Die RWE-Aktie startet mit Rückenwind ins Jahr 2026 und legt in den ersten vier Handelstagen um fast 6 Prozent zu. Damit lässt der deutsche Energiekonzern den DAX klar hinter sich und knüpft nahtlos an das außergewöhnlich starke Jahr 2025 an, in dem die Aktie um 57 Prozent zulegen konnte.
Langfristiges Aufholpotenzial
Trotz dieser Rally liegt der Kurs weiterhin rund 50 Prozent unter dem Rekordhoch aus dem Jahr 2008. Auf lange Sicht hinkt RWE dem Gesamtmarkt deutlich hinterher. Seit seinem Tiefpunkt im Jahr 2009 hat der DAX um etwa 600 Prozent zugelegt. Genau daraus ergibt sich nun Aufholpotenzial – nicht nur aufgrund der historischen Underperformance, sondern vor allem wegen der verbesserten operativen Entwicklung und der klaren Positionierung im Zukunftstrend der erneuerbaren Energien.
Normalisierung nach einem Extremjahr
Der Außenumsatz ohne Erdgas- und Stromsteuer lag in den ersten neun Monaten 2025 bei 13,2 Mrd. Euro und damit 16,9 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Auch auf Ergebnisebene zeigt sich ein Rückgang. Das bereinigte EBITDA beläuft sich auf rund 3,5 Mrd. Euro (−12,6 %), das bereinigte Nettoergebnis auf etwa 1,3 Mrd. Euro (−21,6 %). Entsprechend liegt das Ergebnis je Aktie nach neun Monaten bei 1,76 Euro, was einem Minus von 20,4 Prozent entspricht. Wichtig ist dabei die Einordnung. Der Vergleich erfolgt mit einem außergewöhnlich starken Vorjahr. Die schwächeren Werte sind vor allem auf die Normalisierung im Erzeugungsgeschäft sowie geringere Erträge aus dem Stromhandel zurückzuführen – nicht auf operative Schwächen im Kerngeschäft.
Diversifiziertes Energieportfolio
RWE produzierte 87.900 GWh, ein Plus von 5,9 Prozent. Zum Vergleich: Der gesamte Stromverbrauch in Deutschland lag 2024 bei rund 464.400 GWh. Ungünstige Wetterbedingungen führten zu geringeren Offshore- und Onshore-Windmengen. Das verdeutlicht die typische Volatilität erneuerbarer Energien, die zum Geschäftsmodell gehört. Entsprechend konnten die Erträge aus erneuerbaren Energien teilweise nicht an das außergewöhnlich starke Vorjahr anknüpfen. Gas- und Biomassekraftwerke glichen die wetterbedingten Rückgänge aus und trugen zur Stabilisierung der Stromerzeugung bei.
Für 2026 verfolgt RWE in den USA eine differenzierte Strategie. Die Planung des Offshore-Windparks für den Staat New York wurde vorerst pausiert, vor dem Hintergrund der aktuellen US-Energiepolitik. Trotz einzelner Projektpausen bleiben die starke Präsenz in den USA und der kontinuierliche Kapazitätsausbau zentrale Treiber für langfristiges strukturelles Wachstum.
Finanzielle und strategische Stärke
Das Apollo-Joint-Venture reduziert die Kapitalintensität des Netzausbaus, ohne die Kontrolle abzugeben, und schafft Liquidität bei gleichzeitig stabilen, regulierten Cashflows. Im September 2025 wurde eine Partnerschaft eingegangen. Die stark nachgefragten grünen Anleihen belegen zudem RWEs guten Zugang zum Kapitalmarkt und ermöglichen den Ausbau erneuerbarer Energien in Wachstumsmärkten wie den USA. RWE kombiniert Infrastruktur-Stabilität, Wachstum durch Erneuerbare und disziplinierte Finanzierung. Das senkt das Risiko, erhöht die Planbarkeit der Erträge und stärkt die langfristige Investmentstory.
Venezuela-Schock
Zum Jahresbeginn rückte der Energiemarkt stark in den Fokus, ausgelöst durch geopolitische Entwicklungen. Am Samstag griffen die USA in Venezuela ein und nahmen Präsident Nicolás Maduro fest, der nun in New York in Haft sitzt. Trotz der Brisanz blieb der Venezuela-Schock für den Ölmarkt zunächst überschaubar, da das Land aktuell weniger als 1 Prozent der globalen Ölproduktion stellt. Langfristig schärfen solche Ereignisse jedoch den Blick auf Versorgungssicherheit und den Ausbau erneuerbarer Energien. Genau hier liegt die Stärke von RWE.
Nur indirekt von Zöllen betroffen
US-Zölle haben für RWE nur begrenzte direkte Auswirkungen. Der Konzern ist kein klassischer US-Marktplayer mit umfangreichen zollpflichtigen Exporten oder Importen, sondern agiert überwiegend als lokaler Produzent. Relevanter sind vielmehr indirekte Effekte. Diese ergeben sich über mögliche Veränderungen bei globalen Energiepreisen, steigende Beschaffungskosten für Anlagen und Komponenten, eine veränderte makroökonomische Nachfrage sowie über die Kapitalmarkt- und Anlegerstimmung. Insgesamt ist RWE damit stärker von Energiepreisentwicklungen und europäischen bzw. regionalen Rahmenbedingungen abhängig als von der US-Handelspolitik selbst.
Strukturtrend Erneuerbare
Der Anteil erneuerbarer Energien in der EU steigt seit Jahren kontinuierlich und hat sich seit 2004 nahezu verdreifacht. Mit aktuell 25,2 Prozent (2024) liegt die EU deutlich über früheren Niveaus, während Deutschland mit 22,5 Prozent noch leicht darunter bleibt. Das signalisiert Nachholpotenzial im Heimatmarkt. Noch wichtiger ist der Blick nach vorn. Das EU-Ziel von 42,5 Prozent bis 2030 macht deutlich, wie groß der bevorstehende Ausbau in den kommenden Jahren ausfallen muss. Dieser strukturelle Trend schafft enorme Investitions- und Wachstumsmöglichkeiten. RWE könnte zu den zentralen Profiteuren dieser Entwicklung zählen.

