Die Aktie von MTU Aero Engines (MTX) lag am Dienstag nach der ersten Handelsstunde mehr als 5 Prozent im Minus. Im weiteren Verlauf konnte sich der Kurs jedoch etwas stabilisieren. Auslöser war ein schwächer als erwarteter Free Cashflow. Sowohl für das vierte Quartal als auch für den Ausblick 2026 hatten die Märkte höhere Erwartungen. Anleger reagierten zunächst mit Verkäufen. Operativ präsentiert sich MTX dennoch stabil und langfristig bleibt die Wachstumsstory intakt.
Sorgen um den Cashflow
Die Zahlen für 2025 fielen stark aus. Der Umsatz stieg um 16 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT sogar um 29 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro. Die operative Marge verbesserte sich von 14,0 auf 15,5 Prozent, der Nettogewinn erreichte mit 968 Millionen Euro ein neues Rekordniveau.
MTX wächst damit nicht nur, sondern steigert überproportional die Profitabilität. Die Margenausweitung unterstreicht operative Stärke und eine solide Preissetzungsmacht. Die eigenen, bereits angehobenen Prognosen wurden erfüllt, die Analystenerwartungen übertroffen. Das spricht für hohe Visibilität im Geschäft und diszipliniertes Kostenmanagement.
Auch der Ausblick für 2026 signalisiert Kontinuität. Der Umsatz soll auf 9,2 bis 9,7 Milliarden Euro steigen, das bereinigte EBIT auf 1,35 bis 1,45 Milliarden Euro. MTX bleibt damit trotz branchenspezifischer Herausforderungen auf Wachstumskurs.
Die Dividende wird deutlich auf 3,60 Euro je Aktie angehoben (Vorjahr: 2,20 Euro). Das ist ein Zeichen dafür, dass MTX die finanziellen Belastungen aus dem Getriebefan-Rückruf operativ verkraftet hat. Eine vollständige Entwarnung ist damit jedoch nicht verbunden. Der Rückruf des PW1100G-JM-Triebwerks von Pratt & Whitney – das vor allem die Airbus-A320neo-Familie betrifft – ist noch nicht abgeschlossen. MTX ist mit 18 Prozent an dem Programm beteiligt, weitere Kosten oder Verzögerungen sind daher nicht ausgeschlossen.
Am Markt standen jedoch weniger Umsatz oder Gewinn im Fokus, sondern vielmehr der Free Cashflow. Hier blieb MTX hinter den Erwartungen zurück und genau das sorgte am Dienstag für Druck auf die Aktie.
Militärsparte gewinnt an Bedeutung
MTX ist zwar vor allem im zivilen Geschäft aktiv, engagiert sich aber auch im militärischen Triebwerksbereich, etwa beim Eurofighter. Reine Rüstungskonzerne wie Rheinmetall, Lockheed Martin oder Northrop Grumman sind dagegen keine direkten Wettbewerber im zivilen Triebwerksbau. Die engsten börsennotierten Konkurrenten von MTX bleiben RTX, GE Aerospace, Safran und Rolls-Royce.
Auf den ersten Blick erscheinen höhere Militärausgaben für MTX nicht zwingend als Vorteil. Tatsächlich ist eher das Gegenteil der Fall.
Militärprogramme laufen häufig über Jahrzehnte. Für MTX bedeutet das langfristige Wartungs- und Serviceverträge – eine verlässliche Einnahmequelle, die in konjunkturell schwächeren Phasen stabilisierend wirkt. Das militärische MRO- und Ersatzteilgeschäft ist zudem oft margenstark. Bei MTX ist das Servicegeschäft ohnehin ein zentraler Ertragstreiber.
Hinzu kommt der Innovationsaspekt. Großprojekte wie das FCAS werden staatlich kofinanziert und treiben die technologische Entwicklung voran. FCAS ist das europäische Kampfflugzeug- und Luftkampfsystem der nächsten Generation. Die dort gewonnenen Erkenntnisse fließen oft später in zivile Programme ein. Mit steigenden Verteidigungsausgaben in Deutschland und Europa ist MTX als deutscher Triebwerksspezialist strategisch gut positioniert.
