Stagflationsgefahr steigt: Was bedeutet das für DAX und Fed?

Inflation wird für die Märkte erneut zum zentralen Thema. Allerdings sind es diesmal weniger die befürchteten Zolleffekte, sondern vor allem die steigenden Ölpreise, die für Nervosität sorgen. Die Lage im Nahen Osten bleibt angespannt und hält das Energie-Thema präsent. Ein kurzfristiger Öl-Schock wäre noch verkraftbar. Sollte sich daraus jedoch eine dauerhafte Energiekrise entwickeln, würde das die Sorge vor einer Stagflation deutlich erhöhen. Umso wichtiger werden nun die kommenden Inflationszahlen.

Stagflationsrisiko steigt

Der Verkehr in der Straße von Hormus ist nahezu zum Erliegen gekommen. Gleichzeitig stieg der Preis für die Ölsorte Brent am Montag zeitweise auf über 119 US-Dollar. Im Anschluss setzte jedoch eine kurzfristige Gegenbewegung ein, sodass sich der Anstieg etwa halbierte und aktuell bei rund 15 Prozent liegt (rund 107 US-Dollar). Ein Fair Value Gap aus dem Jahr 2022 wurde dabei respektiert. Seit Monatsbeginn ergibt sich ein Plus von 47 Prozent, gegenüber dem Dezember-Tief beträgt der Anstieg sogar 82 Prozent.

Brent im Wochenchart. Quelle: TradingView

Fallen Öl- und Gaslieferungen aus, bleiben die Auswirkungen nicht auf den Energiesektor beschränkt. Produktions- und Transportkosten steigen, Verbraucherpreise ziehen spürbar an. Tankerversicherungen verteuern sich deutlich, Reedereien meiden die Route und Lieferketten geraten ins Stocken. Damit wächst das Risiko einer Stagflation, steigende Preise bei gleichzeitig schwächerer Konjunktur. Für die Notenbanken wäre dies ein äußerst schwieriges Szenario.

Die Woche der Inflationsdaten

In dieser Woche stehen in den USA gleich zwei wichtige Inflationsberichte an. Am Mittwoch wird der Verbraucherpreisindex (CPI) für Februar veröffentlicht, am Freitag folgt der PCE-Index für Januar. Die Daten werden das volle Ausmaß der jüngsten Ölpreisanstiege zwar noch nicht widerspiegeln, doch die Energiepreise ziehen bereits seit einiger Zeit an. Seit dem Dezember-Tief ist Brent um rund 80 Prozent gestiegen. Für die Fed sind vor allem die Kernraten entscheidend, also die Inflationsmaße ohne Energie und Lebensmittel. Zuletzt lag die Kernrate des CPI bei 2,5 Prozent, der Core PCE Price Index bei 3,0 Prozent. Damit ist der Kampf gegen die Inflation noch nicht abgeschlossen.

Kritisch wird es, wenn sich Zweitrundeneffekte bilden. Steigende Energiepreise könnten zu höheren Lohnforderungen führen, Unternehmen könnten Kosten breiter weitergeben und Inflationserwartungen anziehen. In diesem Fall würde der Energieschock auch die Kerninflation erfassen und die US-Notenbank deutlich stärker unter Druck setzen.

Wie steht es um den DAX?

Der DAX gilt als relativ öl-sensibel. Er ist stark industrie- und exportlastig und umfasst viele energieintensive Unternehmen. Besonders anfällig sind Branchen wie Chemie, Industrie und Bau sowie Logistik. Steigende Energie- und Transportkosten drücken hier direkt auf die Margen. Bei den Autoherstellern ist das Bild gemischt. Sie sind direkt durch höhere Produktionskosten betroffen und indirekt über eine mögliche Schwächung der Kaufkraft. In dieser Woche berichten Volkswagen, BMW und die Porsche AG. Anleger sollten genau verfolgen, wie die Unternehmen die Entwicklung am Ölmarkt bewerten.

Ein dauerhaft hoher Ölpreis wäre für den DAX tendenziell eine Belastung. Der S&P 500 ist anders strukturiert. Dort sind Energiewerte wie Exxon Mobil oder Chevron enthalten, und der Energiesektor ist seit Jahresbeginn mit einem Plus von rund 26 Prozent der stärkste Sektor. Für Europa kommt hinzu, dass ein stärkerer Dollar Energieimporte zusätzlich verteuert.

In Szenarien denken

In unsicheren Phasen geht es weniger um konkrete Prognosen und mehr um konsequentes Risikomanagement und Flexibilität. Die Hoffnung auf eine Begrenzung des Konflikts bleibt bestehen, doch das Risiko einer Blockade oder einer weiteren Eskalation ist real. Im ersten Szenario könnte sich der Ölpreis stabilisieren und eine stärkere Korrektur einleiten. Im zweiten Szenario droht eine dauerhafte Angebotsstörung, Ölpreise über 120 US-Dollar wären dann durchaus möglich.

Portfolio überprüfen

Langfristige Anleger müssen ihr Portfolio nicht komplett umkrempeln. Ein kritischer Blick auf die eigene Positionierung ist jedoch sinnvoll, insbesondere wenn sich die fundamentalen Rahmenbedingungen verändern. Entscheidend für die Märkte sind nun Signale, dass sich die Lage entspannt.

 

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