BASF im Umbruch, doch der Durchbruch fehlt

Die BASF-Aktie ist seit Wochenbeginn um rund 8 Prozent gestiegen und schlägt damit den DAX kurzfristig deutlich. Wer jedoch einen Schritt zurücktritt, erkennt schnell, dass die Aktie seit Jahren kaum vorankommt. Sie bewegt sich weiterhin in einer breiten Spanne zwischen 38 und 55 Euro. 

Ölpreise fallen

Durch die jüngste Erholung notiert der Kurs wieder bei rund 50 Euro, ein erster Fortschritt. Gleichzeitig bleiben die Belastungsfaktoren bestehen. Hohe Ölpreise wirken doppelt negativ, weshalb BASF bereits Preiserhöhungen für viele Produkte angekündigt hat. Gleichzeitig setzt der Markt aktuell auf eine mögliche Deeskalation im Nahen Osten. Der Ölpreis liegt bereits rund 20 Prozent unter dem Hoch der Vorwoche, was kurzfristig für Entlastung sorgt. Parallel dazu befindet sich der Konzern mitten im Umbau. Mit hohem Tempo wird daran gearbeitet, BASF neu aufzustellen und langfristig robuster zu machen.

Doppelte Belastung

Die Anfälligkeit von BASF gegenüber schwankenden Ölpreisen liegt vor allem an der Doppelrolle von Erdölprodukten als Rohstoff und Energieträger. Ein zentraler Rohstoff ist Naphtha, das direkt aus Erdöl gewonnen wird. In großen Anlagen, den sogenannten Steamcrackern, wird Naphtha bei rund 850 Grad aufgespalten. Dabei entstehen chemische Grundstoffe wie Ethylen und Propylen, die die Basis für einen Großteil der BASF-Produkte bilden. Steigt der Ölpreis, verteuert sich Naphtha unmittelbar. BASF kann darauf mit Preiserhöhungen reagieren, um die höheren Kosten auszugleichen. So sollen die Preise im Bereich Haushalts- und Industriereinigung laut jüngster Mitteilung um bis zu 30 Prozent angehoben werden.

Starke Abhängigkeit

Die chemische Industrie gehört zu den energieintensivsten Branchen. Die hohen Temperaturen für chemische Prozesse müssen durch fossile Brennstoffe oder Strom erzeugt werden. Gerade in Europa ist BASF besonders anfällig, da die Energiekosten hier häufig höher und volatiler sind als in den USA oder China. Steigende Ölpreise wirken sich zusätzlich auf die Logistik aus. Höhere Kosten für Diesel und Kerosin belasten die Margen. Auch Verpackungen verteuern sich, da viele Kunststoffe auf Erdöl basieren. 

Gleichzeitig kann BASF höhere Rohstoffkosten nicht immer sofort an Kunden weitergeben, vor allem bei schwacher globaler Nachfrage. Das kann die Gewinnmargen in Phasen steigender Ölpreise drücken. Die jüngsten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben diese Abhängigkeit erneut sichtbar gemacht. Die Preissprünge beim Öl setzen den Konzern zusätzlich unter Druck und erhöhen den Sparbedarf.

Harte Sanierung

BASF baut den Konzern derzeit umfassend um, um weniger anfällig für die Standortnachteile in Europa zu sein. Ein zentraler Baustein ist der neue Verbundstandort in Zhanjiang. Hier investiert BASF rund 8 bis 10 Milliarden Euro, mit dem Ziel, näher an der Nachfrage zu produzieren und von stabileren Energiekosten zu profitieren. China steht bereits für rund 50 Prozent des globalen Chemiemarktes, während BASF dort bislang nur einen vergleichsweise kleinen Teil seines Umsatzes erzielt.

