Wir befinden uns in einer der wichtigsten Wochen der Berichtssaison. Der Blick richtet sich dabei auf US-Tech-Giganten wie Apple, Meta, Microsoft und Tesla. Zusammen bringen sie über 16 Prozent des S&P 500 auf die Waage, alle vier legen ihre Zahlen innerhalb von nur zwei Tagen vor. Entsprechend groß ist ihr Einfluss auf den Gesamtmarkt.
Auch deutsche Unternehmen legen Zahlen vor
SAP berichtet ebenfalls in dieser Woche. Im Vergleich zu den US-Tech-Giganten ist der Softwarekonzern zwar deutlich kleiner, bleibt aber der zweitgrößte Tech-Wert Europas nach ASML und hat ein Indexgewicht von über 10 Prozent im DAX.
KI-Monetarisierung
An der Börse zählt vor allem der Blick nach vorn. Erwartungen, Visionen und Wachstumsperspektiven stehen im Mittelpunkt. Unternehmen müssen Investoren immer wieder für neue Projekte und langfristige Strategien begeistern. Starkes Wachstum gibt es dabei selten umsonst. Es erfordert hohe Investitionen, vor allem im Bereich Künstliche Intelligenz.
Diese Investitionen sind entscheidend, um zukünftiges Wachstum abzusichern, drücken jedoch kurzfristig auf Margen und Gewinne. Entsprechend hoch sind die Erwartungen des Marktes an die Monetarisierung von KI. KI wird als zentraler Hebel für Wachstum gesehen, mit dem Potenzial, Geschäftsmodelle nachhaltig zu verändern.
Marge als Qualitätsmerkmal
Hohe Margen bedeuten starke Cashflows. Unternehmen können dadurch deutlich mehr in Zukunftsthemen wie KI, Cloud oder E-Mobilität investieren und sind weniger auf externe Finanzierung angewiesen. Das senkt die Risiken, vor allem in schwächeren Marktphasen.
Kommt Gegenwind auf, wirken hohe Margen wie ein Stoßdämpfer. Preise lassen sich eher anpassen, Kostensteigerungen besser abfedern und Gewinne brechen nicht sofort ein. Genau das macht Geschäftsmodelle robuster.
Hohe Margen schaffen Vertrauen, Enttäuschungen fallen meist weniger heftig aus und die Gefahr von starkem Verkaufsdruck bei kleineren Rückschlägen ist geringer. Hinzu kommt die Preissetzungsmacht. Unternehmen mit hohen Margen verfügen oft über starke Marken oder technologische Vorteile. Sie sind weniger austauschbar, genau das macht sie langfristig wertvoll.
Bewertung verbessert die Vergleichbarkeit
Microsoft und Meta stechen positiv hervor. Beide überzeugen mit sehr hohen Margen (46 % bzw. 43 %) bei einer vergleichsweise moderaten Bewertung (Forward-KGV 28,0 bzw. 22,6). Apple bleibt ein Qualitätswert, kommt aber mit einer höheren Bewertung daher. Zwar ist die Marge mit 32 Prozent für ein Unternehmen dieser Größe mehr als solide, das Forward-KGV von 30,0 liegt jedoch über dem von Microsoft und Meta.
SAP kann mit einer Marge von 27,4 Prozent nicht ganz mithalten, liegt bei der Bewertung mit einem Forward-KGV von 30,2 jedoch nahe an Apple. Tesla ist der große Ausreißer. Ein extrem hohes Forward-KGV von 230,4 trifft auf eine sehr niedrige Marge von nur 5 Prozent.
Charts für das Timing nutzen
Für langfristige Anleger stehen Fundamentaldaten und die Story klar im Vordergrund. Der Chart dient vor allem dem Timing, nicht der grundsätzlichen Investmententscheidung.
Der Abstand zum Rekordhoch liefert dabei eine gute Orientierung für die Markteinschätzung. Ein Rückgang von 10 bis 20 Prozent gilt als klassische Korrektur und kann häufig chancenreich sein. Bei 20 bis 30 Prozent beginnt der Markt, die Story zunehmend kritisch zu hinterfragen. Ab 30 bis 40 Prozent werden meist strukturelle Probleme eingepreist.
Entscheidend ist dabei nicht nur die Höhe des Rückgangs, sondern vor allem dessen Dauer. Nachhaltige Verluste ohne längere Erholungsphasen sind ein klares Warnsignal und deuten eher auf strukturelle Schwächen hin. SAP befindet sich aktuell in einem deutlich sensibleren Bereich als die genannten US-Tech-Werte.

Abstand zum Rekordhoch. Quelle: TIKR
Qualität, Cashflow und Margen
Meta und Microsoft bieten aktuell die beste Balance aus Qualität und Bewertung. Apple und SAP müssen hingegen konsequent starke operative Ergebnisse liefern, um ihre höheren Bewertungen zu rechtfertigen. Tesla bleibt eine Hochrisiko-Wette mit kaum Puffer für Enttäuschungen. Je höher die Bewertung bei gleichzeitig niedriger Marge, desto größer das Risiko. Qualität, Cashflow und Margen bleiben für Anleger der beste Schutz.
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