohen Investitionen in steigende Umsätze umzuwandeln. Auch YouTube entwickelte sich besser als erwartet und liefert weiterhin die finanziellen Mittel, um die KI-Offensive zu finanzieren.

Die Kehrseite zeigt sich jedoch auf der Kostenseite. Alphabet erhöht seine Investitionsprognose für das Gesamtjahr auf bis zu 205 Milliarden US-Dollar. Vorher lag das Ziel noch bei 190 Milliarden US-Dollar. Obwohl das operative Geschäft überzeugte, geriet die Aktie nachbörslich unter Druck. Anleger stören sich weniger an den Quartalszahlen als an den immer weiter steigenden Investitionen. Damit wird deutlich, dass sich der Wettlauf um die Vorherrschaft im KI-Markt weiter beschleunigt. Alphabet investiert nicht weniger, sondern mehr – in Rechenzentren, Chips, Energieversorgung und KI-Infrastruktur. Dasselbe gilt auch für Microsoft, Meta und Amazon. Der KI-Boom wird damit immer kapitalintensiver.

Für Anleger stehen deshalb vier Punkte im Mittelpunkt. Entscheidend wird sein, ob das außergewöhnlich starke Cloud-Wachstum anhält. Ebenso wichtig ist die Entwicklung des Cloud Backlogs, der als Frühindikator für das zukünftige Umsatzwachstum gilt. Außerdem wird genau beobachtet, ob die Investitionen schneller steigen als Cloud-Umsätze, operative Gewinne und der Free Cashflow. Und schließlich bleibt die Frage, ob Google seine dominante Stellung im Suchgeschäft verteidigen kann. Davon hängt ab, ob Gemini, AI Overviews und weitere KI-Produkte langfristig zusätzliche Erlöse schaffen oder lediglich das bestehende Geschäft absichern.

Aktie rutscht unter Juni-Tief

Die Alphabet-Aktie verliert in dieser Woche mehr als 5 Prozent und fällt auf rund 327 US-Dollar. Damit notiert sie auf dem tiefsten Stand seit April. Aus langfristiger Sicht bleibt das Chartbild jedoch konstruktiv. Der übergeordnete Aufwärtstrend ist weiterhin intakt, sodass in den kommenden Monaten aus technischer Sicht sogar neue Rekordhochs möglich bleiben. Das bisherige Allzeithoch liegt bei 404 US-Dollar, die jüngste große Aufwärtsbewegung startete im Bereich von 270 US-Dollar.

Entscheidend bleibt das März-Tief. Solange diese Unterstützung nicht unterschritten wird, spricht der langfristige Trend weiterhin für die Bullen. Kurzfristig hat sich das Chartbild allerdings eingetrübt. Die Aktie ist unter das Juni-Tief bei 334 US-Dollar und unter die 20-Wochen-Linie gefallen. Das Momentum liegt damit derzeit klar auf der Seite der Verkäufer. Damit sich das Chartbild wieder verbessert, müsste die Aktie zunächst die 20-Wochen-Linie zurückerobern und anschließend den Widerstand bei 361 US-Dollar überwinden. Genau an dieser Marke scheiterte Alphabet in den vergangenen zwei Wochen gleich zweimal. Ein Ausbruch darüber wäre deshalb ein mögliches Signal für eine neue Aufwärtsbewegung.

Alphabet, Wochenchart. Quelle: eToro 

Tesla erkauft sich Umsatzwachstum

Tesla entwickelt sich immer stärker zu einer KI- und Robotik-Wette. Das klassische Autogeschäft finanziert inzwischen vor allem Zukunftsprojekte wie Robotaxis, Optimus, Full Self-Driving und den Ausbau der KI-Infrastruktur. Genau deshalb bewertet der Kapitalmarkt Tesla immer weniger als klassischen Autobauer und immer stärker als KI-Unternehmen. Die Quartalszahlen zeigen dabei ein gemischtes Bild. Positiv ist, dass der Umsatz die Erwartungen übertroffen hat. Auch das Kerngeschäft scheint sich nach einer längeren Schwächephase zu stabilisieren. Mit rund 480.000 ausgelieferten Fahrzeugen lag Tesla über den Erwartungen. Die Nachfrage ist damit robuster als viele Anleger gedacht hatten.

Auch bei der KI-Strategie gibt es Fortschritte. Die Zahl der FSD-Abonnenten stieg um 56 Prozent auf knapp 1,5 Millionen. Das Softwaregeschäft gewinnt damit weiter an Bedeutung und könnte langfristig höhere Margen ermöglichen. Gleichzeitig baut Tesla seine Robotaxi-Flotte weiter aus und expandiert in weitere US-Städte. Die operative Entwicklung geht also voran, auch wenn Robotaxis und KI bislang noch kaum nennenswerte Umsätze beisteuern. Die Kehrseite zeigt sich jedoch beim Gewinn. Der Gewinn je Aktie lag mit 0,33 US-Dollar deutlich unter den erwarteten 0,51 US-Dollar. Das Umsatzwachstum wird derzeit mit sinkenden Margen erkauft. Gleichzeitig steigen die operativen Kosten um 47 Prozent. Die KI-Offensive wird damit immer teurer.

