Während Amazon Milliarden in KI und Cloud pumpt, wächst am Markt die Skepsis, ob sich diese Investitionen kurzfristig auszahlen. Die Aktie geriet zuletzt deutlich unter Druck – nicht wegen schwacher Geschäfte, sondern wegen der Frage, wie viel Zukunft der Markt heute bereit ist zu bezahlen.
Massive Investitionsankündigung
Amazon plant für 2026 Investitionen von rund 200 Mrd. US-Dollar, vor allem in Rechenzentren, Chips und KI-Infrastruktur. Der Großteil der Mittel soll in Amazon Web Services fließen, insbesondere in KI-Workloads.
Am Markt sorgt das für Zurückhaltung. Anleger befürchten, dass die Investitionen schneller wachsen als die Erträge aus KI-Diensten. Entsprechend fiel auch der Gewinnausblick für das laufende Quartal leicht unter die Erwartungen.
Operativ bleibt AWS jedoch stark. Der Cloud-Umsatz stieg im vierten Quartal um 24 Prozent auf 35,6 Mrd. US-Dollar – das stärkste Wachstum seit mehr als drei Jahren. Das operative Ergebnis lag bei 12,5 Mrd. US-Dollar, der Auftragsbestand erreichte 244 Mrd. US-Dollar, ein Plus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Auch das umsatzstarke Kerngeschäft zeigt sich robust. Der E-Commerce-Umsatz legte um 10 Prozent auf 83 Mrd. US-Dollar zu, die Werbeerlöse stiegen um 23 Prozent auf 21,3 Mrd. US-Dollar. Parallel hält Amazon an Kostendisziplin fest und hat zuletzt 16.000 Stellen gestrichen, um effizienter zu werden.
Darauf kommt es jetzt an
Diese Woche stehen wichtige US-Konjunkturdaten an – zu Einzelhandel, Arbeitsmarkt und Inflation. Diese Daten beeinflussen, wie der Markt die Zinsentwicklung der Fed einschätzt. Und die Zins- und Wirtschaftserwartungen haben direkte Auswirkungen auf Tech- und Wachstumsaktien wie Amazon.
Im Best-Case-Szenario zeigen die US-Daten einen starken Konsum, einen stabilen Arbeitsmarkt und eine weiter nachlassende Inflation. Das würde Amazons E-Commerce- und Werbegeschäft stützen, gleichzeitig die Zinssenkungsfantasie am Markt befeuern und damit den Bewertungsdruck auf Wachstumswerte wie Amazon verringern.
Unterschiedliche Wettbewerbsfelder
Bei Amazon muss zwischen zwei Kernbereichen unterschieden werden. E-Commerce ist das umsatzstärkste Geschäft, während AWS der wichtigste Gewinnbringer ist. Entsprechend tritt Amazon in zwei sehr unterschiedlichen Wettbewerbsfeldern an.
Im Einzelhandel konkurriert Amazon vor allem mit Alibaba, JD.com, Walmart und eBay. Im Cloud-Geschäft hingegen stehen Microsoft (Azure), Alphabet (Google Cloud), Oracle und IBM im Fokus. AWS misst sich damit in erster Linie mit Big-Tech-Konzernen.
Vergleich: Einzelhandel
Amazon liegt beim Forward-KGV mit 27,3 im Mittelfeld des Vergleichs. Die Aktie ist damit niedriger bewertet als Walmart (45,0), aber höher als Alibaba (23,5), JD.com (10,8) und eBay (15,2). Diese Bewertung spiegelt die besondere Geschäftsstruktur wider. Amazon ist kein reiner Händler, sondern verbindet E-Commerce, Cloud (AWS) und Werbung.
Auch bei der durchschnittlichen EBIT-Marge der letzten zwölf Monate zeigt sich ein differenziertes Bild. Mit 11,2 Prozent liegt Amazon deutlich über Walmart (4,1 %) und JD.com (1,3 %) und etwa auf dem Niveau von Alibaba (11,6 %). Gleichzeitig bleibt die Marge unter der von eBay (22,1 %), das von einem deutlich schlankeren Marktplatzmodell profitiert.
