Die Mercedes-Benz-Aktie pendelt seit Jahresbeginn zwischen Gewinnen und Verlusten. Unterm Strich steht am Mittwoch ein Minus von rund 2 Prozent. Nach den jüngst vorgelegten Quartalszahlen und dem neuen Ausblick reagierte der Markt zunächst verschnupft – die Aktie wurde abverkauft. Doch der Rücksetzer hielt nicht lange: Der Dip wurde zügig gekauft. Offenbar sind Anleger weniger pessimistisch, als die erste Kursreaktion vermuten ließ.
China bleibt die zentrale Problemzone
Mercedes-Benz steuert 2026 auf ein schwieriges Jahr zu. Die Margen bleiben unter Druck, die bereinigte Umsatzrendite im Pkw-Geschäft soll nur noch zwischen 3 und 5 Prozent liegen. Der Absatz in China ist im vergangenen Jahr um rund 20 Prozent eingebrochen. Gleichzeitig wird die Dividende von 4,30 Euro auf 3,50 Euro je Aktie gekürzt. Die Profitabilität schwächt sich ab, China bleibt die zentrale Problemzone. Die niedrigere Ausschüttung signalisiert Vorsicht und den Fokus auf Kapitalerhalt.
Strategisch reagiert der Konzern mit einem klaren Sparkurs. Kosten sollen deutlich gesenkt und die Produktionskapazität um mehr als 10 Prozent auf 2,2 Millionen Fahrzeuge reduziert werden. Gleichzeitig hält Mercedes-Benz an der Upmarket-Strategie fest und setzt stärker auf höherpreisige Modelle. Neue Fahrzeuge speziell für China sollen verlorenes Terrain zurückgewinnen. Der Konzern verschlankt sich – aus einer Position des Anpassungsdrucks heraus. Die Luxusstrategie verspricht zwar höhere Margen, macht das Unternehmen jedoch anfälliger für eine schwächelnde Nachfrage.
Der Wettbewerbsdruck in China ist enorm. Hersteller wie BYD oder Xiaomi drängen mit technologisch starken und preislich attraktiven Elektroautos auf den Markt. Internationale Anbieter verlieren Marktanteile. Es zeichnet sich eine strukturelle Verschiebung zugunsten chinesischer Hersteller ab. Selbst im Premiumsegment geraten die Margen zunehmend unter Druck. Das China-Risiko bleibt damit ein zentraler Bewertungsfaktor.
Teilverkauf von Daimler-Truck-Aktien?
Zusätzlich plant Mercedes-Benz den Teilverkauf seines rund 35-prozentigen Anteils an Daimler Truck im Wert von etwa 12 Milliarden Euro. Der Erlös soll an die Aktionäre zurückfließen. Details folgen im Mai. Die Maßnahme stärkt die Kapitalbasis und schärft den Fokus auf das Kerngeschäft mit Pkw und Vans. Gleichzeitig zeigt sie: Liquidität hat Priorität, die operative Lage bleibt angespannt. Kurzfristig wirkt der Kapitalrückfluss stützend, strategisch ist der Schritt defensiv motiviert.
Unterm Strich befindet sich Mercedes-Benz 2026 im Konsolidierungsmodus: sinkende Margen, hoher China-Druck, Kostensenkungen, Kapazitätsabbau, Dividendenkürzung und Asset-Verkäufe zur Stabilisierung der Bilanz.
Bewertung: Solides Mittelfeld
Mercedes-Benz bewegt sich mit einem Forward-KGV von 9,3 im soliden Branchenmittelfeld, nahezu auf Augenhöhe mit BMW (8,9) und Ford (9,2). Günstiger bewertet sind General Motors (6,5) und vor allem Volkswagen (4,6). Doch ein besonders niedriges KGV ist nicht automatisch ein Schnäppchen, sondern oft Ausdruck von Skepsis. Bei VW spiegeln sich darin die strukturellen Herausforderungen wider.
