RWE setzt auf KI-Strombedarf, doch die Marge hinkt hinterher

Die RWE-Aktie hat sich seit Anfang 2025 mehr als verdoppelt. Gleichzeitig investiert der Konzern weiterhin massiv in den Ausbau und die Weiterentwicklung neuer Projekte. Die USA entwickeln sich dabei zu einem wichtigen Wachstumsmarkt, vor allem durch den steigenden Strombedarf rund um KI und Rechenzentren.

Langfristig muss sich diese Entwicklung auch in höheren Margen widerspiegeln. Aktuell liegt RWE hier noch deutlich hinter den Wettbewerbern zurück. Das Unternehmen steckt mitten in der Transformation und ist derzeit eher ein Baustellen-Case als ein Margen-Case. Entscheidend wird sein, dass die Profitabilität in den kommenden Jahren spürbar anzieht.

Stromerzeug wird gesteigert

RWE hat vergangene Woche die Zahlen für 2025 vorgelegt und die zeigen vor allem ein Jahr des Übergangs. Operativ bleibt das Geschäft stabil, die Stromerzeugung stieg um 3,9 Prozent auf 122 TWh. Zum Vergleich lag der gesamte Bruttostromverbrauch in Deutschland 2024 bei rund 464,4 TWh. Gleichzeitig investiert RWE kräftig in die Zukunft. Rund 10,8 Mrd. Euro fließen in den Ausbau, vor allem in erneuerbare Energien. Der Free Cash Flow liegt dadurch bei rund 5,5 Mrd. Euro im negativen Bereich. Das ist bewusst so gewählt, um langfristiges Wachstum zu sichern. Auch für Aktionäre bleibt das Bild solide. Die Dividende steigt um 9% auf 1,20 Euro. 

Normalisierung nach den Ausnahmejahren

Bei den Finanzkennzahlen zeigt sich die Normalisierung nach den Ausnahmejahren. Der Umsatz ging um 27,2 Prozent auf 17,6 Mrd. Euro zurück. Das EBITDA sank um 10,4 Prozent auf 5,1 Mrd. Euro. Der Gewinn lag bei 3,1 Mrd. Euro. Das Ergebnis je Aktie betrug 4,30 Prozent und lag damit deutlich unter dem Vorjahr. Auffällig ist, dass sich der Umsatz deutlich schwächer entwickelt als das operative Ergebnis. Das spricht für stabilere Margen. Der Hauptgrund liegt im Marktumfeld. Nach den außergewöhnlich starken Jahren 2022 und 2023 mit sehr hohen Energiepreisen kehrt RWE 2025 zu einem normaleren Preis und Margenniveau zurück. 2025 steht weniger für Schwäche als für einen Übergang. Weg von Sondereffekten hin zu nachhaltigem und investitionsgetriebenem Wachstum.

Die USA als wichtiger Wachstumsmarkt

RWE entwickelt sich zum Energiepartner für die KI-Ära, der volatile Erneuerbare mit verlässlicher Stromversorgung kombiniert. Bis 2031 plant das Unternehmen Investitionen von rund 35 Mrd. Euro. Etwa 17 Mrd. Euro davon fließen in die USA, den aktuell wichtigsten Wachstumsmarkt. Dort sind 15 neue Gaskraftwerke geplant mit einer Gesamtkapazität von rund 5 GW, davon sollen 3,5 GW bis 2035 ans Netz gehen. Parallel baut RWE weiterhin konsequent Wind-, Solar- und Batteriespeicher aus. Der Hintergrund ist klar. In den USA steigt die Stromnachfrage stark an, vor allem durch Rechenzentren und den KI-Boom. Der Bedarf verschiebt sich spürbar weg von rein erneuerbarer, schwankender Erzeugung hin zu verlässlicher Stromversorgung rund um die Uhr.