Auch die Investitionen ziehen weiter kräftig an. Tesla investierte im 2. Quartal 5,8 Milliarden US-Dollar und plant für das Gesamtjahr Investitionen von mehr als 25 Milliarden US-Dollar. Elon Musk treibt den Ausbau der KI- und Robotikstrategie konsequent voran. Kurzfristig belastet das jedoch Gewinne und Cashflow. Der Free Cashflow fiel erstmals seit zwei Jahren wieder negativ aus und lag bei -1,09 Milliarden US-Dollar. Genau hier liegt auch der größte Unterschied zu Alphabet. Beide Unternehmen investieren immer mehr in KI. Alphabet kann die steigenden Investitionen allerdings bereits mit starkem Cloud-Wachstum und einem wachsenden Auftragsbestand untermauern. Tesla dagegen verlangt den Anlegern vor allem Geduld ab. Robotaxis und Optimus gelten zwar als enorme Zukunftschancen, liefern bislang aber kaum nennenswerte Umsätze.

Deshalb schaut der Markt aktuell weniger auf Fahrzeugauslieferungen oder den Umsatz. Im Mittelpunkt stehen Gewinn, Free Cashflow und Kapitalbedarf. Genau in diesen Bereichen hat Tesla enttäuscht. Die entscheidende Frage wird sein, ob Tesla seine Milliardeninvestitionen in den kommenden Jahren erfolgreich monetarisieren kann. Bislang stammen die Umsätze weiterhin überwiegend aus dem klassischen Autogeschäft, während Robotaxis, Optimus und Full Self-Driving vor allem Zukunftsversprechen sind.

Anleger sollten deshalb in den kommenden Quartalen vor allem vier Punkte im Blick behalten. Entscheidend wird sein, ob sich das Robotaxi-Geschäft vom Pilotprojekt zu einem skalierbaren Geschäftsmodell entwickelt. Ebenso wichtig ist, ob Full Self-Driving weiter wächst und daraus wiederkehrende, margenstarke Softwareumsätze entstehen. Außerdem wird der Free Cashflow genau beobachtet, denn eine längere Phase negativer Mittelzuflüsse dürfte die Skepsis der Anleger erhöhen. Und schließlich wird sich zeigen müssen, ob die milliardenschweren KI-Investitionen tatsächlich die erhofften Erträge liefern. Genau diesen Nachweis muss Tesla, anders als Alphabet, erst noch erbringen.

Aktie bricht aus Seitwärtsrange aus

Die Tesla-Aktie hat seit Wochenbeginn rund 8 Prozent verloren und ist auf unter 351 US-Dollar gefallen. Damit notiert sie auf dem tiefsten Stand seit April und steuert auf den stärksten Wochenverlust seit Mai zu. Gegenüber dem Rekordhoch bei 498 US-Dollar aus dem Dezember beträgt das Minus inzwischen rund 30 Prozent.

Der Ausbruch auf das Rekordhoch erwies sich allerdings schon damals als wenig überzeugend. Die Aktie schaffte nur kurzzeitig den Sprung über das bisherige Hoch aus dem Jahr 2024 und konnte dieses Niveau nicht behaupten. Der übergeordnete Aufwärtstrend, der mit dem Tief bei 214 US-Dollar im Jahr 2025 begann, ist zwar weiterhin intakt, kurzfristig hat sich das Chartbild jedoch deutlich eingetrübt.

Die Seitwärtsrange zwischen 378 und 414 US-Dollar wurde nach unten verlassen. Eine Rückkehr in diese Handelsspanne wäre ein erstes positives Signal. Für eine nachhaltige Aufhellung des Chartbilds müsste die Aktie jedoch die 20-Wochen-Linie zurückerobern und den Widerstand bei 414 US-Dollar überwinden. Im Bereich des März-Tiefs bei 337 US-Dollar dürfte sich entscheiden, ob die Käufer wieder die Kontrolle übernehmen oder sich der Ausverkauf fortsetzt.

Tesla, Wochenchart. Quelle: eToro

Worauf achten?

Der KI-Boom geht in die nächste Phase. Nicht mehr Visionen, sondern die Monetarisierung der Milliardeninvestitionen rückt in den Mittelpunkt. Alphabet liefert dafür bereits erste überzeugende Belege. Tesla dagegen macht operative Fortschritte, muss den finanziellen Durchbruch aber erst noch erreichen. Für Anleger werden in den kommenden Quartalen vor allem Cloud-Wachstum, Free Cashflow und der Nachweis profitabler KI-Geschäftsmodelle entscheidend sein.

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