Die US-Berichtssaison für das dritte Quartal steht in den Startlöchern. Makrodaten geben den Rahmen vor, doch entscheidend ist die operative Entwicklung der Unternehmen. Die Quartalsberichte zeigen schwarz auf weiß, wie viel Geld die Unternehmen verdienen. Diese Woche veröffentlichen PepsiCo und Delta Air Lines ihre Quartalszahlen. Eine Woche später folgen die großen US-Banken.
PepsiCo und Delta als Konsumtest
Die Marktstory verschiebt sich derzeit von der Makro- auf die Unternehmensebene. Zinsen, Wechselkurse und Rohstoffpreise setzen den Rahmen, doch entscheidend ist jetzt, wie sich Umsatz, Margen, und Ausblick entwickeln.
PepsiCo (Donnerstag) und Delta (Freitag) liefern einen ersten Einblick in die Lage der US-Konsumenten. PepsiCo zeigt, ob Verbraucher auf günstigere Produkte ausweichen und wie viel Preismacht der Konzern besitzt. Bei Delta geht es um die Reiselust, die Ticketpreise sowie den Einfluss von Treibstoffkosten. Gemeinsam liefern die beiden Unternehmen wichtige Hinweise, bilden aber nicht die gesamte US-Wirtschaft ab.
Margen-Test
Die Wirkung hoher Zinsen zeigt sich bei Unternehmen oft zeitverzögert, insbesondere bei anstehenden Refinanzierungen. Müssen Kredite oder Anleihen zu höheren Zinssätzen ersetzt werden, steigen die Zinsaufwendungen. Das belastet den Nettogewinn und kann Investitionen bremsen. Gleichzeitig kann ein stärkerer US-Dollar die ausgewiesenen Umsätze und Gewinne international tätiger US-Unternehmen belasten, weil im Ausland erzielte Einnahmen bei der Umrechnung in US-Dollar weniger wert sind. Geopolitische Risiken verteuern zudem die Lieferketten. Höhere Transportkosten, Versicherungsprämien und Umleitungen können auf die Margen drücken.
Für Anleger ist außerdem entscheidend, ob das Umsatzwachstum aus höheren Preisen oder aus steigenden Absatzmengen resultiert. Sinkende Absatzmengen trotz höherer Preise wären ein Warnsignal, weil sie auf nachlassende Nachfrage oder begrenzte Preismacht hindeuten könnten. FactSet erwartet für das dritte Quartal ein Gewinnwachstum von 29,5 Prozent im S&P 500. Das ist zunächst nur eine Prognose. Erst die tatsächlichen Ergebnisse zeigen, ob die Erwartungen erfüllt werden und ob das Gewinnwachstum auf mehr Unternehmen und Sektoren übergreift oder nur von wenigen Technologieunternehmen getragen wird.
Drei Szenarien für die Aktienmärkte
Anleger sollten in Szenarien und Wahrscheinlichkeiten denken. Die Berichtssaison wird zeigen, ob die teils hohen Aktienbewertungen durch nachhaltiges operatives Gewinnwachstum und entsprechenden Cashflow gedeckt sind.
Im positiven Szenario wachsen Umsatz und Absatzvolumen, die Margen bleiben stabil oder steigen, der Cashflow verbessert sich und die Unternehmen erhöhen ihren Ausblick. Das würde auf ein breiteres Gewinnwachstum hindeuten und könnte die Rally über wenige führende Sektoren hinaus ausweiten.
Im neutralen Szenario übertreffen die Gewinne zwar die Erwartungen, vor allem durch Preiserhöhungen oder Kostensenkungen. Wenn das Absatzvolumen und die operative Entwicklung jedoch kaum zulegen, könnte die Marktreaktion verhalten ausfallen.
Im negativen Szenario stagnieren oder sinken Umsatz und Absatzvolumen, die Margen schrumpfen und die Unternehmen senken ihren Ausblick. Bei gleichzeitig hohen Anleiherenditen wäre das problematisch, weil sinkende Gewinnerwartungen und höhere Diskontierungssätze die Aktienbewertungen unter Druck setzen würden.
Wie Anleger jetzt reagieren sollten
Für langfristig orientierte Anleger rechtfertigen kurzfristige Schwankungen und einzelne Quartalszahlen keine überstürzten Entscheidungen.
Umso wichtiger sind ein breit aufgestelltes Portfolio und ein Fokus auf Unternehmen mit hohem Free Cashflow, Preismacht, geringer Verschuldung und starken Eigenkapitalrenditen. So bleibt das Portfolio auch bei höheren Zinsen robust.
Vorübergehende Kursrückgänge bei Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen, hoher Profitabilität und soliden Bilanzen können Nachkaufgelegenheiten bieten.
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