Amazon nimmt bewusst niedrigere kurzfristige Margen in Kauf, um Wachstum zu sichern. Hohe Investitionen in Logistik, KI und Cloud-Infrastruktur belasten derzeit die Profitabilität. Gleichzeitig verzerrt AWS den Vergleich positiv. Ohne das Cloud-Geschäft wäre die Konzernmarge deutlich niedriger. Mit AWS verfügt Amazon jedoch über einen hochprofitablen Wachstumsmotor, den klassische Einzelhändler in dieser Form nicht besitzen.
Vergleich: Cloud
Amazons Forward-KGV von 27,3 liegt über dem von Microsoft (23,6), Oracle (21,7) und IBM (23,9), aber leicht unter dem von Alphabet (28,3). Amazon wird dabei nicht nur als Cloud-Anbieter bewertet. Der aktuelle Bewertungsaufschlag ist für ein Technologieunternehmen nicht außergewöhnlich hoch, aber dennoch erhöht.
Bei der EBIT-Marge fällt Amazon im Vergleich zu den Cloud-Peers deutlich zurück. Mit 11,2 Prozent liegt der Konzern deutlich unter Microsoft (46,7 %), Alphabet (32,0 %) und Oracle (31,8 %). Der Vergleich ist jedoch nur bedingt aussagekräftig, da es sich bei Amazons EBIT-Marge um eine Konzernmarge handelt und nicht um die reine Profitabilität von AWS, die deutlich höher liegt.
Strategisch zeigt sich ein klarer Unterschied. Amazon investiert aggressiver in KI-Infrastruktur, Rechenzentren und Kapazitätsausbau, während Microsoft, Alphabet und Oracle ihre Cloud-Angebote stärker aus bestehenden Software- und Kundenökosystemen monetarisieren.
Unterstützung wird respektiert
Die Aktie geriet in der vergangenen Woche deutlich unter Druck und verlor über 12 Prozent, zeitweise sogar bis zu 18 Prozent. Vom Allzeithoch aus betrachtet weitete sich der Rückgang zwischenzeitlich auf 24 Prozent aus, zum Wochenschluss lag das Minus bei rund 19 Prozent. Damit wurde das Bärenmarkt-Territorium (−20 %) nur knapp vermieden.
Auf der Unterseite konnte sich die Aktie zunächst stabilisieren. Die Unterstützungszone (Fair Value Gap) zwischen 194,36 und 202,37 US-Dollar wurde in der vergangenen Woche respektiert. Hält dieser Bereich, ist eine technische Erholung und eine Annäherung an das Rekordhoch bei 258,41 US-Dollar möglich.
Zu Beginn der neuen Woche kam jedoch erneut Verkaufsdruck auf. Am Montag verlor die Aktie fast 1 Prozent und schloss bei knapp unter 209 US-Dollar. Wird die aktuelle Zone erneut getestet und gibt nach, rücken zwei deutlich stärkere Unterstützungsbereiche in den Fokus: 168,28 bis 174,99 US-Dollar sowie 160,46 bis 167,40 US-Dollar.
Selbst ein Rückfall in diese tieferen Zonen würde den übergeordneten Aufwärtstrend noch nicht infrage stellen. Erst unterhalb dieser Bereiche würden die Verkäufer auch langfristig die Kontrolle übernehmen.

Amazon im Wochenchart. Quelle: eToro
Cloud und Werbung
Amazon investiert massiv in KI und Cloud und belastet damit kurzfristig die Margen, während AWS operativ stark bleibt. Die Bewertung hat sich etwas normalisiert, der langfristige Trend ist intakt. Kurzfristig entscheiden Makrodaten und technische Unterstützungen, langfristig könnten Cloud und Werbung die zentralen Treiber sein.
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