Die Wahrnehmung ändert sich mit dem Kurs – das gilt besonders für den Kryptomarkt. Was vor wenigen Monaten noch als viel zu teuer galt, erscheint heute plötzlich nicht mehr günstig genug. Anleger reagieren stark auf Stimmung und kurzfristige Bewegungen.
Steigt der Markt, wächst die Skepsis vor einem Rückschlag. Fällt er, wartet man auf noch tiefere Kurse. Kurzfristig dominiert oft die Unsicherheit, und damit das Zögern. Wer jedoch in Jahren statt in Wochen denkt und einer Strategie folgt, verbessert seine Erfolgschancen deutlich.
Marktpsychologie
Der Kryptomarkt ist besonders psychologisch getrieben. Hohe Volatilität verstärkt Angst und Euphorie. Das führt zu starken Rallys, panikartigen Verkäufen und abrupten Stimmungswechseln. Krypto-Zyklen verlaufen deshalb oft schneller, extremer und emotionaler als im Aktienmarkt.
Typisch ist ein wiederkehrendes Muster: Käufe nach starken Anstiegen, Verkäufe in Rückgängen. Wenn es fällt, erwartet man intuitiv: „Es fällt weiter.“ Der sogenannte Recency Bias kann solche Abwärtsspiralen zusätzlich verstärken. In Crashphasen verkaufen kurzfristige Holder überproportional, während langfristige Holder häufig beginnen, in Schwächephasen zu akkumulieren. Es ist ein Paradox. Die besten langfristigen Einstiegsphasen fühlen sich emotional meist am schlimmsten an.
So investieren Privatanleger
Investitionen sollten nicht allein deshalb getätigt werden, weil andere es tun. Dennoch ist es wichtig zu wissen, wie andere Marktteilnehmer agieren – denn Märkte werden von Kapitalflüssen bewegt.
Im 4. Quartal hielten 39 Prozent der deutschen Anleger Kryptowährungen. Das zeigt der aktuelle Retail Investor Beat von eToro. Zum Vergleich: 56 Prozent investieren in deutsche Aktien, 42 Prozent in ausländische Titel. Krypto ist damit längst kein Nischenthema mehr, sondern ein fester Bestandteil vieler Portfolios.
32 Prozent der Befragten wollen im laufenden Quartal ihre Investitionen insgesamt erhöhen, 17 Prozent können sich vorstellen, ihren Krypto-Anteil auszubauen. 24 Prozent würden bei sinkenden Zinsen in den nächsten zwölf Monaten verstärkt auf Krypto setzen. Das unterstreicht, dass Krypto als Risiko-Asset wahrgenommen wird und vor allem von hoher Liquidität sowie einem freundlichen Zinsumfeld profitiert.
Gleichzeitig bleiben die Sorgen präsent. 25 Prozent sehen die globale Wirtschaft oder eine mögliche Rezession als größtes Risiko, 22 Prozent nennen die Inflation. Optimismus ja, aber mit Blick auf die Makrolage.
Timing meist Wunschdenken
Am Tief einsteigen und am Hoch aussteigen. Das klingt gut, bleibt aber meistens Wunschdenken. Entscheidend ist nicht perfektes Timing, sondern Disziplin und Perspektive.
Eine bewährte Strategie besteht darin, den Einstieg auf mehrere Käufe aufzuteilen – beispielsweise über mehrere Wochen oder Monate. Auch eine Abstufung nach der Intensität des Rückgangs kann sinnvoll sein. So wird Druck aus der Entscheidung genommen, es wird nicht nur auf einem Kursniveau gekauft und das Handeln bleibt emotional stabiler.
Statt in ein fallendes Messer zu greifen, kann zudem eine Stabilisierung abgewartet werden. Etwa an einer Unterstützung, nach einer Umkehrkerze, bei einem höheren Tief oder einem Trendbruch in kleineren Zeiteinheiten.
Hält die Unterstützung?
Der Bitcoin hat seine Talfahrt in der vergangenen Woche bereits die vierte Woche in Folge fortgesetzt. Allerdings hat der Verkaufsdruck nachgelassen, das Tief der Vorwoche wurde nicht unterschritten.
Im Bereich zwischen 63.800 und 64.500 Dollar wurde die Unterstützungszone – ein sogenanntes Fair Value Gap – angelaufen und bislang verteidigt. Das spricht zunächst für eine Stabilisierung und eröffnet die Chance auf eine kurzfristige Gegenbewegung. Sollte diese Zone jedoch brechen, rückt der nächste stärkere Support zwischen 52.500 und 58.400 Dollar in den Fokus. Dieser Bereich diente bereits 2024 mehrfach als Auffangzone.

Bitcoin im Wochenchart. Quelle: eToro
Nicht impulsiv handeln
Wichtig ist vor allem, sich vorab klare Regeln zu setzen. Wie viel Prozent des Kapitals sollen investiert werden? Wie viel bleibt als Reserve? Struktur reduziert Panik und verhindert impulsive Entscheidungen.
Was häufig schiefläuft, ist das Gegenteil davon: Alles sofort zu investieren, ständig neu timen zu wollen oder auf absolute Sicherheit zu warten. Letztere gibt es am Markt nicht – nur Wahrscheinlichkeiten.
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