Mercedes-Benz: Gewinn erneut eingebrochen, Hoffnung auf Erholung bleibt fragil

Die Mercedes-Benz-Aktie geriet am Dienstag nach der Veröffentlichung der Zahlen für das erste Quartal unter Druck. Die Ergebnisse fielen zwar schwach aus, lagen aber über den Erwartungen. Die Hoffnung richtet sich nun auf eine Erholung in der zweiten Jahreshälfte. Doch der ungelöste Iran-Konflikt und weiter steigende Ölpreise belasten diesen Ausblick. Am späten Nachmittag notiert die Aktie rund 3 Prozent im Minus.

Gewinn bricht ein, Marge schwach

Mercedes-Benz zeigt aktuell nicht nur geringeres Wachstum, sondern auch eine deutlich stärker unter Druck geratene Profitabilität. Der Umsatz sank im Jahresvergleich um 5 Prozent von 33,2 auf 31,6 Milliarden Euro. Hauptbelastungsfaktor ist die schwache Nachfrage in China, wo der Umsatz um 27 Prozent eingebrochen ist. Noch deutlicher zeigt sich der Druck beim Gewinn, der um 17 Prozent von 2,28 auf 1,90 Milliarden Euro zurückgeht. Entsprechend fällt auch die Marge im ersten Quartal deutlich von 7,3 Prozent auf 4,1 Prozent. Trotzdem ist ein vorsichtiger Optimismus erkennbar. Die Auftragsbücher bleiben gut gefüllt, und neue Modelle sollen in der zweiten Jahreshälfte für Impulse sorgen. Mercedes setzt dabei auf eine Kombination aus Elektromobilität und überarbeiteten Verbrennern. Gleichzeitig nimmt der Kostendruck zu. Steigende Rohstoffpreise werden erwartet, die wieder anziehende Inflation belastet das Geschäft, und auch US-Zölle drücken auf die Margen. Als Reaktion soll die Produktion um rund 10 Prozent reduziert werden, der Fokus verschiebt sich in Richtung Effizienz und Profitabilität. Besonders kritisch ist der zunehmende Preisdruck. Die durchschnittlichen Verkaufspreise sind um 7,7 Prozent gesunken – ein deutliches Warnsignal für einen Premiumhersteller, dessen Geschäftsmodell stark von hoher Preissetzungsmacht lebt. Genau diese scheint aktuell nachzulassen.

Der ungelöst Iran-Konflikt

Der anhaltende Iran-Konflikt wirkt wie eine Kettenreaktion entlang der gesamten Wertschöpfungskette und trifft Mercedes-Benz damit an mehreren Stellen gleichzeitig. Der Brent-Future ist seit Jahresbeginn um rund 78 Prozent auf etwa 108 US-Dollar gestiegen. Die Ölpreise bleiben hoch, genau das sorgt für einen anhaltenden Belastungsfaktor. Für Mercedes bedeutet das vor allem steigende Produktionskosten. Die energieintensive Herstellung eines Fahrzeugs verschlingt enorme Mengen Strom und Gas, etwa beim Pressen von Blechen oder beim Lackieren. Gleichzeitig verteuern sich wichtige Vorprodukte. Metalle wie Aluminium sowie chemische Beschichtungen und Kunststoffe werden deutlich teurer. Hinzu kommen steigende Logistikkosten. Durch die Umleitung von Schiffen rund um den Suezkanal und die Straße von Hormus erhöhen sich die Frachtkosten spürbar. Zusätzlich verlangen Versicherer deutlich höhere Prämien für Kriegsrisiken. Der Druck endet jedoch nicht bei der Produktion. Für Endverbraucher steigen die Gesamtkosten deutlich. Solange der Iran-Konflikt ungelöst bleibt, dürften Benzin- und Dieselpreise hoch bleiben, was die „Total Cost of Ownership“ weiter nach oben treibt. Auch Reparaturkosten steigen und führen zeitverzögert zu höheren Versicherungsprämien.

