Was ist ein „Short Squeeze”?

Aus der Gunst gefallen zu sein und stark „geshortet“ zu werden sind die wichtigsten Merkmale sogenannter Meme-Aktien. Aber was bedeutet „Shorten“, wie funktioniert der „Squeeze“ und wie haben einzelne Investoren dies zu ihrem Vorteil gegenüber Hedgefonds genutzt? Lesen Sie weiter, um die neue Investmentstrategie für Kleinanleger zu entdecken, wie damit selbstgefällige Hedgefonds ausgespielt wurden und wie dieses Katz-und-Maus-Spiel zwischen Hedgefonds und Privatinvestoren weitergeht.

Wie ein Short Squeeze funktioniert

Eine Short Squeeze ist, wenn der Aktienkurs steigt (oft durch den Kauf von Kleinanlegern angetrieben), was Investoren (in der Regel Hedgefonds), die für einen Wertverlust der Aktie positioniert waren, dazu zwingt, ihren Kurs zu ändern die Aktie zu kaufen, was den Aktienkurs sogar noch mehr nach oben treibt. Dies war ein Hauptmerkmal der Rallye bei den Meme-Aktien in diesem Jahr. Es gibt zwei Phasen bei einem Short Squeeze die „Short“-Position und danach den „Squeeze“ (das „Quetschen“). 

  1. Die Short-Position bedeutet, dass Investoren, oft Hedgefonds, sich in der Erwartung positionieren, dass der Aktienkurs eines Unternehmens fällt. Sie tun dies, indem sie sich die Unternehmensaktien von Langzeitaktionären wie Rentenfonds oder Versicherungsgesellschaften leihen und mit diesen eine Vereinbarung eingehen, die Aktien in der Zukunft zurückzugeben. In der Zwischenzeit hoffen sie, dass die Aktien des Unternehmens fallen werden, was es ihnen ermöglicht, die Aktien an den Eigentümer zurückzugeben und die Differenz des Aktienkurses für sich zu behalten. Meme-Aktien waren beliebte „Shorts“, da sie oft Schwierigkeiten haben oder versuchen, einen Kurswechsel herbeizuführen, und diese schwachen Fundamente ziehen Hedgefonds-Shorter an.
  2. Der Squeeze erfolgt, wenn der Aktienkurs tatsächlich steigt, anstatt zu fallen. Dieser Anstieg wird häufig durch den Kauf von Kleinanlegern angetrieben, was den Hedgefonds dazu zwingt, wieder in den Markt einzutreten und die Aktien zurückzukaufen, die er benötigt, um sie an den Eigentümer zurückzugeben. Je stärker der Aktienkurs steigt, desto stärker wird dieser Druck (der „Short Squeeze“). Der Hedgefonds trägt tatsächlich zu diesem Anstieg des Aktienkurses bei, indem er zu einem weiteren Käufer im Markt wird. Je größer die Short-Position, desto mehr Aktien müssen zurückgekauft werden und desto größer ist das Risiko, wenn die Kurse steigen.

Was der „Meme Squeeze“ ist

Kleinanleger haben sich diese Situation zunutze gemacht, um ihre eigene Investmentstrategie, den „Meme Squeeze“ zu entwickeln, wofür sie die riesige Gemeinschaft von Online-Investoren zusammengeschweißt haben, um den Aktienpreis stark geshorteter Unternehmen nach oben zu treiben, was zu einem Short Squeeze gegen Hedgefonds und einem weiteren Preisanstieg führt. Dies hat der traditionellen „Short Squeeze“-Strategie ein drittes, einzigartiges Element hinzugefügt.

  1. Der „Meme Squeeze“ entwickelte sich aus der enormen Zunahme von Kleinanlegern und festigte ihren traditionellen Fokus auf Aktien mit geringer Marktkapitalisierung und Wachstumsaktien mit einer begeisterten Online-Investorengemeinschaft im Rücken. Dies führte zur Entwicklung einer „Meme Squeeze“-Investmentstrategie, bei der sich das Online-Interesse auf den Ankauf von Aktien mit geringer Marktkapitalisierung und großen Short-Positionen konzentrierte, um einen „Short Squeeze“ und eine Rally durch die Abdeckung von Shorts auszulösen. 

Das Beispiel GameStop

Als die Selbstgefälligkeit von Hedgefonds auf die Kleinanleger-Revolution stieß

Der Videospielehändler GameStop (GME) ist das berühmteste Beispiel für diese neue Investmentstrategie. Die Kette war bei Verbrauchern aufgrund ihrer 5.500 Einzelhandelsgeschäfte in den Einkaufszentren und in den Haupteinkaufsstraßen der USA, Kanadas, Europas und Australiens gut bekannt. Aber sie sah sich mit zunehmender Konkurrenz konfrontiert, da die Branche zu einem Online-E-Commerce-Modell übergeht. Dadurch war das Unternehmen zwischen 2017 und 2020 unrentabel und der Aktienkurs fiel im April 2020 auf einen Tiefststand von unter 3 USD pro Aktie, von mehr als 25 USD pro Aktie nur drei Jahre zuvor, und seine Marktkapitalisierung lag deutlich unter 1 Mrd. USD. 