Strategiewechsel

Darauf reagiert RWE mit einem Strategiewechsel. Erneuerbare bleiben zentral, werden aber gezielt durch flexible Gaskraftwerke ergänzt. Der Grund liegt auf der Hand. Wind und Sonne liefern nicht konstant, Gas sorgt für Stabilität und Ausgleich. 2025 liegt der Anteil der Erneuerbaren bei rund 41 Prozent der Stromerzeugung. Gleichzeitig wird Kohle weiter zurückgefahren, während Gas als Übergangstechnologie an Bedeutung gewinnt. Auch bei der Kapitalallokation zeigt sich mehr Disziplin. Der ursprüngliche Investitionsplan wurde von 55 Mrd. Euro auf 35 Mrd. Euro reduziert. Gründe sind politische Unsicherheiten und eine vorsichtigere Einschätzung beim Thema Wasserstoff. Insgesamt wird deutlich, wie stark KI den Energiemarkt verändert. Die Stromnachfrage wächst strukturell und nicht nur zyklisch. Vor allem Rechenzentren treiben diese Entwicklung. Damit steigt der Bedarf an dauerhaft verfügbarer Energie und reine Renewables reichen allein nicht mehr aus.

Marge muss zukünftig deutlich anziehen

Ein Blick auf das Forward-KGV zeigt, wie der Markt die großen Versorger aktuell bewertet. RWE liegt bei 22,6 und damit auf einem ähnlichen Niveau wie NextEra mit 23,1. Iberdrola folgt mit 20,0 etwas darunter, während Enel mit 13,6 und Engie mit 14,7 deutlich niedriger bewertet sind. Die Bewertung von RWE signalisiert, dass Investoren dem Unternehmen weiterhin Wachstum zutrauen, insbesondere durch den Ausbau der erneuerbaren Energien und die starke Position im US-Markt. Unterm Strich wird RWE eher wie ein wachstumsorientierter Energieanbieter bewertet als wie ein klassischer Versorger.

Ein Blick auf die LTM EBIT-Marge zeigt deutliche Unterschiede in der Profitabilität der großen Versorger. RWE kommt auf 2,4 Prozent und liegt damit deutlich unter dem Niveau der Wettbewerber. Iberdrola erreicht 22,6 Prozent, Enel 18,1 Prozent und Engie 11,6 Prozent. Besonders hervor sticht NextEra mit einer Marge von 30,2 Prozent. Die vergleichsweise niedrige Marge bei RWE zeigt, dass sich das Unternehmen aktuell stark in der Investitions- und Transformationsphase befindet. Hohe Ausgaben für den Ausbau der erneuerbaren Energien sowie ein sich normalisierendes Marktumfeld drücken kurzfristig auf die Profitabilität.

Mittelfristig starke Kursentwicklung

Die RWE-Aktie legt in dieser Woche weiter zu und steigt um rund 2% auf über 58 Euro. Damit markiert sie erneut ein neues Hoch. Seit Jahresbeginn summiert sich das Plus bereits auf 28 Prozent, im vergangenen Jahr waren es sogar 62 Prozent. Der Aufwärtstrend bleibt intakt, was zunächst für weiter steigende Kurse spricht. Auch fundamental ist die Entwicklung gut untermauert. Gleichzeitig sollte man nicht übersehen, wie weit die Aktie bereits gelaufen ist. Seit über einem Jahr geht es mit nur kurzen Rücksetzern nahezu kontinuierlich nach oben. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit für eine stärkere Gegenbewegung. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Rückgänge in der Größenordnung von 20 Prozent bis 40 Prozent keine Seltenheit sind. Mögliche Anlaufzonen (Fair Value Gaps) bei einer Korrektur liegen im Bereich zwischen 48,70 Euro und 50,10 Euro, zwischen 47,00 Euro und 47,70 Euro sowie zwischen 44,70 Euro und 46,16 Euro. Ein Rücklauf zur 20-Wochen-Linie wäre ebenfalls gesund. Diese verläuft aktuell bei rund 49,50 Euro und liegt damit genau in der ersten Zone.  

RWE-Aktie im Wochenchart. Quelle: eToro

Langfristiges Wachstumspotenzial

RWE vereint starkes Wachstumspotenzial mit steigenden Anforderungen an die Profitabilität. Die laufende Transformation und die hohen Investitionen drücken kurzfristig auf die Margen, legen aber zugleich die Grundlage für zukünftige Erträge. Die Aktie befindet sich weiterhin in einem Aufwärtstrend, wirkt nach der starken Rally jedoch anfällig für zwischenzeitliche Korrekturen.

 

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