Für die ASML-Aktie ging es am Mittwoch in den ersten Handelsminuten zeitweise um fast 8 Prozent auf bis zu 1.678 Euro nach oben. Auslöser waren die starken Q2-Zahlen und der erneut angehobene Jahresausblick.
Anleger sehen sich bestätigt
Für Anleger bestätigt der Bericht vor allem, dass der KI-Investitionszyklus bislang keine Anzeichen einer Abschwächung zeigt. Als Quasi-Monopolist im Bereich der EUV-Lithografie profitiert ASML direkt davon, dass große Chiphersteller ihre Investitionen in moderne Fertigungsanlagen weiter ausbauen. Noch wichtiger als die starken Quartalszahlen dürfte jedoch der geplante Kapazitätsausbau bis mindestens 2028 sein. Das Management macht damit deutlich, dass es nicht von einem kurzfristigen KI-Boom, sondern von einer langfristig hohen Nachfrage ausgeht. Gleichzeitig unterstreichen die steigenden Bruttomargen, dass ASML das starke Umsatzwachstum erfolgreich in eine höhere Profitabilität umwandeln kann.
Jahresausblick wird erneut angehoben
ASML untermauert seine Rolle als einer der größten Profiteure des weltweiten KI-Booms. Das Unternehmen hat seinen Jahresausblick bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr angehoben und erwartet für 2026 einen Umsatz von 43 bis 45 Mrd. Euro, deutlich mehr als Analysten bislang prognostiziert hatten. Die Zahlen zeigen, dass sich der KI-getriebene Investitionszyklus weiter beschleunigt und die Nachfrage nach Halbleiterausrüstung stärker ausfällt als erwartet. Entsprechend plant ASML, seine Produktionskapazitäten bis mindestens 2028 deutlich auszubauen. Das Management signalisiert damit, dass es nicht von einem kurzfristigen Boom ausgeht, sondern von einer langfristig hohen Nachfrage nach EUV-Lithografiesystemen. Gleichzeitig beschleunigen große Kunden wie TSMC, Samsung und Intel ihre Investitionen, um zusätzliche Fertigungskapazitäten für KI-Chips aufzubauen.
Auch die Profitabilität entwickelt sich positiv. ASML rechnet für das Gesamtjahr mit einer Bruttomarge von bis zu 56 Prozent und hat im 2. Quartal sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn die Markterwartungen übertroffen. Das zeigt, dass das Unternehmen die hohe Nachfrage nicht nur in steigende Umsätze, sondern auch in wachsende Gewinne umsetzen kann. Ein weiterer wichtiger Meilenstein ist der erstmalige produktive Einsatz der neuen High-NA-EUV-Technologie durch Intel. Damit verlässt die nächste Generation der Lithografiemaschinen die reine Entwicklungsphase und hält Einzug in die Serienfertigung. Das dürfte das Vertrauen in die neue Technologie stärken und Zweifel an ihrer Wirtschaftlichkeit verringern.
Gleichzeitig zeigt die Entscheidung von TSMC, den breiten Einsatz erst ab 2029 zu planen, dass sich die Einführung je nach Kunde unterschiedlich schnell entwickeln dürfte. Kurzfristig könnte dies den Hochlauf bremsen, langfristig ändert es jedoch wenig am Wachstumspotenzial. Der Umsatzanteil Chinas geht unterdessen weiter zurück. Dadurch wird ASML zwar weniger abhängig vom chinesischen Markt, Exportbeschränkungen und geopolitische Spannungen bleiben jedoch ein strukturelles Risiko für das Unternehmen.
Doppelt so hoch bewertet wie der S&P 500
ASML ist mit Abstand das wertvollste Unternehmen Europas. Ausschlaggebend dafür ist vor allem die beeindruckende Kursrally der vergangenen Monate. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 80 Prozent zugelegt, während der STOXX Europe 600 im gleichen Zeitraum lediglich um rund 11 Prozent gestiegen ist. Mit der Euphorie an den Börsen ist allerdings auch die Bewertung deutlich gestiegen. Das Forward-KGV liegt derzeit bei 44,6 und damit mehr als doppelt so hoch wie das des S&P 500, das bei rund 20 liegt. Selbst für einen Technologiewert ist das eine hohe Bewertung. Sollten Analysten ihre Gewinnerwartungen in nächster Zeit nach oben anpassen, könnte sich diese Bewertung jedoch schrittweise normalisieren. Langfristig spricht daher vieles dafür, dass die ASML-Aktie weiteres Potenzial besitzt. Kurzfristig sollten Anleger angesichts der hohen Bewertung jedoch mit einer erhöhten Volatilität rechnen.