Quelle: Eurostat
Vergleich innerhalb der Energiebranche
Mit einem Forward-KGV von rund 19,7 liegt RWE über dem Branchendurchschnitt von etwa 16,7, der auf acht ausgewählten Energiekonzernen basiert. Damit ist die Aktie nicht nur überdurchschnittlich bewertet, sondern weist innerhalb der Peer Group die zweithöchste Bewertung auf. Gleichzeitig bleibt RWE deutlich niedriger bewertet als Siemens Energy, liegt jedoch klar über den klassischen Ölkonzernen, die mit niedrigeren Multiples gehandelt werden. Eine EBIT-Marge von rund 14 Prozent unterstreicht die solide operative Effizienz des Geschäfts. Insgesamt spiegelt die Bewertung weniger kurzfristige Ertragsfantasie wider, sondern vor allem Qualität, Stabilität und die Rolle als Profiteur der Energiewende.

Quelle: TIKR
Intakter Aufwärtstrend
Die Aktie bricht in dieser Woche über das Hoch aus 2025 bei 46,86 Euro aus und steigt auf rund 48 Euro, den höchsten Stand seit 2011. Kurzfristig kommt es nun darauf an, ob sich dieser Ausbruch bestätigt. Gleichzeitig mehren sich kurzfristige Warnsignale. Eine bärische RSI-Divergenz könnte auf nachlassendes Käufer-Momentum hindeuten. Der Kurs markiert ein höheres Hoch, während der RSI zurückbleibt. Zudem ist der Abstand zur 20-Wochen-Linie deutlich angewachsen. Der letzte Test liegt bereits im September, was das Korrekturrisiko erhöht.
Trotzdem bleibt das übergeordnete Bild positiv. Die Aufwärtstrendstruktur ist intakt, langfristig sind weiterhin höhere Hochs möglich. Die Aktie befindet sich in einem intakten Aufwärtsimpuls. Auf der Oberseite rückt ein mögliches Kursziel bei 55,70 Euro in den Fokus, abgeleitet aus dem Zwischentief der damaligen Abwärtsbewegung. Für mögliche Rücksetzer sind zwei zentrale Unterstützungszonen (Fair Value Gaps) entscheidend. Zunächst der Bereich 44,71–46,16 Euro, darunter die Zone 41,21–41,94 Euro, wo auch die 20-Wochen-Linie verläuft. Erst ein Bruch beider Zonen würde den Aufwärtstrend beenden.

Quelle: eToro
Optimistischer Ausblick
RWE verbindet Momentum, operative Stabilität und strukturellen Rückenwind aus der Energiewende. Trotz kurzfristiger technischer Risiken bleibt die langfristige Investmentstory intakt. Diversifizierung, planbare Cashflows und der Ausbau erneuerbarer Energien schaffen Aufholpotenzial gegenüber dem Gesamtmarkt.
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