Der Ausverkauf der Netflix-Aktie hatte sich in der vergangenen Woche zwischenzeitlich beschleunigt. Der Markt bestraft Netflix dabei nicht für schwache Zahlen, sondern vor allem wegen der hohen Investitionsintensität und dem möglichen Margendruck.
Gleichzeitig ist die Warner-Bros.-Übernahme strategisch motiviert, nicht defensiv. Der Vorstand von Warner Bros. hat dem Deal bereits zugestimmt, die Zustimmung der Aktionäre steht noch aus.
Dank der hohen Margen verfügt Netflix jedoch über den finanziellen Spielraum, diese Strategie umzusetzen. Damit steigt allerdings auch die Messlatte. Der Markt erwartet, dass sich die Investitionen mittelfristig auszahlen.
Solide Zahlen, aber steigender Kostendruck
Die Q4-Zahlen, die Netflix in der vergangenen Woche vorgelegt hat, fielen insgesamt solide aus. Dennoch geriet die Aktie erneut unter Druck, da der Ausblick vorsichtiger formuliert wurde und steigende Kosten in den Fokus rückten.
Es ist vor allem der deutlich höhere Kostenaufwand, der viele Anleger skeptisch macht. Netflix plant, die Content-Ausgaben für Filme und Serien um 10 Prozent zu erhöhen. Bereits im vergangenen Jahr investierte das Unternehmen rund 18 Milliarden US-Dollar in Inhalte. Zusätzlich belastet der Warner-Bros.-Deal. Aktienrückkäufe werden pausiert, um Liquidität für die Übernahme zu sichern.
Wachstumsoffensive und strategische Investitionen
Gleichzeitig investiert Netflix gezielt in seine Zukunft. Der Fokus liegt auf Premium-Content, dem Ausbau von Live-Events und Games sowie auf einer neuen Mobile-UI. Das überarbeitete App-Design soll die Nutzung auf mobilen Geräten vereinfachen, die Nutzerbindung erhöhen und die Verweildauer steigern.
Ein zentraler Baustein der Strategie ist die Warner-Bros.-Übernahme, mit der Netflix seine IP-Bibliothek massiv erweitern könnte. Durch den Zukauf von Film- und Serienrechten sowie bekannten Marken würde das Content-Angebot deutlich wachsen. Besseres Nutzererlebnis plus mehr Inhalte sollen langfristig zu mehr Abonnenten und höheren Umsätzen führen.
Trotz der kurzfristigen Belastungen bleibt die fundamentale Entwicklung stark. Netflix zählt inzwischen 325 Millionen Abonnenten, der Umsatz stieg 2025 um 16 Prozent. Werbung sowie Preiserhöhungen wirken als zusätzliche Wachstumstreiber. Für 2026 stellt das Management ein Umsatzwachstum von bis zu 14 Prozent bei einer operativen Marge von rund 31,5 Prozent in Aussicht – trotz der hohen Investitionen.
Der Bieterwettkampf um Warner Bros. ist faktisch entschieden. Netflix bietet 27,75 US-Dollar je Aktie in bar. Der Warner-Bros.-Vorstand hat dem Deal einstimmig zugestimmt. Paramount Skydance gilt als geschlagen, solange kein deutlich höheres Angebot vorgelegt wird. Die Chancen, dass die Warner-Bros.-Aktionäre den Netflix-Deal ablehnen, werden als gering eingeschätzt. Warner Bros. bringt eine der wertvollsten Film- und TV-Bibliotheken der Welt ein, darunter HBO, CNN und zahlreiche Klassiker.
Netflix spielt damit offensiv auf Marktführerschaft, nicht auf kurzfristige Gewinnmaximierung. Der Markt bleibt dennoch gespalten. Optimisten sehen Netflix, das seinen Vorsprung weiter ausbaut und zementiert. Skeptiker fokussieren sich auf steigende Kosten und kurzfristigen Margendruck.
Vertretbare Bewertung
Mit einem Forward-KGV von 27,6 bewegt sich Netflix in einem vertretbaren Bewertungsrahmen. Das Unternehmen ist profitabel, Wachstum ist eingepreist, aber nicht überzogen. Solange Netflix Gewinne liefert und seine Margen hält, bleibt die Investment-Story intakt.
Apple (30,0) und Amazon (32,1) sind höher bewertet, tragen ihre Ergebnisse jedoch aus anderen Segmenten als dem Streaming-Geschäft. Beide sind daher nur eingeschränkt mit Netflix vergleichbar, da sie zusätzliche Ergebnisrisiken außerhalb des reinen Streaming-Modells haben.
Disney wirkt mit einem Forward-KGV von 16,8 niedrig bewertet, leidet jedoch unter einer deutlich geringeren Profitabilität (dazu gleich mehr).
Der strukturelle Unterschied im Sektor wird besonders im Vergleich mit Warner Bros. deutlich. Das negative Forward-KGV von −162,2 signalisiert, dass in den nächsten zwölf Monaten kein Gewinn erwartet wird. In den letzten acht Quartalen schrieb Warner siebenmal Verluste. Die Q4-Zahlen am 26. Februar werden daher mit hohen Erwartungen verfolgt.

