Wie stark trifft der Iran-Konflikt die US-Wirtschaft wirklich?

In dieser Woche steht eine ganze Welle an Makrodaten aus den USA an. Sie ist besonders wichtig, weil sie zeigt, wie widerstandsfähig die US-Wirtschaft in den Iran-Konflikt gestartet ist und wo die größten Schwachstellen liegen. Bereiche, die bereits schwächeln, dürften in den kommenden Monaten weiter unter Druck geraten. Genau daraus lassen sich wichtige Rückschlüsse ziehen, wie das eigene Portfolio aktuell aufgestellt sein sollte.

Kontrollierter Ausverkauf

Es ist bereits die fünfte Verlustwoche in Folge für den US-Aktienmarkt. Die anhaltende geopolitische Unsicherheit bringt viele Anleger zunehmend an ihre Belastungsgrenze. Der S&P 500 schloss am Freitag über 9 Prozent Prozent unter seinem Rekordhoch. Man spürt regelrecht die Anspannung, bisher handelt es sich jedoch noch um einen kontrollierten Ausverkauf. Der DAX wurde deutlich stärker getroffen und hat den Korrekturbereich bereits erreicht. Ab einem Rückgang von 10 Prozent spricht man offiziell von einer Korrektur. Sollte sich die Lage nicht entspannen, könnte auch der US-Aktienmarkt in diesen Bereich rutschen.

S&P 500 im Tageschart. Quelle: eToro

Die Energiefalle

Die US-Industrie steckt in einer Energiefalle. Laut ISM-Daten hatte sie sich gerade erst mühsam stabilisiert, doch steigende Ölpreise wirken nun wie ein Dämpfer und dürften die Erholung ausbremsen. Das verarbeitende Gewerbe ist deutlich anfälliger für die Schocks des Iran-Konflikts als der Dienstleistungssektor, da es direkt von den Inputkosten abhängt. Steigende Energiepreise schlagen sofort auf die Margen durch. Im Dienstleistungssektor dominieren dagegen Lohnkosten, wodurch die Abhängigkeit von Energiepreisen geringer ist. Der ISM Manufacturing PMI für März wird am Mittwoch veröffentlicht, der Services PMI folgt am Freitag.

Hohe Ölpreise belasten den Konsum

Am Mittwoch liefern die US-Einzelhandelsdaten wichtige Hinweise auf den Konsumtrend. Hohe Energiepreise könnten die Nachfrage spürbar belasten. Steigende Benzinpreise wirken dabei wie eine zusätzliche Steuer, da sie die Kaufkraft der Haushalte schmälern. Die nächsten Zahlen beziehen sich jedoch noch auf Februar und erfassen die Eskalation nur teilweise. Zwar begann die Zuspitzung Ende Februar, die Ölpreise steigen allerdings bereits seit Januar. Umso wichtiger werden die Daten ab März, da sie ein klareres Bild der Auswirkungen liefern dürften.

Arbeitsmarkt fragiler als gedacht

Am spannendsten dürften die Arbeitsmarktdaten für März werden. Der Februar-Bericht zeigte einen unerwarteten Rückgang von 92.000 Stellen. Viele Anleger werteten das zunächst als einmaligen Ausschlag. Mit dem Iran-Konflikt nimmt der Druck auf den Arbeitsmarkt jedoch weiter zu. Die Zweifel an einer Stabilisierung wachsen. Genau davon war zuletzt auch die Fed noch ausgegangen. Inzwischen wirkt der Arbeitsmarkt deutlich fragiler als gedacht. Zwar reagiert er in der Regel zeitverzögert auf Ölpreisschocks, da Unternehmen ihre Personalplanung oft erst nach mehreren Wochen anpassen. Dennoch könnte der nächste Bericht bereits erste Signale liefern.

Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft

Sollten Arbeitsmarkt- und Konsumdaten schwächer ausfallen, hätte das direkte Auswirkungen auf Deutschland. Die USA sind der wichtigste Exportmarkt, eine nachlassende Nachfrage würde vor allem Branchen wie Automobil, Maschinenbau und Chemie treffen. Gleichzeitig würde ein schwächerer US-Dollar den Euro automatisch stärken, was deutsche Exporte zusätzlich verteuert. Die bestehenden Zölle würden diesen Effekt noch verstärken und den Druck auf die ohnehin schwächelnde Industrie weiter erhöhen.

Schnelle Richtungswechsel möglich

Solange der Iran-Konflikt anhält, könnte Kapital verstärkt in defensive und krisenresistente Anlagen fließen. Davon profitieren vor allem Rohstoffe und Energie sowie defensive Sektoren wie Verteidigung, Gesundheitswesen und Basiskonsum. Unter Druck könnten hingegen zyklische Branchen wie Fluggesellschaften, Hotels und die Automobilindustrie stehen.

Sobald sich jedoch eine Deeskalation abzeichnet, können sich die Risikoprämien schnell abbauen. Die Märkte schalten dann oft abrupt von defensiv auf Risiko. Das würde auch den Tech-Aktien zugutekommen, die in den letzten drei Monaten unterdurchschnittlich abgeschnitten haben.

 

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