Für viele Investoren steht Broadcom sinnbildlich für das nächste Kapitel der KI-Story. Am Mittwoch nachbörslich stehen neue Zahlen an. Während Nvidia für viele die Rechenleistung liefert, gewissermaßen das „Gehirn“, besteht ein KI-Rechenzentrum aus weit mehr als nur Chips. Broadcom liefert einen großen Teil der Infrastruktur, also das „Nervensystem“, das die Rechenleistung überhaupt erst skalierbar und effizient nutzbar macht.
Kampf um Infrastruktur-Kontrolle
Ohne leistungsfähige Netzwerke lässt sich KI nicht sinnvoll betreiben. Nvidia und Broadcom sind daher keine klassischen Konkurrenten wie Coca-Cola und Pepsi. Sie ergänzen sich, auch wenn es in strategischen Wachstumsfeldern Überschneidungen gibt.
Broadcom entwickelt maßgeschneiderte KI-Beschleuniger, sogenannte ASICs, für Hyperscaler wie Google, Meta, OpenAI, Anthropic oder ByteDance. Diese Unternehmen wollen unabhängiger von Nvidia werden, Kosten senken und Chips exakt auf ihre eigenen Workloads zuschneiden. Langfristig geht es um die Kontrolle der Infrastruktur. In diesem Bereich gilt Broadcom mit einem geschätzten Marktanteil von 70–80 Prozent als führender Partner.
Die Monetarisierung zählt
KI-Investitionen sind extrem kapitalintensiv. KI ist längst kein Experiment mehr, sondern generiert reale Umsätze und Gewinne. Die Monetarisierung läuft. Dennoch ist noch nicht bewiesen, wie stabil und nachhaltig die Renditen über fünf bis zehn Jahre hinweg sein werden. Ein KI-Investment bleibt also mit Risiken verbunden.
Hyperscaler verfügen über enorme Preisdurchsetzungsmacht. Doch auch diese ist nicht grenzenlos. Open-Source-Modelle, sinkende Kosten durch Custom-Chips oder regulatorische Eingriffe könnten mittelfristig Druck auf Margen ausüben.
Extrem hohe Margen
KI ist eine strukturelle Revolution. Aber selbst strukturelle Trends verlaufen an der Börse nicht linear. Das haben zuletzt die Nvidia-Zahlen gezeigt. Ergebnis und Ausblick übertrafen die Erwartungen, dennoch blieb die große Euphorie aus. Gute Zahlen allein garantieren keine starken Kursgewinne.
Kurzfristig hat Nvidia bei der Kursentwicklung die Nase vorn. In den vergangenen drei Monaten legte die Aktie um 0,1 Prozent zu, während Broadcom im gleichen Zeitraum etwa 20,7 Prozent verlor. Auf Sicht von zwölf Monaten zeigt sich ein anderes Bild, wenn auch knapp. Broadcom kommt auf ein Plus von rund 62 Prozent, Nvidia auf etwa 47 Prozent.
Bewertungstechnisch ist Broadcom derzeit höher eingestuft. Das Forward-KGV liegt bei 31,0, während Nvidia auf 22,5 kommt. Bei der Profitabilität liegt hingegen Nvidia vorn. Die durchschnittliche EBIT-Marge der vergangenen zwölf Monate beträgt 58,8 Prozent, Broadcom erreicht 41,3 Prozent. In der Kombination aus Marge und Bewertung wirkt Nvidia derzeit etwas attraktiver, wobei das nur ein Ausschnitt der Gesamtanalyse ist.
Hält die Abfangzone?
Charttechnisch notiert Broadcom rund 21 Prozent unter dem Allzeithoch und damit offiziell im Bärenmarkt. Seit Ende 2021 bewegten sich größere Korrekturen in einer Größenordnung von 30 bis 45 Prozent. Aktuell bewegt sich die Aktie im Bereich eines Fair Value Gaps zwischen 310 und 323 US-Dollar, das zunächst als Abfangzone fungieren könnte. Hält diese, wäre eine Bewegung in Richtung Rekordhoch möglich. Fällt die Aktie nachhaltig darunter, könnte der Bereich um 260 US-Dollar ins Spiel kommen.

Broadcom im Wochenchart. Quelle: eToro
Europas Abhängigkeit
Für Europa und insbesondere Deutschland hat der US-Tech-Vormarsch spürbare Auswirkungen. Europa ist stark abhängig von High-End-Chips aus den USA, eigene Produktionskapazitäten im Spitzenbereich sind begrenzt. Die KI-Transformation der deutschen Industrie wird maßgeblich von der US-Technologie- und Exportpolitik beeinflusst.
Die moderne Industrie basiert zunehmend auf KI, von autonomen Systemen über Robotik bis hin zur Fertigungsoptimierung. Wird der Zugang zu Hochleistungschips eingeschränkt oder verteuert, steigen die Kosten, die Innovationsgeschwindigkeit sinkt und es droht ein Standortnachteil.
Wirtschaftliche Verflechtung
Gleichzeitig ist die Abhängigkeit nicht einseitig negativ. Die deutsche Industrie ist ein wichtiger Absatzmarkt für US-Technologie. Die enge wirtschaftliche Verflechtung kann stabilisierend wirken und transatlantische Kooperationen schaffen Innovationsvorteile.
Diese Mitteilung dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken und darf nicht als Anlageberatung, persönliche Empfehlung oder als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten verstanden werden. Dieses Material wurde ohne Berücksichtigung der spezifischen Anlageziele oder der finanziellen Situation eines bestimmten Empfängers erstellt. Es entspricht nicht den gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen zur Förderung unabhängiger Analysen. Jegliche Hinweise auf die vergangene oder zukünftige Performance eines Finanzinstruments, Index oder eines Anlageprodukts sind keine verlässlichen Indikatoren für zukünftige Ergebnisse und dürfen daher nicht als solche betrachtet werden. eToro übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit oder Vollständigkeit des Inhalts dieser Veröffentlichung und schließt jegliche Haftung dafür aus.