Nach der Verschnaufpause wieder auf Rekordkurs?
Die ASML-Aktie hat seit Wochenbeginn rund 4 Prozent zugelegt und hat den Abstand zum Rekordhoch damit auf etwa 6 Prozent verringert. Zuvor war der Kurs zwischenzeitlich um rund 14 Prozent vom Allzeithoch zurückgekommen. Im Kontext der übergeordneten Aufwärtsbewegung seit dem April-Tief 2025 entspricht das einer normalen Korrektur. Bereits zuvor hatte die Aktie zwischenzeitliche Rücksetzer von 12 Prozent und 18 Prozent durchlaufen. Sollte ASML in nächster Zeit kein neues Rekordhoch markieren, dürfte die 20-Wochen-Linie in den Mittelpunkt rücken. Im Rahmen normaler kurzfristiger Schwankungen kommt es häufig zu einem Test oder einer Reaktion um diesen gleitenden Durchschnitt herum. Ein nachhaltiger Rückgang darunter wäre eher zu erwarten, wenn sich die Fundamentaldaten des Unternehmens verschlechtern oder sich das makroökonomische Umfeld deutlich eintrübt. Gelingt dagegen der Ausbruch über das Allzeithoch, wäre eine Anschlussbewegung von 15 Prozent bis 25 Prozent historisch durchaus im Rahmen des Üblichen. Daraus würde sich weiteres Potenzial in den Bereich von 2.000 bis 2.170 Euro ergeben.

ASML, Wochenchart. Quelle: eToro
Worauf sollten Anleger achten?
Anleger sollten in den kommenden Quartalen vor allem den Auftragseingang im Blick behalten. Bleibt die Nachfrage nach EUV- und High-NA-Systemen auf dem aktuellen Niveau, würde das für einen weiterhin robusten Investitionszyklus sprechen. Ebenso entscheidend ist, ob große Kunden wie TSMC, Samsung, Intel oder SK Hynix ihre Investitionsbudgets weiter erhöhen. Davon hängt maßgeblich ab, wie stark die Nachfrage nach den Anlagen von ASML in den kommenden Jahren ausfällt. Ein weiterer Faktor ist der geplante Ausbau der Produktionskapazitäten. Gelingt es ASML, die Kapazitätserweiterungen ohne größere Verzögerungen umzusetzen, könnte das zusätzliches Wachstum ermöglichen. Auch die Bruttomarge dürfte im Fokus stehen. Kann ASML Margen von mehr als 55 Prozent nachhaltig halten oder sogar weiter steigern, würde dies die hohe Profitabilität des Geschäftsmodells untermauern.
Darüber hinaus wird genau beobachtet, wie schnell weitere Kunden neben Intel die neue High-NA-EUV-Technologie produktiv einsetzen. Eine breitere Einführung würde den nächsten Technologieschub der Branche bestätigen. Nicht zuletzt bleibt die Entwicklung der KI-Infrastruktur entscheidend. Solange Hyperscaler wie Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta ihre Investitionen in Rechenzentren weiter hochhalten, dürfte auch die Nachfrage nach modernen Chips und den dafür benötigten ASML-Maschinen robust bleiben. Ein Risikofaktor bleiben dagegen China und mögliche weitere Exportbeschränkungen. Verschärfen die USA ihre Exportregeln erneut, könnte das das Chinageschäft zusätzlich belasten.
Ausblick überzeugt
Der wichtigste Punkt dieses Quartals ist nicht, dass ASML die Erwartungen übertroffen hat. Entscheidend ist vielmehr, dass das Management den Ausblick erneut anhebt, die Produktionskapazitäten bis mindestens 2028 ausbauen will und gleichzeitig höhere Margen erwartet. Das spricht dafür, dass der KI-getriebene Investitionszyklus derzeit nicht an Dynamik verliert und ASML als einer der größten strukturellen Gewinner der weltweiten KI-Infrastrukturinvestitionen positioniert bleibt.
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