Parallel läuft ein umfassendes Kostensenkungsprogramm. Bis Ende 2026 sollen allein in Europa 2,3 Milliarden Euro eingespart werden, mehr als ursprünglich geplant. Besonders betroffen ist der Standort Ludwigshafen, wo unrentable Anlagen wie für Ammoniak oder Adipinsäure bereits stillgelegt wurden. Zudem treibt BASF die Neuausrichtung des Portfolios voran. Randbereiche sollen stärker verselbstständigt oder teilweise verkauft werden. Für die Agrarsparte ist ein Börsengang bis 2027 geplant. Gleichzeitig unterscheidet der Konzern klar zwischen Kerngeschäft und eigenständigen Einheiten, um flexibler agieren zu können.

All diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Bilanz zu stärken und Kapital für die Transformation freizusetzen, etwa für die Elektrifizierung von Anlagen oder Investitionen in erneuerbare Energien. Die größte Herausforderung liegt inzwischen weniger im Ölpreis, sondern in der Geopolitik. Sollte sich der Konflikt zwischen der EU, den USA und China verschärfen, könnte gerade die Milliarden-Investition in Zhanjiang zum Risiko werden. Das ist ein zentraler Grund, warum die Aktie trotz solider Gewinne bislang keinen klaren Ausbruch nach oben schafft.

BASF hinter Bayer

Bayer ist direkter Nachbar und zugleich Wettbewerber im DAX. BASF wird dabei deutlich höher bewertet als Bayer. Das Forward-KGV liegt bei 19,9, während Bayer bei 8,9 notiert. BASF ist mit 4,1 Prozent immerhin profitabel, bleibt damit aber deutlich hinter Bayer zurück, der Konzern erreicht eine Marge von 11,2 Prozent. Entscheidend wird sein, dass sich die Margen oder zumindest die Gewinnerwartungen von BASF verbessern. Das würde das Geschäftsmodell robuster machen und gleichzeitig die Bewertung relativieren. Ein niedrigeres Forward-KGV muss dabei nicht zwingend durch fallende Kurse entstehen. Steigende Gewinne könnten den Multiplikator ebenfalls attraktiver machen.

Seitwärtphase trotz Erholung nicht beendet

Die BASF-Aktie setzt ihre Erholung am Mittwoch fort und baut die Gewinne auf rund 9 Prozent aus. Mit rund 50 Euro erreicht der Kurs den höchsten Stand seit einem Monat. Der Abstand zum Februar-Hoch liegt nur noch bei etwa 5 Prozent, vorletzte Woche waren es zeitweise noch über 16 Prozent. Während der DAX noch deutlich hinter seinem jüngsten Hoch zurückliegt, zeigt sich BASF kurzfristig stärker. Gleichzeitig bewegt sich die Aktie seit Jahren in einer breiten Seitwärtsphase. Das Tief aus dem Corona-Crash bei rund 37 Euro wurde sowohl 2022 als auch 2025 erfolgreich verteidigt und bietet Unterstützung. Auf der Oberseite deckelt der Bereich zwischen 54 und 55 Euro seit Jahren die Kurse. 

Die aktuelle Erholung ist daher zunächst als Stimmungsaufhellung innerhalb dieses Seitwärtstrends zu werten. Ein nachhaltiger Befreiungsschlag steht noch aus. Erst ein nachhaltiger Ausbruch nach oben würde neues Potenzial eröffnen, mit einem übergeordneten Kursziel im Bereich von rund 72 Euro. Ohne diesen Ausbruch bleibt die Aktie vorerst richtungslos.

BASF im Wochenchart. Quelle: eToro

Darauf sollten Anleger achten

Die Entwicklung der Öl- und Energiepreise bleibt der zentrale Kostentreiber für BASF. Eine Deeskalation im Nahen Osten und damit verbunden niedrigere Ölpreise wären aktuell besonders wichtig. Anleger sollten zudem den Fortschritt beim Kostensenkungsprogramm in Europa genau verfolgen und darauf achten, wie sich die Margen entwickeln und ob sich die Profitabilität verbessert. Auch die Umsetzung von Portfolio-Maßnahmen, etwa Abspaltungen oder der geplante IPO der Agrarsparte, bleibt ein wichtiger Faktor. Aus technischer Sicht kann die Seitwärtsphase erst beendet werden, wenn auch die fundamentale Perspektive weiteren Rückenwind liefert.

 

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