Bewertung auf Augenhöhe mit Ford

Mercedes kommt mit einem Forward-KGV von 8,3 leicht über dem Durchschnitt unseres Vergleichs und liegt damit auf Augenhöhe mit dem US-Konkurrenten Ford. Deutlich niedriger bewertet sind Volkswagen mit 4,3 – der niedrigste Wert im Vergleich – sowie GM mit 6,5 und BMW mit 7,5. Ein extrem niedriges Forward-KGV ist an der Börse jedoch oft kein Schnäppchen, sondern eher ein Warnsignal. Auf der anderen Seite stehen Toyota mit 10,6 und BYD mit 11,7, die höher bewertet sind, aber nicht extrem. Ein höherer Multiplikator könnte darauf hindeuten, dass professionelle Investoren weniger negative Überraschungen erwarten und den Geschäftsmodellen mehr Stabilität zutrauen. Ein klarer Ausreißer ist Tesla mit einem Forward-KGV von 173,5. Das spiegelt eine völlig andere Bewertung wider, da Tesla nicht mehr als klassischer Autobauer gesehen wird, sondern als AI-, Software- und Plattform-Story, bei der auch Chip-Themen bereits eingepreist sind.

Marge ist unterdurchschnittlich

Mercedes kommt aktuell auf eine LTM EBIT-Marge von 5,3 Prozent und liegt damit unter dem Durchschnitt unseres Vergleichs von 7,0 Prozent. Stärker positioniert sind BMW mit 7,4 Prozent und Toyota mit 8,5 Prozent, die eine höhere operative Effizienz zeigen. Auch GM liegt mit 5,9 Prozent leicht vor Mercedes, während Volkswagen mit 4,1 Prozent und Tesla mit 4,9 Prozent darunter rangieren. Auffällig ist Ford mit einer negativen Marge von -0,3 Prozent, was auf operative Probleme und hohen Kostendruck hindeutet. Ein klarer Ausreißer ist BYD mit einer EBIT-Marge von 20,4 Prozent. Das deutet auf eine außergewöhnlich hohe Profitabilität hin, die vor allem durch starke Skaleneffekte, vertikale Integration und eine dominante Marktstellung im chinesischen EV-Markt getrieben wird.

Hält die langfristige Unterstützung?

Die Mercedes-Benz-Aktie gibt in dieser Woche um weitere 3,4 Prozent auf 48,20 Euro nach. Damit rückt eine wichtige Zone zwischen 44,50 und 47 Euro in den Fokus, die seit 2018 immer wieder als Unterstützung und Widerstand gedient hat. Ein Test dieser Marke erscheint aktuell wahrscheinlich, der letzte erfolgte bereits vor einem Jahr. Der Abstand zum Januar-Hoch liegt inzwischen bei rund 22 Prozent. Damals notierte die Aktie mehrfach kurz über 62 Euro, nachdem sie im März des Vorjahres bis auf 63 Euro gestiegen war. Seitdem hat sich das Bild deutlich eingetrübt. Die genannte Unterstützungszone ist langfristig entscheidend. Hält sie, besteht die Chance auf eine Stabilisierung und eine Gegenbewegung. Dafür wäre es wichtig, dass die Aktie die 20-Wochen-Linie zurückerobert, die aktuell bei rund 54,20 Euro verläuft. Das zeigt zugleich, dass auch der mittelfristige Trend derzeit gegen die Bullen spricht. Sollte die Unterstützung nicht halten, rückt die nächste wichtige Marke in den Fokus, nämlich die runde 40-Euro-Zone, die bereits in den Jahren 2019 und 2020 eine zentrale Rolle gespielt hat.

Mercedes-Benz, im Wochenchart. Quelle: eToro

Hoffnung auf Erholung bleibt fragil

Mercedes steht unter Druck, schwache Nachfrage, sinkende Preise und steigende Kosten belasten Margen und Ausblick. Die Bewertung ist moderat, aber nicht günstig genug für die Risiken. Kurzfristig bleibt die Aktie anfällig. Upside entsteht nur, wenn Margen stabil bleiben, China sich erholt und die EV-Transformation überzeugt.

 

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