Das Militärgeschäft sorgt damit nicht nur für zusätzliche Umsätze, sondern auch für Diversifikation. Es reduziert die Abhängigkeit vom zyklischen zivilen Luftverkehr und stärkt die Stabilität des Geschäftsmodells.
MTX schneidet im Vergleich gut ab
Im Vergleich zu den wichtigsten Wettbewerbern ist MTX mit einem Forward-KGV von 21,3 am niedrigsten bewertet. Die internationalen Peers handeln mit deutlichen Aufschlägen. RTX ist mit 29,6 der einzige Wert unter der 30er-Marke. Safran liegt mit 34,2 im Mittelfeld, während Rolls-Royce (42,8) und GE Aerospace (45,6) mit besonders hohen Multiples nahezu doppelt so hoch bewertet werden wie MTX.
Bei den Margen (LTM EBIT Margin) fällt der Abstand deutlich geringer aus. Vier der fünf Unternehmen bewegen sich in einer Spanne zwischen 11,7 Prozent (RTX) und 16,3 Prozent (Rolls-Royce). MTX liegt mit 12,7 Prozent auf dem vorletzten Platz, Safran mit 14,6 Prozent im soliden Mittelfeld. GE Aerospace sticht mit einer Marge von 20,7 Prozent heraus und ist damit rund 60 bis 65 Prozent profitabler als MTX.
Wer die höchste Profitabilität sucht, findet sie bei GE, zahlt dafür jedoch einen hohen Preis. Wer hingegen Wert auf ein ausgewogenes Verhältnis von Bewertung und Profitabilität legt, könnte bei MTX aktuell eine attraktive Kombination sehen. Entscheidend bleibt, ob es gelingt, die Marge weiter auszubauen und den Cashflow nachhaltig zu stärken.
Rückschlag im Aufwärtstrend
Die MTX-Aktie hat seit Wochenbeginn über 7 Prozent verloren und notiert aktuell bei rund 370 Euro. Damit rückt die erste wichtige Unterstützungszone zwischen 358 und 371 Euro in den Fokus – ein Fair Value Gap, das im Januar als Sprungbrett für den Anstieg auf ein neues Rekordhoch diente.
Erst in der vergangenen Woche war der Kurs noch bis auf knapp 404 Euro gestiegen. Es war bereits der fünfte Versuch, das Juli-Hoch bei 395 Euro zu überwinden. Die Käufer blieben hartnäckig und konnten den übergeordneten Aufwärtstrend zunächst bestätigen.
Nun steht die Aktie vor einer Bewährungsprobe. In der genannten Unterstützungszone könnte sich der Kurs stabilisieren und einen Anlauf auf das neue Rekordhoch starten. Mögliche Kursziele ergeben sich aus den Fibonacci-Extensions bei 413 Euro (Abstand rund 12 %), 430 Euro (16 %), 455 Euro (23 %) und 487 Euro (32 %).
Hält die Zone nicht, rückt die nächste Unterstützung zwischen 338 und 346 Euro in den Blick. Ein Bereich, der bereits Anfang Dezember stärkere Verluste verhinderte. Sollte auch diese Marke fallen, wäre der langfristige Aufwärtstrend gefährdet.
Entscheidend ist nun die Reaktion auf die erste Unterstützungszone. Insbesondere, ob sie im Wochenchart per Schlusskurs verteidigt werden kann.

MTX im Wochenchart. Quelle: eToro
Mehr Aufwärtspotenzial?
MTX überzeugt operativ mit starkem Wachstum, steigenden Margen und einer soliden Perspektive. Der Kursrückgang spiegelt vor allem kurzfristige Cashflow-Bedenken wider, nicht strukturelle Schwächen. Die moderate Bewertung und das an Bedeutung gewinnende Militärgeschäft sprechen mittelfristig für die Aktie. Kurzfristig könnte die Charttechnik den Ton angeben, langfristig bleiben Margenentwicklung und Cashflow der entscheidende Schlüssel für weiteres Aufwärtspotenzial.
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