Im Vergleich zu BYD (11,0) und Toyota (12,3) ist Mercedes-Benz moderat niedriger bewertet, deutlich unter Porsche (22,9) und erst recht unter Tesla (202,9). Bei Tesla preist der Markt offenbar Zukunftsfantasie ein, die weit über das hinausgeht, was klassische Bewertungsmodelle derzeit rechtfertigen.
Marge: Unteres Mittelfeld
Die operative Marge von Mercedes-Benz lag in den vergangenen zwölf Monaten bei 5,0 Prozent. Damit nur noch im unteren Mittelfeld der Branche. Der Margendruck ist deutlich spürbar. 2023 lag die Marge mit 11,5 Prozent noch mehr als doppelt so hoch.
Im Vergleich schneidet Mercedes schwächer ab als BMW (7,2 Prozent) und Toyota (8,5 Prozent). Auf ähnlichem Niveau bewegen sich Audi (5,8 Prozent), GM (6,2 Prozent), Tesla (4,6 Prozent) und die Porsche AG (4,5 Prozent).
Deutlich profitabler ist BYD. Der chinesische E-Autobauer erzielt mit 21,4 Prozent eine mehr als viermal so hohe Marge. Ford hingegen rutscht mit minus 0,3 Prozent leicht in die Verlustzone und arbeitet operativ derzeit nicht profitabel.
BYD und Toyota schneiden am besten ab
In diesem Vergleich bieten BYD und Toyota derzeit die überzeugendste Kombination aus Bewertung und Profitabilität. BMW präsentiert sich ebenfalls solide und ausgewogen. Mercedes-Benz rangiert im Mittelfeld, weder besonders niedrig bewertet noch außergewöhnlich margenstark. Bei Tesla hingegen dominiert vor allem die Wachstumsfantasie. Der Markt setzt hier stärker auf Zukunftspotenzial als auf aktuelle Ertragskraft.
Unterstützung hat zweimal gehalten
Die Mercedes-Benz-Aktie bewegt sich seit mehreren Wochen in einer Seitwärtsphase und pendelt um die Marke von 58 Euro. Das Chartbild ist geprägt von Kerzen mit langen oberen und unteren Schatten – ein Zeichen für Unsicherheit und fehlende klare Richtung.
Sowohl in der vergangenen Woche als auch bereits im Januar wurde die mittelfristige Unterstützungszone (Fair Value Gap) zwischen 54,46 und 55,56 Euro verteidigt. Aktuell notiert die Aktie rund 6 Prozent unter dem Jahreshoch, nachdem der Abstand zwischenzeitlich doppelt so groß war. Damit rutschte der Kurs kurzzeitig in eine technische Korrektur, ab einem Rückgang von 10 Prozent spricht man offiziell davon.
Auf der Oberseite wirkt der Widerstand bei 61,93 Euro, dem Hoch aus Februar 2025, weiterhin bremsend. Solange die Unterstützung hält, bleibt ein erneuter Test dieser Marke möglich. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber könnte Potenzial in Richtung 66 Euro und später 75 Euro freisetzen.
Sollte die Aktie hingegen nach unten durchrutschen, findet sich die nächste stärkere Unterstützung erst im Bereich um 50 Euro. Dort wurde 2023 ein Doppelboden ausgebildet, 2025 wurde diese Zone jeweils nur kurzfristig unterschritten.

Mercedes-Benz im Wochenchart. Quelle: eToro
Neue Offensive
Mercedes-Benz steckt operativ im Anpassungsmodus: Margendruck, China-Schwäche und Kostensenkungen prägen das Bild. Die Bewertung wirkt moderat, echte Wachstumsimpulse fehlen jedoch bislang. Charttechnisch bleibt die Aktie in einer Seitwärtsphase gefangen. Entscheidend wird, ob Strategie, Modelloffensive und China-Offensive greifen – sonst droht weiteres Abwärtspotenzial.
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