Angesichts der scheinbar schlechten fundamentalen Aussichten waren viele Hedgefonds für ein weiteres Fallen des Aktienkurses positioniert. Die Größe dieser Short-Positionen war enorm, wobei die Anzahl der geshorteten Aktien bekanntermaßen höher war als die Anzahl aller Aktien des Unternehmens im Umlauf. Die sogenannte „Short Interest Ratio“ gibt den prozentualen Anteil der geshorteten Aktien an allen Aktien des Unternehmens und lag über 100 %. Diese riesige Short-Position entsprach mehr als sechs Tagen des täglichen Trading-Volumens von GameStop. Dies wird als „Days-to-cover“-Verhältnis bezeichnet. Die Größe dieser Position war beispiellos und spiegelte die selbstgefällige Annahme von Hedgefonds wider, dass nichts einen weiteren Kursverfall aufhalten könnte.

Ende 2020 wurde GameStop jedoch in der Gemeinschaft von Online-Anlegern beliebt, einschließlich auf Websites wie r/wallstreetbets, und ihre Kaufaktivität begann den Aktienkurs nach oben zu treiben. Dies zwang die Hedgefonds, Aktien auf dem Markt zu kaufen, um ihre riesigen Short-Positionen abzudecken, und half, die Aktien bis Ende Januar 2021 von unter 20 USD auf fast 350 USD hochzudrücken.

Druck auf die Hedgefonds-Shorts

Der Erfolg dieser Meme-Squeeze-Strategie hat dazu geführt, dass Hedgefonds geschätzte Verluste* von 12 Mrd. USD erlitten haben, wobei der Hedgefonds Melvin Capital im Januar die Hälfte seines Wertes verlor, das in London ansässige White Capital seine Schließung bekanntgab und der berühmte Verfasser von Short-Berichten Citron Research sich von dieser Strategie zurückzog.

Dies hat den ohnehin starken Druck auf die „Short“-Gemeinschaft von Hedgefonds durch die anhaltende Aktienrally nur noch erhöht. Es ist schwierig, auf niedrigere Aktienkurse zu setzen, wenn der Markt insgesamt stark anzieht. 

Es wird geschätzt, dass Short-Positionen des S&P 500 jetzt nur noch 1,5 % der gesamten Marktkapitalisierung betragen. Dies ist ein 25-Jahres-Tief und weniger als die Hälfte des Höchststands während der globalen Finanzkrise mit 3,5 %. Es zeigt auch, wie extrem die Hedgefonds-Short-Position bei GME mit mehr als 100 % der Aktien war. 

Im weiteren Sinne haben wir letztes Jahr nur 177 Short-Berichte (negative Rechercheberichte von Investoren, die eine Unternehmensaktie shorten) gesehen und 182 Aktionärsaktivismuskampagnen (Investoren, die nach bedeutenden Änderungen in der Unternehmensstrategie und dem Management suchen). Diese stellen jeweils einen winzigen Anteil von 0,6 % der Gesamtzahl der weltweit notierten Aktien dar.

Eine sich weiterentwickelnde Katz-und-Maus-Strategie

Diese Meme-Squeeze-Investmentstrategie entwickelt sich weiter, da sich beide Seiten anpassen. Für die verbleibenden Hedgefonds mit Fokus auf Short-Strategien ist die Zeit der Selbstgefälligkeit vorbei und sie sind gezwungen, kleinere Short-Positionen einzunehmen, mit einer größeren Diversifizierung über mehr Aktien und mit einer engen Verfolgung der Stimmung bei Kleinanlegern. Kleinanleger nehmen jetzt mehr Aktien ins Visier und Diskussionen finden in einem breiteren Umfang von Social-Media-Kanälen statt.

Die aktuelle Meme-Aktienrallye wartet mit weniger extremen, doch immer noch hohen Short-Niveaus auf. Beispielsweise machen das Short-Interesse-Verhältnis von GME und die „Days to Cover“ jetzt einen Bruchteil der Januar-Niveaus aus, liegen jedoch noch immer deutlich über dem Marktdurchschnitt. Darüber hinaus sind jetzt viel mehr Aktien involviert als die ursprüngliche Handvoll im Januar.

Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Hedgefonds und Privatanlegern setzt sich fort und entwickelt sich weiter. Behalten Sie diese Entwicklung im Auge.

* Financial Times, 25. Juni 2021

 

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