Voller Terminkalender, fragile Stimmung: Was jetzt zählt

Software-Aktien standen in der vergangenen Woche deutlich unter Druck. Auslöser war unter anderem ein neues KI-Automationstool von Anthropic, das neue Disruptionsängste geschürt hat. Zeit zum Durchatmen bleibt den Märkten kaum. Der Wirtschaftskalender ist prall gefüllt – mit wichtigen Konjunkturdaten und einer weiterlaufenden Berichtssaison. Das sorgt für erhöhte Spannung bis zum Ende der Handelswoche.

DeepSeek-Erinnerung

Ein neues KI-Automationstool von Anthropic hat vor allem bei Software-Aktien einen Abverkauf ausgelöst. Der SPDR S&P Software & Services ETF verlor in der vergangenen Woche fast 7 Prozent. Anleger reagieren derzeit äußerst sensibel auf neue KI-Produktankündigungen. Der Markt bewertet das Thema neu. Weg von KI-Fantasie, hin zu konkreten Disruptionsrisiken für bestehende Geschäftsmodelle. Vor allem Unternehmen mit wissens- und datenbasierten Produkten, die sich leicht automatisieren lassen, stehen im Fokus. Entsprechend wächst die Unsicherheit darüber, wer zukünftig zu den KI-Gewinnern und wer zu den Verlierern zählen wird. Die Bewegung ist Teil einer breiteren Neubewertung im Tech- und KI-Sektor.

SPDR S&P Software & Services ETF im Wochenchart. Quelle: eToro

Spannung bis zum Ende der Handelswoche

Der US-Wirtschaftskalender ist diese Woche vollgepackt. Dienstag stehen die Einzelhandelsumsätze an, Mittwoch die Arbeitsmarktdaten und Freitag die Inflationszahlen. Noch ist offen, welcher Faktor für die Märkte den Ausschlag gibt. Konsum, Arbeitsmarkt und Inflation beeinflussen die Geldpolitik gleichermaßen. Der Zinssenkungszyklus der Fed ist noch nicht abgeschlossen, und Anleger versuchen weiterhin einzuschätzen, wie weit und wie schnell die Notenbank die Zinsen senken kann. Hinzu kommt die Uneinigkeit innerhalb der Fed. Während ein Lager den Fokus klar auf die Inflationsbekämpfung legt, stellt das andere die Stabilität des Arbeitsmarkts in den Vordergrund. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh gilt als Vertreter des inflationsorientierten Lagers.

In Szenarien denken

Die Einzelhandelsumsätze sind im November um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen und liegen damit unter dem langfristigen Durchschnitt. Der Arbeitsmarkt kühlt sich bereits seit Längerem ab, ein klarer Einbruch ist bislang jedoch nicht zu erkennen. Gleichzeitig bleibt die Kerninflation mit 2,6 Prozent über dem Fed-Ziel, die Inflationsbekämpfung ist also noch nicht abgeschlossen.

An den Märkten zählt derzeit weniger ein einzelner Datenpunkt als das Gesamtbild. Kritisch wird es erst, wenn Konsum, Arbeitsmarkt und Inflation gleichzeitig in die falsche Richtung laufen. Nachlassender Konsum und ein abkühlender Arbeitsmarkt könnten zunächst eine sinkende Inflation begünstigen – und damit die Zinssenkungsfantasie neu befeuern. Die Fed hätte dafür grundsätzlich Spielraum, und der Markt weiß das. Kippt die Schwäche in Rezessionsängste, dürfte auch die Stimmung an den Märkten schnell drehen.

Markt steigt nicht linear

Der US-Aktienmarkt befindet sich in einem ausgedehnten Aufwärtsimpuls, der S&P 500 notiert rund 44 Prozent über dem April-Tief. Der Start ins Jahr 2026 verlief jedoch verhalten. Im Januar legte der Index nur um 1,3 Prozent zu, in der ersten Februarwoche ging es um 0,1 Prozent nach unten. Entsprechend dominiert eine abwartende Haltung. Der Markt befindet sich in einer Konsolidierungsphase. Der aktuelle Kursbereich wurde bereits im Oktober erstmals erreicht, seitdem bewegt sich der Index seitwärts, die Risikobereitschaft bleibt begrenzt.

Die erste Unterstützung bei 6.785 Punkten wurde in der vergangenen Woche bereits zum dritten Mal seit Dezember verteidigt. Darunter liegt eine zweite, wichtige Zone bei 6.540 Punkten. Hält die obere Unterstützung, sind neue Rekordhochs in den kommenden Wochen möglich. Bricht sie, könnte der Markt zunächst auf tieferen Niveaus neue Dynamik aufbauen. Wichtig dabei: Korrekturen sind normal. Selbst Rückgänge von 10 Prozent oder mehr gehören beim S&P 500 zum typischen Marktverlauf. Langfristig steigt der Markt nicht linear, sondern über regelmäßige Rücksetzer.

S&P 500 im Wochenchart. Quelle: eToro

Sektorrotation

Der breite US-Aktienmarkt tritt seit Monaten auf der Stelle, auf Indexebene dominiert eine Seitwärtsbewegung. Unter der Oberfläche ist jedoch einiges in Bewegung. Kapital wird aus Sektoren wie Software abgezogen und in andere Bereiche umgeschichtet.

Anleger suchen nach attraktiveren Bewertungen und neuem Renditepotenzial. Genau daraus entstehen neue Handelsideen und Einstiegschancen. Die Wirtschaftsdaten dieser Woche dürften dabei helfen zu verstehen, wo Anleger wieder verstärkt zugreifen.

 

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