Viel Geopolitik, wenig Panik: Energie und Rüstung im Marktcheck

Kaum ist das Jahr gestartet, sorgt Donald Trump mit aggressiver Rhetorik und ersten Maßnahmen wieder für Schlagzeilen. Besonders im Fokus stehen die Sektoren Energie und Rüstung. Auffällig ist, dass der breite Markt erstaunlich gelassen reagiert. Geopolitik wirkt derzeit weniger als Auslöser neuer Trends, sondern eher als Verstärker bereits bestehender Entwicklungen.

Ölmarkt fragil

Der Venezuela-Schock löste am Ölmarkt keine extremen Preisbewegungen aus. Zwar schwankte die US-Ölsorte WTI kurzfristig, schloss die Vorwoche jedoch mit einem Plus von rund 2,5 Prozent. Entwarnung ist das dennoch nicht. Der Ölmarkt bleibt fragil. Der Ölpreis notiert gefährlich nahe am Vorjahrestief. Ein Bruch nach unten könnte die Stimmung schnell kippen lassen und Öl auf den tiefsten Stand seit Anfang 2021 drücken.

Chevron ist der einzige große US-Ölproduzent, der aktiv in Venezuela fördert – unter bestimmten politischen Szenarien ein strategischer Vorteil. Deutlich größeren Einfluss haben der globale Ölpreis und die Kostenkontrolle. Zwar sprang die Aktie zu Beginn der vergangenen Woche deutlich an, wurde jedoch rasch von technischen Widerständen ausgebremst.

Chevron im Wochenchart. Quelle: eToro

Trotz des Rückschlags bleibt die Aktie im Branchenvergleich hoch bewertet. Mit einem Forward-KGV von 23,5 liegt Chevron deutlich über den Wettbewerbern. Exxon Mobil (17,6) und ConocoPhillips (17,2) sind moderater bewertet, während Shell (10,6) und TotalEnergies (8,9) weniger als halb so hohe Bewertungsniveaus aufweisen.

Versorgungssicherheit entscheidend

Für deutsche Energiekonzerne wie Siemens Energy, RWE und E.ON hat die Venezuela-Entwicklung kaum direkte Auswirkungen. Doch die geopolitische Unsicherheit unterstreicht, wie zentral die Versorgungssicherheit bleibt. Damit auch der Ausbau der Erneuerbaren. Strukturell ist das positiv für alle drei DAX-Unternehmen, auch wenn sie unterschiedliche Schwerpunkte haben. Die Energiewende dürfte 2026 ein zentrales Wachstumsfeld sein.

Bei den Bewertungen zeigt sich ein klares Gefälle. Siemens Energy kommt auf ein Forward-KGV von 33,7. Entweder ist die Rally zu weit gelaufen oder der Markt traut dem Unternehmen langfristig deutlich mehr zu. RWE (19,7) und E.ON (15,5) wirken dagegen moderater bewertet.

Politische Abhängigkeit wächst

Der langfristige Verteidigungsbedarf bleibt hoch. Gleichzeitig sendet das Weiße Haus widersprüchliche Signale. Einerseits fordert Trump eine massive Erhöhung der Verteidigungsausgaben um 500 Milliarden US-Dollar. Andererseits hat er per Executive Order tiefgreifende Eingriffe beschlossen: Investitionszwang, Gehaltsdeckel sowie ein Stopp von Dividenden und Aktienrückkäufen für große Rüstungskonzerne. Der Staat greift damit stark in die Unternehmenspolitik ein.

An der grundsätzlichen Nachfrage ändert das wenig. Die geopolitische Realität – von Venezuela über Iran und Ukraine bis hin zu China und moderner Drohnentechnologie – spricht für dauerhaft hohe Verteidigungsausgaben. Fraglich bleibt, ob erzwungene Investitionen in Fabriken und Forschung Produktionsprobleme tatsächlich lösen oder eher Management und Investoren abschrecken. Für Anleger rücken damit drei Faktoren in den Fokus: Auftragslage, Produktionskapazitäten und politische Abhängigkeit.

Rheinmetall im Vergleich

Rheinmetall steht außerhalb des direkten Zugriffs der US-Regierung, profitiert aber von der globalen Aufrüstung. Kurzfristig hat das die Risikoprämien erhöht. Die Aktie sprang vergangene Woche um 19 Prozent nach oben und notiert nur knapp unter dem Rekordhoch.

Rheinmetall im Wochenchart. Quelle: eToro

Die Bewertung von Rheinmetall liegt auf einem sehr hohen Niveau. Mit einem Forward-KGV von 48,4 ist die Aktie deutlich höher bewertet als europäische Wettbewerber wie Safran (33,8) oder BAE Systems (25,9). Auch RTX (29,4) ist kein Schnäppchen. Vergleichsweise moderat bewertet sind unter den großen Rüstungskonzernen noch Honeywell (20,3), Lockheed Martin (19,9) und General Dynamics (21,6).

Geduld bewahren, langfristig denken

Trump sorgt für viel Lärm, doch die Märkte bleiben ruhig. Energie bleibt ein strukturelles Zukunftsthema, Rüstung eine mehrjährige Wachstumsstory. In beiden Sektoren sind die Bewertungen jedoch teilweise bereits sehr ambitioniert. Für Anleger heißt das: selektiv vorgehen, Qualität bevorzugen und Volatilität nutzen – statt jedem geopolitischen Hype hinterherzulaufen.

 

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