Arbeitsmarkt und Inflation: Die entscheidenden Daten für die Jahresendrally

Die Märkte haben die Fed-Updates der vergangenen Woche zwar verdaut, doch damit ist es längst nicht getan. Schon in dieser Woche werden die Einschätzungen der US-Notenbank erneut auf die Probe gestellt. Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten stehen an. Beide Datenpunkte könnten die Zinserwartungen erneut verschieben. Entscheidend wird nicht nur sein, wie die Daten ausfallen, sondern auch, wie sie interpretiert werden. Davon hängt ab, ob der Aktienmarkt zum Jahresende noch einmal einen Renditeboost bekommt oder nicht.

Neue Prognosen

Die Dezember-Projektionen geben einen klaren Einblick, wie die Fed die wirtschaftliche Lage aktuell bewertet. Zwar ist der Ausblick nicht in Stein gemeißelt, doch für Anleger bleibt er ein zentraler Orientierungspunkt. Auffällig sind die Anpassungen für 2026. Die Wachstumsprognose wurde deutlich angehoben, von 1,8 Prozent auf 2,3 Prozent. Gleichzeitig dürfte die Kerninflation schneller zurückgehen und im kommenden Jahr bei 2,5 Prozent liegen, damit aber weiterhin über dem Fed-Ziel. Die Arbeitslosenquote soll weiterhin leicht auf 4,4 Prozent sinken. Die neuen Daten werden zum Härtetest dafür, ob die Fed-Projektionen realistisch sind. Gleichzeitig können sie Zinserwartungen, Risikoappetit und Marktvolatilität sofort verändern.

Arbeitsmarkt schwächelt

Der US-Arbeitsmarkt ist zwar nicht eingebrochen, zeigt aber seit Monaten eine anhaltende Schwäche. Das untermauern auch die jüngsten ADP-Daten. Private Unternehmen strichen im November rund 32.000 Stellen. Powell betonte jedoch, dass die Fed bereits genug getan habe, um den Arbeitsmarkt zu stabilisieren. Er sieht daher keinen Bedarf für eine aggressive Lockerung. Eine moderate Abkühlung ist für die Fed sogar willkommen. Ein etwas schwächerer Arbeitsmarkt bedeutet weniger Lohndruck und unterstützt den disinflationären Trend.

Inflation noch zu hoch

Für die Märkte wirkt die Inflation heute deutlich weniger bedrohlich als zu Beginn von Trumps Zolldrohungen. Ganz verschwunden ist das Thema aber nicht, es ist lediglich in den Hintergrund gerückt. Bisher haben die US-Zölle jedoch keinen neuen Inflationsschub ausgelöst. Trotzdem bleibt die Teuerung zu hoch, die Inflationsbekämpfung ist also noch nicht abgeschlossen. In den letzten Monaten war der Weg etwas holprig. Die Kerninflation bleibt hartnäckig. Die Core PCE Inflation lag im September bei 2,8 Prozent, im April zeitweise bei 2,6 Prozent.

Marktszenarien

Solange die Inflation weiter fällt und der Arbeitsmarkt stabil bleibt, zeigt sich das Marktumfeld freundlich. Eine dovishe Fed und ein disinflationärer Trend schaffen grundsätzlich gute Voraussetzungen für eine weitere Aktienrally. Eine sinkende Inflation könnte vor allem Tech- und Growth-Werte unterstützen, wobei Gold insbesondere von fallenden Realzinsen profitiert. Zum Growth-Segment zählen auch Bereiche wie Biotech oder erneuerbare Energien. Eine hartnäckige Inflation würde die Fed hingegen zu einer vorsichtigeren und abwartenderen Haltung zwingen. Zölle, Energiepreise und eine starke Konsumnachfrage könnten den Disinflationsprozess jederzeit bremsen. Ein abkühlender, aber nicht kollabierender Arbeitsmarkt würde dennoch positiv für Aktien bleiben, denn weniger Lohndruck bedeutet geringeren Inflationsdruck und damit mehr Spielraum für Zinssenkungen im Jahr 2026.

Datenabhängigkeit

Das Marktszenario bleibt stark datengetrieben. Schwächere Konjunkturdaten erhöhen die Wahrscheinlichkeit für zusätzliche Zinssenkungen, stärkere Daten verringern sie. Problematisch wird es vor allem dann, wenn die veröffentlichten Zahlen deutlich von den Erwartungen abweichen.

Jahresendrally

Selbst wenn die Aktienmärkte zum Jahresende nicht mehr in den Rallymodus schalten, wäre das kein Warnsignal. Denn Indizes wie der S&P 500 und der DAX steuern souverän auf ihr drittes Gewinnjahr in Folge zu. Besonders der deutsche Leitindex sticht hervor. Mit einem Plus von rund 21 Prozent lässt er das US-Börsenbarometer klar hinter sich.

Noch beeindruckender präsentiert sich Gold. Das Edelmetall glänzt mit einer Rally, die fast dreimal so stark ausfällt wie die DAX-Performance. Weniger glänzend sieht es im Kryptomarkt aus. Nach einem bisher schwachen vierten Quartal wirkt das Segment angeschlagen und könnte Unterstützung gut gebrauchen. Doch gerade solche Marktphasen haben in der Vergangenheit immer wieder Chancen für langfristig orientierte Anleger eröffnet.

 

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