Quelle: TIKR
Marge überzeugt
Netflix ist mit einer Marge von 29,5 Prozent der Profitabilitäts-Leader im Streaming-Bereich (auf Basis der letzten zwölf Monate). Damit liegt Netflix etwa 60 Prozent über dem Branchendurchschnitt von 18,5 Prozent.
Nur Apple erreicht mit 32,0 Prozent eine noch höhere Marge, ist jedoch kein klassischer Streaming-Anbieter. Walt Disney (14,9 %) und Amazon (11,4 %) liegen deutlich darunter, während Warner Bros. (4,6 %) zeigt, wie schwierig nachhaltige Profitabilität im Streaming-Geschäft ist.
Damit weist Netflix im Vergleich die höchste operative Effizienz im Streaming-Sektor auf. Die Zahlen unterstreichen die starke Preissetzungsmacht des Unternehmens. Dank der hohen Marge verfügt Netflix über finanziellen Spielraum, um Investitionen in Content und Wachstum deutlich leichter zu finanzieren.
Gleichzeitig setzt diese hohe Marge die Messlatte sehr hoch. Anleger könnten entsprechend sensibel auf Veränderungen im Marktumfeld reagieren. Sinkende Margen wären daher ein frühes Warnsignal für die Netflix-Story.

Quelle: TIKR
Ausverkauf vorerst gestoppt
Die Netflix-Aktie hat eine sehr volatile Woche hinter sich. Zunächst beschleunigte sich der Ausverkauf. Zeitweise rutschte die Aktie um fast 9 Prozent auf 80,26 US-Dollar ab.
Im späteren Wochenverlauf setzte eine Erholung ein, wodurch der Wochenverlust auf rund 2 Prozent begrenzt werden konnte. Netflix schloss die Woche bei 86,12 US-Dollar. Durch den kurzfristigen Rücksetzer kam es zudem zu einem Fehlausbruch unter die Tiefs vom Januar und April 2025.
Gleichzeitig wurde eine wichtige Unterstützungszone (Fair Value Gap) zwischen 79,72 und 80,81 US-Dollar erfolgreich verteidigt. Fair Value Gaps stehen für Ineffizienzen im Markt. Der lange untere Schatten der Wochenkerze sowie die Verteidigung dieser Zone sprechen für eine mögliche Stabilisierung.
Anleger sollten in den kommenden Wochen auf weitere Bestätigungssignale achten, etwa auf eine Abfolge von höheren Hochs und höheren Tiefs, die auf die Entstehung eines neuen Aufwärtstrends hindeuten könnte. Der Abstand zum Rekordhoch beträgt aktuell rund 36 Prozent.

Netflix im Wochenchart. Quelle: eToro
Mehrere Schlüsselfaktoren
Anleger sollten zunächst auf die technische Entwicklung achten, also darauf, ob sich die Aktie nach der starken Gegenbewegung stabilisiert und in den kommenden Wochen ein zunehmendes Käuferinteresse zeigt. Entscheidend sind zudem die Entwicklung der operativen Marge, der Erfolg der höheren Content-Ausgaben sowie Fortschritte im Werbegeschäft. Auch der regulatorische Verlauf des Warner-Bros.-Deals bleibt ein zentraler Faktor.
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